Eine der größten Online-Investmentfallen in Madhya Pradesh ist aufgeflogen: Kriminelle haben einen 70-jährigen Wirtschaftsprüfer aus Gwalior um umgerechnet rund 21 Millionen Euro gebracht. Die Polizei spricht von einem ausgeklügelten System mit über 20.000 sogenannten Mule-Konten.
Die perfide Masche der Betrüger
Alles begann im Dezember 2025. Ashok Vijayvargiya, ein erfahrener Chartered Accountant, erhielt eine WhatsApp-Nachricht von einer angeblichen „Divya“. Die Täter lockten ihn auf ein gefälschtes Handelsportal, das legitime USDT-Transaktionen (Tether) simulierte.
Um Vertrauen aufzubauen, erlaubten die Betrüger dem Opfer zunächst einen angeblichen Gewinn von rund 188.000 Rupien – etwa 2.100 Euro – abzuheben. Ein klassischer Köder, der seine Wirkung zeigte. Zwischen Dezember 2025 und Mitte 2026 tätigte Vijayvargiya über 100 Überweisungen von vier verschiedenen Konten bei der Union Bank of India, der HDFC Bank und der ICICI Bank. Die Gesamtsumme: 21,05 Crore Rupien, umgerechnet etwa 21 Millionen Euro.
Der Schwindel flog im Juli 2026 auf. Als der Senior seine angeblichen Gewinne abheben wollte, blockierten die Täter die Auszahlung und forderten stattdessen weitere Zahlungen – unter anderem fast 10,84 Crore Rupien für angebliche Steuern und eine Risikomarge von 200.000 USDT.
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Ein Netz aus Tausenden Konten
Die Ermittler stehen vor einem komplexen Finanzgeflecht. Die gestohlenen Gelder wurden durch ein mehrstufiges System geschleust, das die Spuren verwischen sollte. Insgesamt identifizierten die Behörden 20.507 Mule-Konten, verteilt auf zwölf verschiedene Transaktionsschichten.
Die Verteilung der Konten liest sich wie eine organisierte Geldwäsche-Infrastruktur:
– Erste Schicht: 76 bis 77 Konten für die Ersteinzahlungen
– Zweite Schicht: 493 Konten
– Dritte Schicht: 12.720 Konten
– Vierte Schicht: Rund 7.500 Konten
Über 20.000 Einzeltransaktionen wurden im Rahmen dieser Geldwäsche getätigt. Ein System, das an die Strukturen professioneller Cyberkrimineller erinnert, wie sie zunehmend auch in Deutschland bei Investmentbetrugsfällen beobachtet werden.
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Ermittlungen und erste Erfolge
Nach der Anzeige des Opfers wurde ein Strafverfahren eingeleitet – unter anderem wegen Betrugs nach den Paragrafen 318(4) und 319(2) des indischen Strafgesetzbuchs sowie wegen Betrugs nach dem Information Technology Act.
DSP Sanjeev Nayan Sharma von der örtlichen Polizei bestätigte, dass die Ermittler auf das indische Cyber Crime Coordination Centre (I4C) zurückgreifen, um die Geldströme zu verfolgen. Bislang konnten die Behörden rund zwei Crore Rupien – etwa 220.000 Euro – auf verschiedenen Konten einfrieren.
Die Fahndung läuft auf Hochtouren: Im Fokus stehen die IP-Adressen, die WhatsApp-Nummern und vor allem das Ziel der gewaschenen Kryptowährung. Ob die Täter im Ausland sitzen, ist noch unklar – ein Szenario, das die Rückholung der Gelder erheblich erschweren würde.

