IRS-Alert 2026-19: Steuerberater bleiben für KI-Ergebnisse verantwortlich

KI-Nutzung wächst, doch Fachkräfte bleiben verantwortlich; Mandantendaten, Abrechnungen und Ergebnisse erfordern sorgfältige Prüfung.

•

Der Einzug generativer künstlicher Intelligenz in professionelle Büroumgebungen verändert Arbeitsabläufe in Kanzleien und Beratungsunternehmen grundlegend. Während automatisierte Werkzeuge die Aufbereitung von Dokumenten, Analysen und Entwürfen beschleunigen, steigen zugleich die Anforderungen an Aufsicht, Datenschutz und berufsrechtliche Sorgfalt.

Behördliche Klarstellungen und Branchenerhebungen verdeutlichen, dass Technologie die fachliche Letztverantwortung von Berufsträgern nicht ersetzt, sondern präzise Kontrollmechanismen verlangt.

Regulatorische Vorgaben für die steuerliche Beratung

Welche Maßstäbe für den Technologieeinsatz gelten, verdeutlichte das Office of Professional Responsibility der US-Steuerbehörde IRS am 24. Juni 2026 mit der Veröffentlichung des Alerts 2026-19. Die Mitteilung schafft keine neuen Vorschriften, sondern stellt klar, wie die bestehenden Berufspflichten nach Circular 230 auf generative KI anzuwenden sind.

Steuerberater bleiben demnach für sämtliche KI-gestützten Erklärungen und Beratungsleistungen persönlich verantwortlich. Fakten, Berechnungen und zugrunde liegende Rechtsquellen müssen von den Fachkräften stets unabhängig geprüft werden.

Besonderes Augenmerk liegt auf dem Schutz vertraulicher Mandantendaten. Diese dürfen ausschließlich in sicheren, behördlich oder intern freigegebenen Systemen verarbeitet werden.

Anzeige

Wer sich mit dem Einsatz moderner Technologien im Unternehmen befasst, muss die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen und Risikoklassen genau kennen. Dieser kostenlose Report klärt auf, welche Pflichten die EU-KI-Verordnung für Anwender und Entwickler bereithält. Welche KI-Systeme gelten als Hochrisiko? Jetzt gratis informieren

Die Eingabe von Mandanteninformationen in öffentliche oder ungesicherte KI-Anwendungen kann gravierende zivil- oder strafrechtliche Konsequenzen nach den Abschnitten 6713 und 7216 des Internal Revenue Code nach sich ziehen.

Zudem verlangt die Behörde Transparenz bei der Honorarabrechnung: Zeiteinsparungen, die durch den Einsatz automatisierter Systeme entstehen, müssen sich korrekt in den Abrechnungen gegenüber Mandanten widerspiegeln.

Steigende Nutzung trifft auf verunsicherte Mandanten

Die Notwendigkeit verbindlicher Richtlinien wird durch die rasche Verbreitung der Technologie unterstrichen. Laut einem Branchenbericht der Kanzlei Foley nutzten Anfang 2026 bereits 74 Prozent der Anwälte, Steuerberater und weiteren Fachkräfte KI mehrmals pro Woche. In den Rechtsabteilungen von Unternehmen verdoppelte sich der Einsatz generativer KI innerhalb von zwölf Monaten auf 52 Prozent.

Gleichzeitig klafft eine deutliche Lücke zwischen den Erwartungen der Auftraggeber und der erlebten Dienstleistung. Fast 80 Prozent der Unternehmenskunden stufen eine KI-gestützte Qualität bei der Auswahl ihrer Berater als sehr wichtig oder unverzichtbar ein, doch lediglich 6 Prozent geben an, diese Qualität tatsächlich zu erhalten.

Anzeige

Die Einhaltung gesetzlicher Fristen und Dokumentationspflichten beim Einsatz von KI-Systemen ist für die Compliance-Abteilung heute unverzichtbar. Ein kostenloser Umsetzungsleitfaden verschafft Ihnen den nötigen Überblick über den EU AI Act und schützt vor empfindlichen Strafen. Kostenlosen Leitfaden zur KI-Verordnung herunterladen

Die Unzufriedenheit hat spürbare wirtschaftliche Folgen: 32 Prozent der enttäuschten Kunden haben ihre Kanzleibeziehungen wegen des Umgangs mit KI überdacht oder planen entsprechende Schritte. Ein Drittel dieser Gruppe beziffert das jährliche Honorarvolumen, das dadurch auf dem Spiel steht, auf mehr als 1 Million US-Dollar.

Organisatorische Maßnahmen und technische Absicherung

Um Haftungsrisiken und Mandatsverluste zu vermeiden, empfehlen Branchenexperten klare Governance-Strukturen innerhalb der Kanzleien. Unternehmen müssen verbindlich festlegen, welche KI-Werkzeuge für welche Zwecke zugelassen sind, und eine sorgfältige Anbieterprüfung durchführen. Neben Schulungen für Mitarbeitende sind standardisierte Prüfverfahren erforderlich, bei denen Arbeitsergebnisse dokumentiert und manuell validiert werden.

Die Verantwortung für fachliche Entscheidungen, formelle Freigaben und behördliche Übermittlungen verbleibt ausnahmslos beim Menschen. Für Beratungsunternehmen bedeutet die digitale Transformation daher vor allem eine Weiterentwicklung interner Qualitätskontrollen, um Effizienzgewinne mit den geltenden Sorgfaltsstandards in Einklang zu bringen.