Israel: Hauptziel geopolitischer Cyberangriffe

Israel ist laut Bericht das weltweit am stärksten angegriffene Land im Cyberraum. Iranische Akteure stehlen Petabytes an Daten und nutzen gezieltes Phishing, während Israel seine Abwehr durch neue Gesetze stärkt.

Israel ist das weltweit am stärksten angegriffene Land im digitalen Schattenkrieg. Ein neuer Bericht zeigt, dass 2025 jeder achte geopolitisch motivierte Cyberangriff auf den Staat zielte. Hinter der Offensive stehen vor allem iranische Akteure.

Die Zahlen sind alarmierend: Israel hat im vergangenen Jahr 12,2 Prozent aller weltweiten Cyberangriffe mit geopolitischem Hintergrund auf sich gezogen. Das geht aus dem „Global Cyber Threat Report 2026“ des Sicherheitsunternehmens Radware hervor. Der Bericht, der diese Woche veröffentlicht wurde, unterstreicht die Intensität des digitalen Konflikts zwischen Israel und dem Iran. Dieser wird längst nicht mehr nur über Stellvertreter geführt, sondern offen in Netzwerken ausgetragen – von der Staatsinfrastruktur bis zu den persönlichen Daten der Bürger.

Unvorstellbare Datenmengen gestohlen

Das Ausmaß der digitalen Belagerung ist gewaltig. Jüngste interne Einschätzungen der israelischen Cyberabwehr bestätigen das düstere Bild. Yossi Karadi, Leiter der israelischen Nationalen Cyberdirektion (INCD), gab in einem Interview am 18. Februar 2026 bekannt, dass in den letzten Jahren etwa zwei Petabyte an Daten von Israelis gestohlen wurden. Diese unvorstellbare Datenmenge – zwei Billiarden Bytes – zeigt den Erfolg der Angreifer bei der Überwindung von Abwehrmaßnahmen.

Die Radware-Studie liefert den quantitativen Beleg: Weltweit gab es einen Anstieg von 168 Prozent bei DDoS-Angriffen, einer häufig politisch motivierten Taktik. Karadi bestätigte, dass Israel zu den drei global am stärksten angegriffenen Ländern zählt. Eine Einschätzung, die mit den Ergebnissen aus der Privatwirtschaft übereinstimmt.

Irans neue Angriffsmethoden: Gezieltes Phishing

Doch nicht nur die Menge, auch die Methoden der mutmaßlich iranischen Angreifer werden raffinierter. Laut einer gemeinsamen Erklärung von INCD und dem Inlandsgeheimdienst Shin Bet Mitte Februar nehmen gezielte Phishing-Angriffe auf hochrangige Israelis deutlich zu.

Bei dieser Taktik geben sich die Hacker als vertraute Personen oder Kollegen aus, um ihre Opfer zum Download schädlicher Dateien oder zur Preisgabe persönlicher Informationen zu verleiten. Dazu gehören auch Zugangsdaten und Zwei-Faktor-Authentifizierungscodes für Dienste wie Google, Telegram und WhatsApp. Die Ziele sind handverlesen: Regierungsbeamte, aktive und ehemalige Militärangehörige, Akademiker und Journalisten. Hunderte solcher spezifischen Angriffe konnten die Behörden in den letzten Monaten vereiteln.

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Gesetzesreform für bessere Cyberabwehr

Als Reaktion auf die anhaltende Bedrohung arbeitet Israel an einer umfassenden Stärkung seiner Cyberabwehr. Ein zentraler Baustein ist eine neue Gesetzgebung. INCD-Chef Karadi bestätigte, dass eine umfassende Cyber-Gesetzesvorlage erarbeitet wird.

Das geplante Gesetz soll die Befugnisse der INCD klar definieren und die Cybersicherheitsverantwortung des Privatsektors, insbesondere bei kritischer Infrastruktur, festlegen. Es wird erwartet, dass für kritische Anbieter mindestens 63 verschiedene Cyberabwehr-Anforderungen verbindlich werden. Damit würden israelische Standards an internationale Spitzenwerte, wie die des US-amerikanischen NIST, angeglichen.

Die Zukunft: KI und Cloud im Fokus

Der digitale Konflikt zwischen Iran und Israel verschärft sich weiter. Die Fokussierung iranischer Gruppen auf Datendiebstahl und Spionage bei hochrangigen Zielen deutet auf eine langfristige Strategie hin, um nachhaltige Aufklärungsvorteile zu erlangen.

Israel bereitet sich bereits auf die nächste Stufe der Cyberkriegsführung vor. Ein nationaler Plan konzentriert sich auf Cloud-Sicherheit, den Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Verteidigung und die Vorbereitung auf das Zeitalter des Quantencomputings. Erwartet wird, dass beide Seiten zunehmend fortschrittlichere Tools, einschließlich KI, nutzen werden, um ihre Operationen zu beschleunigen und auszuweiten. Dieser stille Krieg in der digitalen Sphäre bleibt eine kritische und volatile Front im geopolitischen Ringen des Nahen Ostens.