Angesichts des anhaltenden Mangels an Fachkräften öffnen sich deutsche Betriebe verstärkt für alternative Bildungswege in der Informationstechnik. Wie der Branchenverband Bitkom in einem Bericht vom 8. Oktober 2026 mitteilte, beschäftigen 69 Prozent der Unternehmen mit IT-Stellen Quereinsteiger als IT-Fachkräfte. Dabei greifen 31 Prozent häufig und 38 Prozent vereinzelt auf Quereinsteiger zurück. Künftig wollen 39 Prozent der Betriebe noch stärker auf diese Beschäftigtengruppe setzen.
Für die Mehrheit der Arbeitgeber steht die tatsächliche Anwendungsfähigkeit im Vordergrund: 51 Prozent der Unternehmen mit entsprechenden Vakanzen gaben an, dass praktische IT-Kenntnisse mehr zählen als formale Abschlüsse.
Dennoch bleiben klassische Ausbildungswege ein wichtiges Fundament. In 83 Prozent der Betriebe mit IT-Stellen arbeiten Fachkräfte mit einer regulären IT-Berufsausbildung, und in fast sieben von zehn Unternehmen sind Mitarbeiter mit einem IT- oder IT-nahen Hochschulabschluss tätig.
Praxisnahe Vorerfahrung prägt Quereinsteiger-Profile
Die Analyse der Quereinsteiger zeigt, dass der Wechsel in die IT selten ohne Vorkenntnisse erfolgt. Nach den Bitkom-Erhebungen verfügen 80 Prozent der eingestellten Quereinsteiger über IT-Vorerfahrung. Bei 53 Prozent wurden die Fähigkeiten berufspraktisch erworben, während 35 Prozent eine IT-Weiterbildung oder ein Bootcamp absolvierten.
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Drei von zehn Quereinsteigern (30 Prozent) brachten sich das Wissen autodidaktisch bei, und 12 Prozent weisen eine abgebrochene IT-Ausbildung auf. Hinsichtlich des formalen Hintergrunds besitzen 47 Prozent eine Berufsausbildung ohne IT-Bezug, während 30 Prozent einen IT-fernen Hochschulabschluss vorweisen können.
Die Erhebung basiert auf einer Befragung von 602 Unternehmen ab drei Beschäftigten, darunter 319 mit IT-Stellen, die in den Kalenderwochen 18 bis 25 des Jahres 2026 durchgeführt wurde.
Der Druck auf den Arbeitsmarkt bleibt hoch: 85 Prozent der Betriebe beklagen einen akuten Mangel an passenden Bewerbern, und 79 Prozent rechnen mit einer weiteren Verschärfung der Lage. Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst fordert vor diesem Hintergrund politische Weichenstellungen.
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Konkret spricht er sich für ein persönliches Budget für Weiterbildungen im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) sowie für ein staatlich gefördertes KI-Weiterbildungsbudget für kleine und mittlere Unternehmen aus.
Künstliche Intelligenz und praktische Kompetenzen im Fokus
Um Personalengpässe abzufedern, greifen Organisationen auch auf Automatisierung zurück. Bei den Großunternehmen ab 250 Mitarbeitern setzen laut Bitkom bereits 21 Prozent Künstliche Intelligenz gegen den Fachkräftemangel ein. Unter den Firmen mit 50 bis 249 Beschäftigten liegt der Anteil bei 12 Prozent, während es bei kleineren Firmen 7 Prozent sind.
Der Bedeutungsverlust rein formaler Nachweise zugunsten anwendungsbezogener Fähigkeiten spiegelt eine breitere Entwicklung wider. Branchenanalysten wie Amy Farner vom Beratungsunternehmen The Josh Bersin Company beobachten, dass formale Bildungszertifikate als Eignungsindikator an Gewicht verlieren, da KI deklaratives Wissen und Richtlinien rasch abbilden kann.
Der entscheidende Wettbewerbsvorteil verlagere sich damit zunehmend auf die Urteilsfähigkeit und die praktische Umsetzung im Arbeitsalltag. Zugleich hat die Bundesregierung Maßnahmen bei Ausbildung und Fachkräfteeinwanderung ergriffen, um den hohen Bedarf an technischen Experten und Entwicklern in Deutschland zu adressieren.

