IT-Sicherheit: 35% scheitern bei Zugriffsentziehung innerhalb 24h

Studie zeigt: Viele IT-Verantwortliche überschätzen ihre Fähigkeit, Zugriffsrechte schnell zu entziehen. Besonders Behörden haben Probleme.

Viele IT-Verantwortliche überschätzen die Sicherheit ihrer Systeme massiv.

Eine aktuelle Studie von HID und der FIDO Alliance offenbart ein erschreckendes Missverhältnis: 94 Prozent der IT-Entscheider glauben, Zugriffsrechte innerhalb von 24 Stunden entziehen zu können. Doch die Realität sieht anders aus. 35 Prozent der Befragten berichten von Verzögerungen oder gar Fehlschlägen bei diesem kritischen Vorgang.

Besonders dramatisch ist die Lage im öffentlichen Sektor. Hier liegt die Fehlerquote bei der Zugriffsentziehung bei 43 Prozent. Rund 20 Prozent der Behörden setzen noch immer auf manuelle Prozesse – ein Sicherheitsrisiko ersten Ranges.

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Identitätsdiebstahl als Dauerbrenner

Die Folgen dieser Sicherheitslücken sind gravierend. 70 Prozent aller Unternehmen haben bereits identitätsbezogene Sicherheitsvorfälle erlebt. Ein Hauptgrund: die zunehmende Komplexität der IT-Infrastruktur. 59 Prozent der Firmen betreiben drei oder mehr separate Authentifizierungssysteme. Nur jedes zweite Unternehmen hat eine einheitliche Berichtsstruktur für das Identitätsmanagement etabliert.

Der Umstieg auf phishing-resistente Standards kommt nur schleppend voran. Zwar haben 93 Prozent der Organisationen mit der Einführung von Passkeys begonnen, aber lediglich 13 Prozent setzen sie im großen Stil ein. Haupttreiber sind die Reduzierung von Phishing-Risiken (45 Prozent) und die Senkung der IT-Kosten (44 Prozent).

Deutschlands digitale Rückstände

Die OECD wirft in ihrem „Digital Government Outlook 2026″ einen kritischen Blick auf die öffentliche Verwaltung. Zwar sind 74 Prozent der digitalen Kerninfrastrukturen in den Mitgliedsländern verfügbar – doch nur 63 Prozent der Behörden nutzen sie tatsächlich. Die OECD fordert verbindliche Vorgaben zur Nutzung gemeinsamer Infrastrukturen.

Ein Paradebeispiel für die Folgen dieser Zurückhaltung liefert Deutschland: Die Deutsche Rentenversicherung verschickt jährlich rund 30 Millionen Renteninformationsschreiben per Post. Allein 2025 kosteten Druck und Porto dafür rund 18 Millionen Euro. Während Länder wie Dänemark bereits zwischen 2012 und 2015 auf „Digital Only“ umstellten, plant Deutschland die digitale Steuererklärung erst ab 2027 als Standard.

Frankreichs Weg in die Cloud

Auch Frankreich kämpft mit den Herausforderungen der Digitalisierung. Das Bildungsministerium hat Nextcloud für über 1,2 Millionen Mitarbeiter eingeführt – aktuell sind mehr als 400.000 Konten aktiv. Doch ohne verbindliche Vorgaben für eine Desktop-Suite nutzen viele Beschäftigte weiterhin Altsysteme. Die Folge: Kompatibilitätsprobleme innerhalb der Cloud-Umgebung.

Leistungsprobleme bei neuer Software

Die Umstellung auf webbasierte Tools bringt eigene Probleme mit sich. Tests des neuen Outlook-Interfaces zeigen: Es ist deutlich langsamer und ressourcenhungriger als die klassische Version. Der neue Client benötigt bereits im Leerlauf über 1 GB Arbeitsspeicher – die alte Version kam mit weniger als 200 MB aus. Das Öffnen einer E-Mail aus der Benachrichtigung dauert bis zu zehn Sekunden.

Auch der Juni-Patchday 2026 hinterließ Spuren. Microsoft bestätigte, dass die Updates KB5094126 und KB5093998 Probleme mit Drittanbieter-Anwendungen verursachen. Konkret blockierten die Patches das Starten von Office-Programmen aus Buchhaltungs-, Zahnarzt- und Forschungssoftware – verursacht durch Fehler in der OLE-Automation.

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Browser als neue Sicherheitsfront

Browser-Hersteller reagieren auf wachsende Datenverlustrisiken. Microsoft Edge for Business und Chrome Enterprise integrieren jetzt Data-Loss-Prevention-Funktionen direkt in die Weboberfläche. Sie können das Hochladen sensibler Daten oder das Kopieren in unverwaltete Cloud-Anwendungen und KI-Tools blockieren.

Google erweitert derweil die KI-Integration in Workspace. Seit dem 15. Juni können Administratoren Gemini-Funktionen steuern, seit dem 16. Juni gibt es Suchagenten in den USA. Die Neuerungen umfassen automatisierte E-Mail-Zusammenfassungen für Gmail und Tools in Sheets, die unstrukturierten Text in Tabellen umwandeln. Laut Entwicklern soll dies die Dateneingabe um das Neunfache beschleunigen.