JadePuffer: Erste KI-Ransomware bedroht Krypto-Börsen

KI-gestützte Betrugsmethoden im Kryptosektor nehmen stark zu. Der AI-in-Crime Index verzeichnet 2026 einen deutlichen Anstieg, während Nordkorea für den Großteil der Hack-Verluste verantwortlich gemacht wird.

In einem aktuellen Bericht des Analyseunternehmens TRM Labs wird eine deutliche Zunahme der kriminellen Aktivitäten unter Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Kryptosektor dokumentiert.

Den Daten zufolge ist die KI-Nutzung in der Kryptokriminalität im Jahr 2026 im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung unterstreicht die wachsende Professionalisierung von Akteuren, die moderne Technologien nutzen, um Sicherheitsmechanismen zu umgehen.

Massive Zunahme von Betrugsfällen und technologische Evolution

Ein zentrales Maß für diese Entwicklung ist der von TRM Labs entwickelte AI-in-Crime Index. Dieser erreichte im laufenden Jahr einen Wert von 54 von 100 möglichen Punkten, was fast eine Verdoppelung gegenüber dem Wert von 28 Punkten im Jahr 2024 darstellt. Besonders signifikant zeigt sich der Trend in der langfristigen Betrachtung: Seit dem Jahr 2022 ist der Anteil von KI an gemeldeten Betrugsfällen um das 13-fache gestiegen.

Ein wesentlicher Faktor für diesen Anstieg ist die Perfektionierung von Deepfakes. Die Verluste, die durch diese Form der Täuschung im Kryptobereich entstanden sind, verzeichneten im Jahr 2026 ein Wachstum von 263 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Jonno Newman von TRM Labs erläuterte dazu, dass insbesondere die sogenannte Agentic AI die Komplexität von Betrugsdelikten erhöhe. Ein einziger Bot sei mittlerweile in der Lage, die Arbeit mehrerer Menschen zu übernehmen, was die Skalierbarkeit krimineller Operationen massiv steigere. Zudem machten Deepfakes etablierte Erkennungszeichen für Betrug zunehmend hinfällig.

Anzeige

Angesichts der rasanten technologischen Entwicklung bei KI-gestützten Betrugsversuchen müssen Unternehmen ihre Sicherheitsstrategien dringend an die neue Rechtslage anpassen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet einen kompakten Überblick über alle Anforderungen, Pflichten und Fristen der EU-KI-Verordnung. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt

Hohe Schadenssummen durch Hacks und staatliche Akteure

Die Bilanz der ersten Jahreshälfte 2026 verdeutlicht das Ausmaß der Bedrohung. Nach Angaben von Branchenbeobachtern wurden in diesem Zeitraum zwischen 201 und 207 Hacks im Kryptosektor registriert. Die daraus resultierenden Gesamtverluste beliefen sich laut TRM Labs auf bis zu 972 Mio. USD.

Eine dominante Rolle nehmen dabei staatlich gesteuerte Akteure ein. Nordkorea wird für einen erheblichen Anteil dieser Schäden verantwortlich gemacht. Allein in der ersten Jahreshälfte 2026 soll das Land für 61 Prozent der Schäden durch Krypto-Hacks verantwortlich gewesen sein, was einer Summe von 600 Mio. USD entspricht.

Andere Erhebungen weisen für den Zeitraum bis April 2026 sogar eine noch höhere Konzentration aus: Hier wurde Nordkorea mit Verlusten in Höhe von 577 Mio. USD in Verbindung gebracht, was zum damaligen Zeitpunkt 76 Prozent aller weltweiten Verluste ausmachte.

In einem erweiterten Kontext wurden Nordkorea bis April 2026 Verluste in Höhe von 643 Mio. USD zugeschrieben, unter anderem im Zusammenhang mit Vorfällen bei Drift und KelpDAO.

Anzeige

Wer sich mit der Absicherung gegen hochkomplexe digitale Angriffe befasst, sollte auch die regulatorischen Rahmenbedingungen für den Einsatz von KI-Systemen genau kennen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche KI-Anwendungen als Hochrisiko eingestuft werden und was Verantwortliche jetzt konkret tun müssen. Welche KI-Systeme gelten als Hochrisiko – und was müssen Unternehmen jetzt konkret tun?

Neue Bedrohungen durch autonome Ransomware-Systeme

Die kriminelle Infrastruktur wird zudem durch die Verfügbarkeit kostengünstiger Werkzeuge gestärkt. Sogenannte Ransomware-Kits werden auf einschlägigen Marktplätzen für Beträge zwischen 400 und 1.200 USD gehandelt. Eine neue Stufe der Eskalation markiert die Identifizierung von JadePuffer. Dabei handelt es sich um die erste bekannte Ransomware, die vollständig von einer Künstlichen Intelligenz gesteuert wird.

Angesichts dieser Zahlen forderte Jonno Newman eine technologische Aufrüstung aufseiten der Verteidiger. Er betonte die Notwendigkeit, KI verstärkt in der Kriminalitätsbekämpfung einzusetzen und die grenzüberschreitende Kooperation zwischen Behörden und Unternehmen zu intensivieren.

Wie dringlich ein globales Vorgehen ist, belegt auch ein Bericht der Vereinten Nationen: Die Verluste durch Online-Betrug im asiatisch-pazifischen Raum beliefen sich im Jahr 2025 auf 114 Mrd. USD, was einer Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr entspricht.