John Ternus wird Apple-CEO: Neue Ära für Reparaturfreundlichkeit?

Neuer Apple-CEO John Ternus fördert modulare Bauweise, doch das iPhone erhält im Reparatur-Ranking die Note D-minus.

April 2026 rückt das Spannungsfeld zwischen Konzernstrategie und Verbraucherrechten in den Fokus. Der bisherige Hardware-Chef gilt als Architekt der jüngsten Öffnung hin zu modularem Design und der Nutzung gebrauchter Originalteile. Ein Balanceakt zwischen Sicherheit und Reparierbarkeit.

MacBook Neo als Blaupause für neue Bauweise

Branchenbeobachter sehen im aktuellen MacBook Neo einen Vorgeschmack auf künftige Hardware unter Ternus. Das Gerät setzt auf Standardschrauben statt Industriekleber für Akku und Tastatur – ein Paradigmenwechsel. Über den hauseigenen Reparaturshop bietet Apple die Tastatur nun als Einzelteil für rund 130 Euro an. Bislang musste bei einem defekten Buchstaben das gesamte Gehäuseoberteil getauscht werden, Kostenpunkt: 380 bis 570 Euro.

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Doch trotz dieser Fortschritte bleibt Apples Reparatur-Ökosystem umstritten.

„Failing the Fix 2026“: Schlusslicht im Ranking

Eine Studie des US PIRG Education Fund vom 7. April 2026 verpasst dem iPhone die Note D-minus – das schlechteste Ergebnis unter vier großen Herstellern. Zum Vergleich: Motorola führt mit B-plus, gefolgt von Google (C-minus) und Samsung (D).

Die Forscher nutzten das neue EU-Bewertungssystem und prüften Faktoren wie Zerlegefreundlichkeit, Ersatzteilverfügbarkeit und Reparaturdokumentation. Hauptkritikpunkt: Apples „Parts Pairing“ – die digitale Verkettung von Komponenten mit einem spezifischen Gerät. Zudem wurden Apple und andere Hersteller für ihre Lobbyarbeit gegen Reparaturgesetze abgestraft.

Gebrauchte Originalteile: Voller Durchbruch

Die Ende 2024 gestartete Initiative zur Nutzung gebrauchter Originalteile ist nun in der gesamten Produktpalette angekommen. Kunden und unabhängige Werkstätten können gebrauchte Displays, Akkus und Kameras aus anderen iPhones verbauen, ohne Funktionseinbußen zu riskieren.

Ein Meilenstein: Die Kalibrierung von Face ID und Touch ID bei neueren Modellen (ab iPhone 15) erfolgt direkt auf dem Gerät nach dem Einbau. Im iOS-Menü „Teile- und Serviceverlauf“ wird zudem angezeigt, ob ein Teil neu oder gebraucht ist. Um Diebstahl zu erschweren, wurde die Aktivierungssperre auf Einzelteile ausgeweitet: Erkennt das System ein Teil aus einem als gestohlen gemeldeten Gerät, wird die Kalibrierung blockiert.

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Gesetzlicher Druck aus den USA und Europa

Die Kehrtwende bei Apple ist auch das Ergebnis neuer Gesetze. Oregon verabschiedete 2024 ein wegweisendes Reparaturgesetz, das Parts Pairing explizit verbietet. Seit Januar 2025 gilt das Verbot für neu produzierte Geräte – ab Juli 2027 drohen Bußgelder. Weitere Bundesstaaten erwägen ähnliche Regelungen.

Apple reagierte bereits: Im Self Service Repair Store ist für die meisten Ersatzteile keine Seriennummer mehr erforderlich – eine Erleichterung für unabhängige Techniker.

Ausblick: Mehr Transparenz, aber kein radikaler Kurswechsel

Die Ära Ternus verspricht einen weiteren Schritt zu reparierbareren Geräten – jedoch nicht im Tempo der Aktivisten. Der Kontrast zwischen dem hochgelobten MacBook Neo und dem schwachen iPhone-Ranking zeigt einen Konzern im Wandel.

Experten erwarten, dass der Fokus künftig auf Software-Transparenz liegt. Apple will Nutzern mehr Daten zum Gerätezustand bieten, pocht aber auf strenge Teileverifikation für Sicherheit und Datenschutz. Mit der EU, die zunehmend standardisierte Reparaturlabels verlangt, werden die Hardware-Entscheidungen der frühen Ternus-Jahre das ökologische und verbraucherpolitische Erbe des Konzerns für den Rest des Jahrzehnts prägen.