Jugendliche und Bewegung: Ab 12.000 Schritten zeigen sich die größten Vorteile

Studien verbinden regelmäßige Aktivität mit weniger psychischen Beschwerden bei Jugendlichen und Vorteilen für kognitive Funktionen im Alter.

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Regelmäßige körperliche Aktivität gilt nach Einschätzung von Fachleuten bereits ab einem frühen Lebensalter als essenzielle Investition, um kognitive Funktionen und die Lebensqualität langfristig zu erhalten.

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen zunehmend, wie eng Bewegungsgewohnheiten von der frühen Kindheit bis ins hohe Alter mit der Gehirngesundheit, der psychischen Stabilität und dem Schutz vor neurodegenerativen Erkrankungen verknüpft sind.

Frühe Aktivitätsmuster im Kleinkindalter

Dass der Grundstein für körperliche Aktivität früh gelegt wird, verdeutlichen internationale Erhebungen. Die an der University of Wollongong koordinierte Sunrise-Studie, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift Lancet Child & Adolescent Health erschienen sind, untersuchte über 3500 Kinder im Alter von drei bis vier Jahren in 44 Ländern anhand von Bewegungssensoren. Die Daten aus den Jahren 2018 bis 2025 ergaben einen gewichteten Median von 18.542 Schritten pro Tag.

Differenzierte Auswertungen an 3570 Kindern zeigten, dass Dreijährige im Schnitt über 17.502 Schritte absolvierten, während Vierjährige durchschnittlich 18.928 Schritte erreichten. Die Werte wiesen erhebliche Schwankungen auf und reichten von minimal 1.124 bis zu Spitzenwerten von nahe 30.000 Schritten täglich.

Kinder in Staaten mit niedrigem Einkommen bewegten sich mehr als jene in wohlhabenderen Ländern. Auf dem Land erfassten die Sensoren bei den Kindern über 20.205 Schritte gegenüber 18.401 Schritten im städtischen Umfeld. Zudem lagen die Schrittzahlen bei Jungen höher als bei Mädchen, während das Körpergewicht keinen eindeutigen Einfluss zeigte.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) formuliert zwar keine konkrete Schrittvorgabe für diese Altersgruppe, rät jedoch zu mindestens 180 Minuten Bewegung täglich für Drei- und Vierjährige, wovon mindestens 60 Minuten mit mittlerer bis hoher Intensität erfolgen sollten.

Psychische Gesundheit und Gehirnstruktur bei Jugendlichen

In einer am 3. Oktober 2026 veröffentlichten US-Studie analysierten das King’s College London und die University of Massachusetts Amherst Daten von 5515 Jugendlichen im Durchschnittsalter von zwölf Jahren.

Bei den Teilnehmenden, die Aktivitätstracker über drei Wochen trugen, lag der Mittelwert bei 9600 Schritten täglich. Die Nachbeobachtung ein Jahr später zeigte, dass Jugendliche mit weniger als 5000 Schritten pro Tag die meisten psychischen Probleme aufwiesen.

Eine Schrittzahl von 5000 bis 7499 ging mit weniger Beschwerden einher, und die Symptome reduzierten sich bei rund 8000 Schritten. Der stärkste positive Effekt zeigte sich ab 12.000 Schritten täglich. Vorteile nahmen mit jeweils 1000 bis 2000 zusätzlichen Schritten kontinuierlich zu.

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MRT-Untersuchungen im Rahmen der Beobachtungsstudie ergaben zudem, dass ein höheres Bewegungspensum mit einer etwas dickeren Großhirnrinde in zwei Arealen einherging, die für Bewegung, Körperwahrnehmung und Gefühlsverarbeitung zuständig sind.

Bei den schulischen Leistungen zeigte sich kein durchgehender Zusammenhang; lediglich die Gruppe mit 10.000 bis 11.999 Schritten schnitt besser ab als jene mit unter 5000 Schritten. Dr. Divyangana Rakesh vom King’s College London stufte die Befunde als einige der bislang deutlichsten Belege für die Verbindung von Bewegung und jugendlicher Psyche ein.

Dr. Amanda Paluch von der University of Massachusetts Amherst betonte, dass es sich um keine Alles-oder-nichts-Situation handle und mehr Bewegung systematisch mit weniger Angst-, Stimmungs- und Verhaltenssymptomen korreliere.

Kognitiver Erhalt und Prävention im Alter

Auch im späteren Lebensverlauf bleibt körperliche Betätigung zentral für das Nervensystem. Ein tägliches Training von 30 Minuten beziehungsweise 1800 Sekunden auf dem Heimtrainer deckt die WHO-Empfehlung für gesundheitsfördernde Aktivität ab.

Bei diesem gelenkschonenden Training ohne Stoßbelastung fördert die Ausschüttung des Botenstoffs BDNF die Neurogenese sowie die Konzentration. Für die Gruppe der 18- bis 64-Jährigen hatte die WHO bislang Richtwerte von 7000 bis 10.000 Schritten pro Tag empfohlen.

Untersuchungen zur Auswirkung des Schwimmens weisen darauf hin, dass 65- bis 80-Jährige bei regelmäßigem Training im Wasser bessere Resultate bei exekutiven Funktionen wie dem Arbeitsgedächtnis und der kognitiven Flexibilität erzielten als inaktive Personen. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit verbesserte sich hingegen nicht. Leitlinien raten älteren Erwachsenen zu 150 bis 300 Minuten moderater Bewegung pro Woche.

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Neurologen weisen darauf hin, dass in Deutschland über 1,8 Millionen Menschen mit Demenzerkrankungen leben, überwiegend mit Alzheimer. Neben genetischen Faktoren, bei denen seltene familiäre Formen bereits mit Mitte oder Ende 30 beginnen können, gelten Bewegungsmangel, Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Schlafstörungen, Alkohol und Fehlernährung als veränderbare Risikofaktoren.

Neben der physischen Aktivität werden auch andere Stimulationsformen erforscht: Im von 2025 bis 2029 laufenden Projekt der Universität Wien erhalten 100 Personen mit Alzheimer-Demenz Gesangsunterricht, um mittels EEG und MRT zu prüfen, inwieweit das Erlernen neuer Lieder andere Gedächtnisfunktionen stützen kann.