Just the Browser: Neues Tool stoppt KI und Werbung in Chrome & Co.

Ein Open-Source-Tool deaktiviert unerwünschte KI-Assistenten, Datensammlung und kommerzielle Features in gängigen Browsern, um Privatsphäre und Performance zu erhöhen.

Ein neues Open-Source-Tool verspricht Nutzern die Rückkehr zum schlanken Browser. „Just the Browser“ deaktiviert unerwünschte KI-Assistenten, Datensammlung und Werbe-Features in Chrome, Edge und Firefox.

Die großen Browser-Hersteller verwandeln ihre Programme zunehmend in überladene Plattformen. Google integriert Gemini AI tief in Chrome, Microsoft drängt Copilot in Edge und auch Mozilla will Firefox zum „KI-Browser“ machen. Dazu kommen Shopping-Assistenten, Gutschein-Finder und gesponserte Inhalte. Für viele Nutzer überlagern diese Features die Kernaufgabe: schnelles, sicheres Surfen. Genau hier setzt das Projekt des Entwicklers Corbin Davenport an.

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Kampfansage an die „Verblödung“ von Software

Die Philosophie hinter „Just the Browser“ ist ein direkter Angriff auf das, was Kritiker als „Enshittification“ bezeichnen – die fortschreitende Überfrachtung von Software mit nutzerfeindlichen Funktionen. Das Tool zielt gezielt auf mehrere Störfaktoren ab. An erster Stelle stehen generative KI-Features, die von den Browser-Entwicklern massiv vorangetrieben werden.

Zudem deaktiviert es Telemetrie und Datenerfassungs-Funktionen, die Nutzungsstatistiken an Google oder Mozilla senden. Auch kommerzielle Integrationen werden entfernt: Shopping-Assistenten, Preisverfolger und „Buy now, pay later“-Angebote auf Retail-Seiten. Selbst gesponserte Artikel auf der New-Tab-Seite von Edge sind Geschichte. Das Versprechen: mehr Privatsphäre, weniger Ablenkung und eventuell sogar eine bessere Performance.

Der clevere Trick mit den Unternehmens-Richtlinien

Der Ansatz von „Just the Browser“ ist ungewöhnlich. Statt eine Browser-Erweiterung zu sein oder einen komplett eigenen Browser-Fork wie LibreWolf zu bieten, nutzt das Tool einen versteckten Hebel. Es greift auf die integrierten Enterprise-Management-Einstellungen (Group Policies) von Chrome, Edge und Firefox zurück.

Diese mächtigen Konfigurationsoptionen nutzen normalerweise IT-Administratoren, um in Firmen oder Schulen Sicherheitsstandards durchzusetzen. Indem das Tool spezifische Richtliniendateien anwendet, befiehlt es dem Browser, unerwünschte Funktionen über dessen eigene Schalter abzuschalten. Der Vorteil: Die Browser-Kernfiles bleiben unangetastet, was Sicherheitsrisiken minimiert. Nutzer profitieren weiter von den regelmäßigen Sicherheitsupdates und der breiten Kompatibilität der Mainstream-Browser – ein häufiger Nachteil von Nischen-Fork-Projekten.

Zeichen des Widerstands – auch bei den Herstellern

Das Echo in Tech-Foren wie Hacker News ist groß und zeigt den Wunsch nach mehr Nutzerkontrolle. Zwar gibt es gesunde Skepsis gegenüber Skripten mit Admin-Rechten, doch der Open-Source-Charakter des Projekts erlaubt volle Transparenz.

Interessanterweise reagiert auch die Industrie auf den Druck. Mozilla kündigte bereits einen KI-„Kill-Switch“ für Firefox an. Google führte in der Experimentier-Version Chrome Canary einen Schalter ein, um ein lokal installiertes KI-Modell zur Betrugserkennung abzuschalten. Sind das erste Anzeichen dafür, dass die Hersteller eine Nutzerschaft erkennen, die Wahlfreiheit der erzwungenen Adoption neuer Technologien vorzieht?

Die Zukunft des Tools hängt davon ab, ob Browser-Hersteller die genutzten Enterprise-Einstellungen in Zukunft blockieren. Doch der positive Zuspruch signalisiert klar: Es gibt einen Markt für weniger aufdringliche Software. „Just the Browser“ bietet eine elegante Lösung für alle, die mit der aktuellen Entwicklung unzufrieden sind, aber nicht auf weniger unterstützte Alternativen umsteigen wollen.

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