Sicherheitsexperten warnen vor einer neuen Welle von Cyberangriffen, bei denen unaufgeforderte Kalendereinladungen und Termine als Vektor für Phishing und die Verbreitung von Schadsoftware genutzt werden. Aktuelle Analysen zeigen, dass professionelle Nutzer verstärkt ins Visier geraten, da diese Methode herkömmliche Sicherheitsmechanismen oft erfolgreich umgeht.
Exponentielles Wachstum von ICS-Phishing-Angriffen
Ein aktueller Bericht von Sublime Security verdeutlicht das Ausmaß der Bedrohung. Demnach verzeichnete das ICS-Phishing (Internet Calendaring and Scheduling) zwischen Mai und September 2026 eine Zunahme von 33.000 %. Besonders in den letzten Monaten beschleunigte sich diese Entwicklung drastisch. Während im Juli 2026 ein Anstieg von 338 % gegenüber dem Vormonat registriert wurde, kletterte dieser Wert im August 2026 auf 1.216 %.
In der ersten Septemberhälfte 2026 wurde ein weiteres Plus von 1.426 % im Vergleich zum August festgestellt. Analysten prognostizieren für den gesamten September 2026 ein Wachstum von 2.852 % gegenüber dem Vormonat. Diese Zahlen belegen eine massive Verschiebung der Angreifer-Taktiken hin zu kalenderbasierten Vektoren.
Automatisierte Zustellung umgeht Sicherheitsfilter
Ein wesentliches Problem der aktuellen Angriffswelle besteht darin, dass ICS-Dateien oft automatisch in den Kalendern von Diensten wie Gmail, Outlook oder Apple Mail landen. Dies geschehe laut Branchenberichten selbst dann, wenn E-Mail-Filter die ursprüngliche Nachricht bereits als verdächtig eingestuft haben. Die Einladungen werden direkt im Kalender des Nutzers angezeigt, was ein falsches Gefühl von Authentizität erzeugt.
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Die Angreifer nutzen verschiedene Muster, um Nutzer zu täuschen. In einem beobachteten Szenario werden Google-Calendar-Einladungen über kostenlose Gmail-Konten versendet, die eine angebliche Gutschrift versprechen.
In anderen Fällen werden Finanz-Köder verwendet, die Links zu präparierten Webseiten enthalten. Diese führen zum Download von MSI-Dateien, die darauf konfiguriert sind, Remote-Monitoring- und Management-Tools (RMM) wie ScreenConnect als Command-and-Control-Server (C2) auf dem Zielsystem zu installieren. Ziel ist es, Fernzugriff auf die infizierten Rechner zu erlangen.
Komplexe Phishing-Methoden über Blob-URLs
Eine detaillierte Analyse von Barracuda beschreibt zudem eine technisch anspruchsvolle E-Mail-Kampagne, bei der Kalendereinladungen lediglich als harmlos wirkende Anhänge dienen. Der eigentliche Angriff nutzt sogenannte Blob-URLs, um Phishing-Seiten direkt im Browser des Opfers zu generieren, statt diese auf einem externen Webserver zu hosten.
Der Ablauf wird über Microsoft-Dienste wie Microsoft Teams und die Login-Seite von Microsoft gesteuert. Durch den Einsatz von Service Workern und Sandbox-iframes könne der Prozess manipuliert werden, wobei Backend-Anweisungen in Echtzeit erfolgen. Diese Methode erschwere die Erkennung durch herkömmliche Sicherheitssoftware erheblich, da die bösartigen Inhalte erst lokal im Browser erstellt werden.
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Empfehlungen für professionelle Anwender
Um sich vor diesen Angriffen zu schützen, raten Experten zu erhöhter Vorsicht im Umgang mit unbekannten Terminanfragen. Verdächtige Einladungen sollten grundsätzlich gelöscht und nicht abgelehnt werden. Das bloße Ablehnen könne den Angreifern signalisieren, dass das betroffene Konto aktiv genutzt wird.
Zusätzlich wird empfohlen, die Funktion zur automatischen Annahme von Einladungen (Auto-Accept) in den Kalender-Einstellungen zu deaktivieren. Fachleute für IT-Sicherheit raten zudem zum Einsatz von Phishing-resistenten Authentifizierungsmethoden wie FIDO2 oder Passkeys.
Administratoren in Unternehmen sollten zudem die Überwachung von Blob-URLs in ihre Sicherheitsstrategie einbeziehen, um die Ausführung von lokal generiertem Schadcode zu verhindern. Durch diese Maßnahmen lässt sich das Risiko, Opfer einer kalenderbasierten Phishing-Attacke zu werden, deutlich reduzieren.

