Kali365: FBI warnt vor Phishing-Service für Microsoft-365-Konten

FBI warnt vor Phishing-Dienst Kali365, der täglich hunderte Microsoft-365-Konten kompromittiert und MFA umgeht.

Das FBI hat eine dringende Warnung vor der Phishing-as-a-Service-Plattform Kali365 herausgegeben, die seit April 2026 täglich hunderte Microsoft-365-Konten kompromittiert. Die über Telegram vertriebene Dienstleistung umgeht gezielt mehrstufige Authentifizierungsverfahren (MFA) und richtet sich gegen Unternehmen und Organisationen weltweit.

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Wie Kali365 die Zwei-Faktor-Authentifizierung aushebelt

Die Angreifer nutzen eine ausgeklügelte Methode: Statt Passwörter zu stehlen, manipulieren sie den sogenannten Device-Code-Login von Microsoft. Die Opfer erhalten Phishing-Mails mit einem legitim aussehenden Gerätecode und werden auf eine offizielle Microsoft-Autorisierungsseite geleitet. Gibt der Nutzer den Code dort ein, erhalten die Angreifer ein OAuth-Token – und damit dauerhaften Zugriff auf Outlook, Teams und OneDrive. Ein zweiter Authentifizierungsschritt wird nie ausgelöst.

Das Internet Crime Complaint Center (IC3) des FBI beziffert die Schäden durch Account-Übernahmen seit Januar 2025 auf über 262 Millionen Euro. Betroffen sind Branchen wie Gesundheitswesen, Bildung, Finanzen, Fertigung und Regierungsbehörden – in Nordamerika, Europa, Australien und dem Nahen Osten.

Schutzmaßnahmen für Unternehmen

Sicherheitsexperten empfehlen Unternehmen, Conditional-Access-Richtlinien zu implementieren, die den Device-Code-Flow blockieren oder stark einschränken. Weitere Maßnahmen: Überwachung der Anmeldeprotokolle auf verdächtige OAuth-Berechtigungen, Blockieren von Authentifizierungsübertragungen auf Mobilgeräte und der Ausschluss von Notfallkonten („Break-Glass“) aus restriktiven Richtlinien, um versehentliche Sperren zu vermeiden.

Meta AI und GitHub-Entwickler im Visier

Erst am 1. Juni 2026 schloss Meta eine Sicherheitslücke im Instagram-Support-Chatbot. Angreifer konnten die KI dazu bringen, die hinterlegte E-Mail-Adresse eines Kontos zu ändern und Passwörter zurückzusetzen – ohne Zugriff auf das ursprüngliche Postfach. Betroffen waren unter anderem Profile der US Space Force und eines ehemaligen Obama-Mitarbeiters.

Parallel dazu entdeckten Sicherheitsanalysten das Tool „GoIssue“, das speziell GitHub-Entwickler ins Visier nimmt. Für 700 bis 3.000 Euro auf dem Darknet extrahiert die Software E-Mail-Adressen aus öffentlichen Profilen für Massen-Phishing-Kampagnen. Ziel ist die Kompromittierung von Entwicklerkonten, um Lieferketten-Angriffe zu ermöglichen. Zeitgleich registrierten Forscher zwischen dem 20. und 29. Mai 2026 eine massive Welle bösartiger Pakete im npm-Registry, die AWS-Zugangsdaten und GitHub-Geheimnisse stehlen sollten.

Wandel in der Identitätssicherheit

Die Bedrohungslage verschärft sich rasant. Marktforscher von CrowdStrike verzeichnen einen Anstieg KI-gestützter Cyberangriffe um 89 Prozent im Jahresvergleich. Einige kriminelle Gruppen können Systeme in nur 27 Sekunden kompromittieren. Laut einer Studie von Flare stieg der Anteil von Malware-Logs mit Unternehmensdaten von 6 Prozent (Anfang 2024) auf 14 Prozent (Ende 2025). Microsoft-Entra-ID-Zugangsdaten fanden sich in fast 80 Prozent dieser Logs.

Microsoft reagiert: Der Konzern kündigte an, SMS-Login-Codes für private Konten auslaufen zu lassen. Grund ist die Anfälligkeit von SMS für SIM-Swapping und Phishing. Nutzer sollen auf sicherere Alternativen wie Passkeys, biometrische Verfahren oder die Microsoft Authenticator App umsteigen.

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Erfolg gegen russische Cyber-Infrastruktur

Ein Lichtblick: Am 22. Mai 2026 beschlagnahmten niederländische Ermittler mehr als 800 Server der Firma WorkTitans B.V., die mit russischer Cyber-Infrastruktur in Verbindung stand. Die Aktion legte nach Angaben der Behörden mehrere staatlich unterstützte Gruppen lahm, die das Netzwerk für Spionage und Hintertür-Installationen nutzten.