Kalorienmessung: Fitnessuhren überschätzen den Verbrauch um bis zu 25 Prozent

Studien zeigen Messfehler und mögliche Risiken; Wearable-Daten können ärztliche Untersuchungen nicht ersetzen.

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Die Nationale Gesundheitskommission hat klargestellt, dass Daten von Wearables keinesfalls eine medizinische Diagnose oder Untersuchung ersetzen können. Entsprechende Messwerte dienen demnach ausschließlich als ergänzende Aufzeichnung.

Laut einem Bericht vom 05.10.2026 verdeutlicht diese Klarstellung die wachsende Skepsis im Gesundheitswesen gegenüber unregulierten Fitness- und Gesundheitsdaten, die zunehmend für Verunsicherung bei Patienten und Mehraufwand in Arztpraxen sorgen.

In den Niederlanden nutzen inzwischen rund 6 Millionen Menschen eine Smartwatch oder einen Fitnesstracker. Doch die ständige Erfassung von Vitaldaten bringt psychologische und organisatorische Belastungen mit sich. Eine Umfrage des Radar-Panels unter fast 7500 Teilnehmern ergab, dass 62 Prozent der Befragten einen negativen Effekt auf ihre Stimmung spürten, wenn das Gerät eine Warnung ausgab oder schlechte Messwerte anzeigte.

Fehlalarme belasten medizinisches Personal

Die Auswertungen veranlassen zahlreiche Nutzer zu Arztbesuchen. Aus der Befragung ging hervor, dass 375 Teilnehmer aufgrund einer Wearable-Messung eine ärztliche Praxis aufsuchten.

Während in 55 Prozent der Fälle tatsächlich ein Befund vorlag, ergab die Untersuchung in 23 Prozent der Fälle keine Auffälligkeiten, und in 18 Prozent der Fälle trafen die Messungen nur teilweise zu. Insgesamt suchten 41 Prozent dieser Personengruppe mindestens einmal ohne jeden Befund einen Arzt auf.

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Schlafmediziner Sebastiaan Overeem von der Einrichtung Kempenhaeghe wies darauf hin, dass die Daten von Wearables medizinisch nicht nutzbar seien, da die zugrundeliegenden Algorithmen von Anbietern wie Apple, Google und Samsung geheim gehalten würden.

Kardiologe Igor Tulevski von CCN erklärte zudem, dass die Warnmeldungen der Geräte eine spürbare Belastung für das ohnehin überlastete Gesundheitssystem darstellten.

Um diesem Problem zu begegnen, plant CCN ein digitales Portal, bei dem Wearable-Warnungen über strukturierte Fragenkataloge vorgefiltert werden sollen, damit medizinisches Personal nur noch tatsächliche Verdachtsfälle weiterleitet. Dieser Vorschlag wurde unter anderem bereits Apple vorgelegt.

Wissenschaftliche Zweifel an der Messgenauigkeit

Auch wissenschaftliche Untersuchungen untermauern die Grenzen der Verbraucher-Hardware. Eine in der Fachzeitschrift PLOS One am 29.07.2026 veröffentlichte Studie der Florida International University untersuchte 58 Erwachsene bei vier 10-minütigen Trainingseinheiten auf einem Liegefahrrad. Dabei verglichen die Forscher die Modelle Apple Watch Series 8, Fitbit Sense 2, Samsung Galaxy Watch 5 und Garmin Forerunner 955 mit dem Stoffwechselanalysator COSMED K5.

Die Ergebnisse zeigten erhebliche Abweichungen: Die Fitbit Sense 2 lieferte unbrauchbare Daten mit Fehlern und unrealistisch niedrigen Werten. Die übrigen Modelle überschätzten den Kalorienverbrauch im Schnitt um 15 bis 25 Prozent, wobei einzelne Schätzungen noch weiter abwichen.

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Am besten schnitt das Gerät von Apple ab. Mit steigendem Körperfettanteil der Probanden sank die Präzision weiter: Bei einem angezeigten Wert von 500 Kalorien belief sich der tatsächliche Verbrauch häufig nur auf rund 350 Kalorien.

Studienautor Dr. Jason Kostrna empfahl daher, die Messwerte nicht als exakte Angaben, sondern lediglich als Obergrenze zu betrachten, diese abzurunden und stattdessen eher auf Herzfrequenz und Herzfrequenzzonen zu achten.

Zusätzlich bergen einige Funktionen potenzielle Risiken für bestimmte Risikogruppen. Eine experimentelle Studie, die auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim vorgestellt wurde, zeigte, dass Smartwatches mit EKG-Funktion unter bestimmten Bedingungen durch ihre Magnetfelder die Funktion implantierter Herzgeräte wie Schrittmacher oder Defibrillatoren beeinflussen können.

Entsprechende Interaktionen wurden bereits in der Praxis beobachtet, weshalb Fachleute eine intensivere Erforschung und striktere Sicherheitsvorgaben für die Geräte fordern.