Die Flut unerwünschter Anrufe und Betrugsversuche wird jetzt auf zwei Ebenen bekämpft: durch schärfere Vorschriften für Telefonanbieter und intelligenter werdende Smartphones. Während US-Regulierer die Netzbetreiber stärker in die Pflicht nehmen, statten Google und Apple ihre Betriebssysteme mit immer besseren Abwehr-Tools aus. Ein Überblick über die aktuellen Maßnahmen.
Schärfere Regeln für Telefonanbieter
Seit dem 5. Februar 2026 gelten in den USA neue, verschärfte Vorschriften der Bundeskommunikationsbehörde FCC. Sie verpflichten alle Sprachdiensteanbieter, ihre Angaben in der zentralen Robocall-Minderungsdatenbank stets aktuell zu halten. Jede Änderung muss innerhalb von zehn Werktagen eingetragen werden. Zudem müssen alle Anbieter ihre Einträge bis zum 1. März 2026 erstmals jährlich neu bestätigen. So soll verhindert werden, dass Schutzmaßnahmen nur auf dem Papier existieren.
Hintergrund ist die Durchsetzung des STIR/SHAKEN-Standards. Diese Technologie verifiziert die Anruferkennung und soll sogenanntes „Spoofing“ – das Vortäuschen falscher Nummern – unterbinden. Eine aktuelle Analyse zeigt jedoch eine große Lücke: Während 2025 bereits 85 Prozent des Verkehrs zwischen großen Netzbetreibern den Standard einhielten, war die Quote bei kleineren Anbietern deutlich niedriger. Die neuen FCC-Regeln zielen darauf ab, diese Lücke zu schließen.
So wehren sich Android und iPhone
Parallel zu den Netzregulierungen bieten die Smartphones selbst die wirksamsten Werkzeuge für Verbraucher. Sowohl Android als auch iOS haben ausgefeilte Funktionen integriert.
Auf Android-Geräten warnt die native Google-Telefon-App automatisch vor verdächtigen Spam-Anrufen. Besitzer von Pixel-Smartphones können zudem den „Call Screen“ nutzen. Der Google Assistant nimmt den Anruf entgegen und zeigt dem Nutzer in Echtzeit eine Transkription der Antwort des Anrufers an. So kann dieser entscheiden, ob er abhebt, auflegt oder die Nummer als Spam meldet, ohne selbst ein Wort zu sagen. Nummern lassen sich auch manuell über die Liste der letzten Anrufe blockieren.
iPhone-Nutzer können unter „Unbekannte Anrufer stummschalten“ alle Anrufe von Nummern, die nicht im Adressbuch gespeichert sind, direkt auf die Mailbox umleiten. Das Telefon klingelt nicht. Auch hier ist das manuelle Blockieren von Nummern über den „Zuletzt“-Tab möglich. Für zusätzliche Privatsphäre sorgt die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von FaceTime-Anrufen.
Wenn Sie die iPhone-Einstellungen besser verstehen möchten – etwa Funktionen wie „Unbekannte Anrufer stummschalten“, FaceTime‑Verschlüsselung oder das Blockieren von Nummern – hilft das kostenlose iPhone‑Lexikon. Es erklärt die 53 wichtigsten iPhone‑Begriffe in einfachen Worten und liefert praktische Tipps für den sicheren Umgang mit Ihrem Gerät. In 10 Minuten die Apple‑Sprache verstehen
Eigene Nummer verbergen: So geht’s
Für Anrufe, bei denen man die eigene Nummer nicht preisgeben möchte, bieten beide Systeme Lösungen. Für einen einmaligen Anruf kann in Nordamerika der Code 67* vor der Zielnummer gewählt werden. In Großbritannien lautet der Code 141**. Die Nummer erscheint dann beim Empfänger als „privat“ oder „unbekannt“.
Wer seine Nummer dauerhaft unterdrücken möchte, findet die Einstellung in den Telefonie-Optionen:
* Beim iPhone unter „Einstellungen > Telefon > Meine Rufnummer anzeigen“.
* Bei Android variiert der Pfad je nach Hersteller, liegt aber typischerweise in den Einstellungen der Telefon-App unter „Zusatzdienste“ oder „Anrufkonten“.
Wichtig zu wissen: Viele Empfänger blockieren Anrufe ohne Nummerngabe automatisch. Bei Notruf- und gebührenfreien Nummern funktioniert die Unterdrückung nicht.
Die Lage bleibt angespannt
Trotz eines gemeldeten Rückgangs von Spam-Anrufen um 18 Prozent im Januar 2026 im Vergleich zum Vorjahr ist das Problem massiv: Allein in diesem Monat erreichten fast 3,9 Milliarden automatische Anrufe US-Verbraucher. Betrüger werden immer raffinierter, setzen KI-gestützte Deepfakes ein und geben sich als vertrauenswürdige Unternehmen oder Personen aus. Vier von fünf Amerikanern glauben, dass Betrug durch Identitätsnachahmung 2025 zugenommen hat.
Die Kombination aus strengerer Regulierung und intelligenterer Gerätesoftware bildet jedoch eine robustere Verteidigung. Die Zukunft des Kampfes wird von KI auf beiden Seiten geprägt sein: Während Betrüger sie für überzeugendere Angriffe nutzen, werden Netzbetreiber und Softwareentwickler fortschrittlichere KI zur Echtzeiterkennung einsetzen. Verbrauchern bleibt der Rat, die Blockier- und Screening-Tools ihres Smartphones konsequent zu nutzen und bei unerbetenen Anrufen nach persönlichen Daten stets misstrauisch zu sein.





