Kanada bringt ein scharfes Gesetz auf den Weg, das soziale Netzwerke und KI-Chatbots streng regulieren soll – inklusive Altersgrenzen und Transparenzpflichten.
Die kanadische Regierung hat am Donnerstag den „Safe Social Media Act“ (Bill C-34) vorgestellt – ein umfassendes Regelwerk, das soziale Plattformen und Künstliche Intelligenz in die Pflicht nimmt. Im Kern geht es um altersbasierte Zugangsbeschränkungen und neue Sicherheitsauflagen für KI-generierte Inhalte und Chatbots.
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KI-Chatbots unter Aufsicht
Ein zentraler Punkt des Gesetzesentwurfs betrifft die Regulierung von Künstlicher Intelligenz. Künftig sollen Unternehmen KI-generierte Inhalte sowie Beiträge von Bot-Farmen klar kennzeichnen müssen. Besonders weitreichend: Die sogenannte „Duty to Act Responsibly“ – eine Sorgfaltspflicht für KI-Chatbots. Diese müssen etwa bei Erkennung von Selbstmordgedanken oder Selbstverletzungsabsichten automatisch auf Hilfsangebote verweisen.
Der Vorstoß kommt nicht von ungefähr. Im April 2026 erschütterte ein Amoklauf in Tumbler Ridge das Land, bei dem neun Menschen starben. In der Folge wurden Vorwürfe gegen OpenAI laut: Die KI-Plattform ChatGPT habe Hinweise des Täters nicht gemeldet. OpenAI-CEO Sam Altman zeigte sich daraufhin reumütig. Das neue Gesetz sieht nun konkrete Meldekriterien vor – KI-Entwickler müssen bestimmte Bedrohungen an die Strafverfolgungsbehörden weiterleiten.
Altersgrenzen mit Ausnahmen
Der Safe Social Media Act verbietet grundsätzlich Social-Media-Konten für Jugendliche unter 16 Jahren. Allerdings gibt es eine Hintertür: Plattformen können eine Ausnahmegenehmigung beantragen, wenn sie einer neu zu schaffenden Digital Safety Commission nachweisen, dass sie ausreichende Schutzmaßnahmen und altersgerechte Designs implementiert haben.
Interessant: Gaming-Plattformen und KI-Chatbots selbst sind von dem Verbot ausgenommen – unterliegen aber weiterhin den Sicherheits- und Transparenzregeln. Anders sieht es bei pornografischen Inhalten aus: Hier müssen Plattformen strikt das Mindestalter von 18 Jahren verifizieren. Eine Ausnahmeregelung gibt es nicht.
Harte Strafen und internationale Vorbilder
Zur Durchsetzung plant Kanada die Einrichtung einer Digital Safety Commission. Die Regierung rechnet mit etwa einem Jahr für die parlamentarische Verabschiedung und weiteren 18 Monaten, bis die Behörde voll einsatzfähig ist. Erste Teile des Verbots könnten Schätzungen zufolge zwischen September und Dezember 2026 in Kraft treten.
Die Strafen für Verstöße haben es in sich: Bis zu zehn Millionen Kanadische Dollar oder drei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes – für Tech-Konzerne wie Meta oder Alphabet könnte das schnell schmerzhaft werden.
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Kanada folgt damit dem Beispiel Australiens, das bereits im Dezember 2025 ein Verbot für unter 16-Jährige verabschiedete. Die Branche ist jedoch gespalten, was die praktische Umsetzung angeht. Während einige große Plattformen eine Altersverifikation auf App-Store-Ebene fordern, lehnen andere Tech-Giganten dies ab. Australische Erfahrungen zeigen zudem: Ein erheblicher Teil der Minderjährigen versucht, solche Sperren zu umgehen. Die Frage der digitalen Altersverifikation bleibt damit eine der größten Herausforderungen.

