Einer aktuellen Analyse zufolge hat der Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) in der parlamentarischen Arbeit kanadischer Abgeordneter ein erhebliches Ausmaß erreicht.
Wie aus einer Untersuchung des Magazins The Economist hervorgeht, wurden im Zeitraum eines Jahres seit September 2025 rund 20 % der mündlichen Beiträge im kanadischen Unterhaus mithilfe von KI verfasst. Damit belegt Kanada im Vergleich der untersuchten englischsprachigen Parlamente den zweiten Platz, knapp hinter Australien, wo die Quote bei 21 % lag.
Internationaler Vergleich der KI-Entwürfe
Die Untersuchung basierte auf dem Einsatz des KI-Detektors Pangram. Analysiert wurden dabei sogenannte Hansard-Beiträge, Reden sowie parlamentarische Anfragen von Abgeordneten, die einen Umfang von mehr als 100 Wörtern aufwiesen.
Während Kanada und Australien hohe Anteile verzeichneten, fielen die Ergebnisse für Großbritannien moderater aus. Dort wurden laut der Analyse im britischen Unter- und Oberhaus etwa 10 % der gesprochenen Wörter als KI-entworfen identifiziert.
Auch in Kontinentaleuropa ist dieser Trend messbar. Eine Auswertung in Belgien, über die im September 2026 berichtet wurde, untersuchte Hunderte schriftliche Parlamentsfragen aus den Jahren 2022 bis 2026. Hier wurden 22,5 % der Anfragen als vollständig und weitere 20,4 % als teilweise durch KI generiert eingestuft.
Belgische Parlamentarier wie Eva Demesmaeker wiesen darauf hin, dass die schiere Menge an Anfragen dazu führe, dass Ausschussfragen teilweise monatelang unbeantwortet blieben. Parlamentspräsident Peter De Roover äußerte in diesem Zusammenhang Bedenken hinsichtlich einer Flut wenig sinnvoller Anfragen.
Systemische Integration in die Verwaltung
Parallel zur Nutzung durch einzelne Abgeordnete treiben Regierungen die systemische Integration von KI in die Staatsverwaltung voran. Österreich plant die Einbindung von „Public AI“ in das elektronische Aktensystem ELAK. Staatssekretär Alexander Pröll kündigte an, dass dieser Prozess in den kommenden Wochen beginnen und bis Ende 2026 abgeschlossen sein soll.
Das Vorhaben umfasst Funktionen für Systemhilfen, Dokumentenzusammenfassungen und strukturierte Analysen einzelner Akten. Laut Digital Austria könnten davon mehr als 180.000 Bundesbedienstete profitieren, wobei die technische Infrastruktur über das Bundesrechenzentrum (BRZ) bereitgestellt wird.
Wer sich mit dem Einsatz von KI in Behörden und Institutionen befasst, muss die Balance zwischen Effizienz und Rechtsstaatlichkeit wahren. Dieser kostenlose Leitfaden bietet Führungskräften im öffentlichen Dienst einen praktischen Alltags-Schutz-Check für den verantwortungsvollen Umgang mit der Technologie. Vier Fragen vor KI-Fehlern in der Verwaltung bewahren
In Südkorea dient der Bezirk Nowon-gu in Seoul als Pilotregion für die Plattform OnAI. Das System soll Verwaltungsmitarbeitenden eine sichere KI-Suche, Datenanalysen und die automatische Erstellung von Sitzungsprotokollen ermöglichen. Bereits im März wurden dort erste Schritte mit der Einführung von „NowonGPT“ unternommen, wobei sich über 70 % der Belegschaft für den Dienst registrierten.
Strategische Ausrichtung und regulatorische Bedenken
Die politische Reaktion auf die technologische Entwicklung ist geteilt. In Kanada gibt es derzeit kein Verbot für die Nutzung von KI im Parlament. Während die NDP an Richtlinien für Abgeordnetenbüros arbeite, hätten die Liberalen bislang keine einheitliche Position entwickelt.
Kritische Stimmen, wie die der finnischen Abgeordneten Anna Kontula, warnen vor einer Entwertung des parlamentarischen Diskurses. Zwar könne KI Routineaufgaben erleichtern, es bestehe jedoch die Gefahr, dass Politiker lediglich noch KI-generierte Texte vortragen, ohne den Inhalt selbst erarbeitet zu haben.
Angesichts der zunehmenden Integration von KI-Systemen in offizielle Prozesse rücken auch die rechtlichen Rahmenbedingungen und Dokumentationspflichten in den Fokus. Ein praxisnaher Umsetzungsleitfaden hilft Verantwortlichen dabei, Risikoklassen und Fristen der aktuellen Gesetzgebung sicher zu navigieren. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Einen institutionellen Sonderweg beschreitet Albanien. Premierminister Edi Rama gab vor der UN-Generalversammlung bekannt, dass das Land mit „Diella“ ein KI-Instrument als eine Arbeit virtuellen KI-Minister in die Regierungsstrukturen integriert habe.
Ziel sei es, öffentliche Dienste transparenter und Institutionen rechenschaftspflichtiger zu machen. Rama betonte jedoch, dass Algorithmen keine verfassungsrechtliche Verantwortung tragen könnten und bei Entscheidungen mit öffentlicher Wirkung stets eine menschliche Institution die Verantwortung behalten müsse.
Auch im karibischen Raum wird die Modernisierung der Abläufe geprüft. Vertreter des House of Assembly (HoA) nahmen Mitte September 2026 an einem Workshop in Miami teil, um Einsatzmöglichkeiten von KI in der Recherche und Aktenverwaltung zu erörtern. Dabei wurde unterstrichen, dass die Technologie das menschliche Urteilsvermögen unterstützen, aber nicht ersetzen solle.
Für den Bereich der Gesetzgebungsüberwachung stehen zudem bereits kommerzielle Lösungen wie USLege zur Verfügung, die etwa für den Stadtrat von New York tausende Gesetzesvorlagen und Anhörungsvideos automatisiert auswerten und durchsuchbar machen.

