Der US-Konzern legt erstmals detaillierte Steuerdaten vor – und offenbart eine enorme Konzentration seiner Gewinne in Irland.
Irischer Steuersitz bleibt Dreh- und Angelpunkt
Microsoft hat auf Druck neuer EU-Transparenzrichtlinien seine länderbezogenen Steuerzahlungen offengelegt. Im Geschäftsjahr 2024/25 zahlte der Technologieriese rund 6,3 Milliarden Euro Körperschaftssteuer innerhalb der Europäischen Union. Das entspricht etwa 5,8 Milliarden Euro – ein Betrag, der die Schieflage der europäischen Steuerverteilung deutlich macht.
Der Löwenanteil floss nach Irland: Rund 5,2 Milliarden Euro gingen an die irischen Behörden. Die dortige Tochtergesellschaft erzielte bei einem Umsatz von 182 Milliarden Euro einen Vorsteuergewinn von 43,7 Milliarden Euro – bei nur 6.654 Beschäftigten. Das bedeutet einen Gewinn von über 6,5 Millionen Euro pro Mitarbeiter, rund das 13-fache des Konzern-Durchschnitts.
Die Steuerbeiträge in anderen großen EU-Märkten fallen dagegen bescheiden aus. In Deutschland meldete Microsoft 10,8 Milliarden Euro Umsatz, zahlte aber nur rund 162 Millionen Euro Ertragssteuern. In Österreich waren es bei 1,25 Milliarden Euro Umsatz gerade einmal 12,7 Millionen Euro. Frankreich stellte dem Konzern sogar eine Steuerrückzahlung von knapp 90 Millionen Euro aus.
Weltweit belief sich Microsofts Steueraufkommen auf 26,7 Milliarden Euro – Platz zwei hinter Apple mit 27,6 Milliarden Euro.
Italien leitet Kartellverfahren gegen Microsoft 365 ein
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Während der Steuerstreit weiter schwelt, kommt neuer juristischer Gegenwind aus Südeuropa. Die italienische Wettbewerbsbehörde AGCM hat am 26. Juni 2026 ein formelles Verfahren gegen Microsoft 365 eingeleitet. Im Fokus: die Integration der KI-Funktionen Copilot und Designer sowie deren Auswirkungen auf die Preisgestaltung.
Die Italiener prüfen Vorwürfe der Produktbündelung und von Preisaufschlägen von bis zu 30 Prozent. Auch die britische CMA und die US-Handelsbehörde FTC haben bereits Untersuchungen eingeleitet. Ein zusätzlicher Zündstoff: Seit dem 15. Juni 2026 installiert Microsoft die Copilot-App automatisch auf gewerblichen Windows-Geräten. Der Europäische Wirtschaftsraum war zunächst ausgenommen – wegen der Vorgaben des Digital Markets Act (DMA). Die automatische Installation hat die regulatorische Aufmerksamkeit jedoch weiter verschärft.
EU-Kommission nimmt Cloud-Dienste ins Visier
Die EU-Kommission bereitet unterdessen vor, Microsoft Azure und Amazon Web Services (AWS) als „Gatekeeper“ unter dem DMA einzustufen. Das würde strengere Regeln für Datenmanagement und Wettbewerb bedeuten. Insidern zufolge könnte die EU die Regeln jedoch speziell auf den Cloud-Infrastrukturmarkt zuschneiden.
Die EU-Kommission stuft Azure und AWS als Gatekeeper ein – Cloud-Kunden müssen bis Ende 2027 DMA-konform migrieren. Unser Leitfaden zeigt in 5 Schritten, wie Sie die Abhängigkeit von US-Anbietern reduzieren und Compliance-Risiken vermeiden. DMA-Migrationsleitfaden jetzt sichern
Diese Schritte sind Teil des Technologiesouveränitätspakets, das die Kommission am 3. Juni 2026 veröffentlichte. Es umfasst den Cloud- und KI-Entwicklungsgesetz (CADA) sowie einen aktualisierten Chips Act. Ziel: Die Abhängigkeit von nicht-europäischen Anbietern reduzieren, die derzeit über 80 Prozent des Marktes kontrollieren. Die vollständige Verabschiedung wird für Ende 2027 angestrebt.
Die regulatorischen Turbulenzen hinterlassen Spuren an der Börse. Microsoft-Aktien notierten zuletzt bei umgerechnet rund 342 Euro – ein Rückgang von 18,2 Prozent in den letzten 30 Tagen und ein Minus von 22,1 Prozent seit Jahresbeginn.

