Sicherheitsforscher von Kaspersky haben eine signifikante Zunahme von Cyberangriffen registriert, bei denen legitime Software als Tarnung für schädliche Programme genutzt wird. In einem Zeitraum von Juli 2025 bis Juni 2026 dokumentierten die Experten insgesamt 4.781.846 Angriffsversuche.
Die Strategie der Hintermänner besteht darin, Malware als gängige Arbeitswerkzeuge auszugeben, um Nutzer zur Installation der vermeintlich vertrauenswürdigen Anwendungen auf ihren Endgeräten zu verleiten.
Kollaborationssoftware als primäres Ziel für Imitationen
Besonders häufig missbrauchten die Angreifer die Identität bekannter Videokonferenz- und Büroanwendungen. Mit 2.658.283 dokumentierten Vorfällen stand die Plattform Zoom an der Spitze der Statistik, gefolgt von Outlook mit 1.546.122 Angriffen.
Auch Cloud-Dienste und Tabellenkalkulationen dienten regelmäßig als Deckmantel: Auf OneDrive entfielen 197.030 Angriffe, während Excel (151.948) und Teams (111.402) ebenfalls häufig für betrügerische Zwecke imitiert wurden.
Bei den verwendeten Schadprogrammen identifizierten die Sicherheitsforscher primär sogenannte Downloader, die in 2.733.204 Fällen registriert wurden. Zudem spielten Trojaner mit 989.377 Vorfällen und gezielte Exploits mit 341.165 Meldungen eine wesentliche Rolle bei der Kompromittierung von Systemen.
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Kampagne „Projextor“ und Missbrauch von KI-Diensten
Ein aktuelles Beispiel für diese Vorgehensweise ist die Kampagne „Projextor“. Dabei verpacken die Akteure Malware in scheinbar nützliche Anwendungen wie Dokumentenkonverter, Essensplaner oder Rezept-Apps. Zur Verteilung werden Lookalike-Downloadseiten wie doceditorinc[.]com genutzt, die täuschend echte Installer für kostenlose Produktivitätssoftware anbieten.
Technisch basiere diese Kampagne auf der Manipulation von Electron-Apps wie „Kitchen Canvas“ oder „Food Formula“. Durch das Deaktivieren von Sicherheitsfunktionen wie der „contextIsolation“ und die Ermöglichung dynamischer JavaScript-Ausführung können Angreifer Desktop-Aufzeichnungen anfertigen.
Parallel dazu rücken Anwendungen im Bereich der künstlichen Intelligenz in den Fokus. Kaspersky GReAT meldete für das laufende Jahr rund 92.000 Angriffe, die als KI-Dienste getarnt waren. Etwa die Hälfte dieser Fälle entfiel auf gefälschte ChatGPT-Anwendungen, während die Dienste Claude und Gemini jeweils 18 Prozent ausmachten. Insgesamt wurden mehr als 15.000 Malware-Proben entdeckt, die sich als sogenannte agentische KI-Software ausgaben.
Lange Entdeckungszeiten und wachsende Ransomware-Gefahr
Die allgemeine Bedrohungslage bleibt hoch: Kaspersky blockiert nach eigenen Angaben täglich rund 500.000 einzigartige Malware-Dateien, was eine Steigerung von 7 Prozent im Vergleich zum Jahr 2024 bedeutet. Ein kritisches Problem stellt die Dauer der Entdeckung dar.
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Den Analysen zufolge bleiben 31 Prozent der Sicherheitsvorfälle länger als drei Monate unbemerkt. Bei hochgradig gefährlichen Kompromittierungen werden sogar 52 Prozent der Fälle erst nach mehr als 90 Tagen identifiziert.
Auch im Bereich der Ransomware verzeichnen die Forscher eine Intensivierung der Aktivitäten. Im zweiten Quartal 2026 wurden 2.139 Opfer auf sogenannten Leak-Sites gezählt, was einem Zuwachs von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.
Die Kriminalität konzentriert sich dabei stark auf wenige Akteure; die zehn aktivsten Gruppen sind für 57,6 Prozent der Vorfälle verantwortlich. Obwohl die Zahlungsrate der Betroffenen bei etwa 23 Prozent liegt, überstiegen die nachverfolgbaren On-Chain-Zahlungen im Jahr 2025 die Marke von 820 Millionen US-Dollar.
Als besonders wirksamer Angriffsvektor erwies sich zudem die Nutzung bereits kompromittierter, gültiger Benutzerkonten, die für 25 Prozent der initialen Zugriffe verantwortlich sind.
Ein signifikantes Wachstum zeigten zudem Infostealer-Infektionen, die im Jahr 2025 um 59 Prozent zunahmen. Häufige Startpunkte für diese Schadprogramme sind laut einer Untersuchung von 5 Millionen Datensätzen der Windows-Temp-Ordner sowie das Framework-Verzeichnis von Microsoft.NET.

