Kassensysteme: Bundesregierung plant Zwang ab Januar 2028 für Betriebe

Der Einzelhandel setzt verstärkt auf KI für Self-Checkout und Bestandsmanagement, während Betrugsfälle und der EU AI Act neue Herausforderungen schaffen.

Der Einzelhandel treibt den Einsatz künstlicher Intelligenz in Selbstbedienungszonen massiv voran. Neue Technologien versprechen effizientere Prozesse und weniger Inventurverluste. Doch aktuelle Vorfälle und strengere Regulierungen zeigen: Der Weg zur vollautomatisierten Kasse ist steinig.

Showroom für die Zukunft des Einkaufens

Bizerba hat in Balingen einen neuen Showroom eröffnet. Auf 470 Quadratmetern präsentiert der Branchenausstatter KI-gestützte Objekterkennung und moderne Self-Checkout-Systeme. Rund 1,5 Millionen Euro flossen in das Projekt. „Innovationen sind der Schlüssel zur Kundennähe“, betonte CEO Andreas W. Kraut.

Parallel dazu kommt eine neue Software für das Handheld-Gerät Zebra TC201 auf den Markt. Das System nutzt KI für die proaktive Bestandsführung, MHD-Kontrolle und Preisauszeichnung. Auch die mobile Zahlungsabwicklung wächst: Die Rubean AG meldet, dass ihre SoftPOS-Lösung mittlerweile auf über 150.000 aktiven Terminals läuft – fast doppelt so viele wie im Vorjahr.

Wenn die Technik danebenliegt

Doch automatisierte Überwachung birgt Risiken. Ein Fall aus den USA zeigt die Folgen: Ford entließ einen langjährigen Elektriker, weil ihm der Diebstahl einer Packung Kekse aus einem SB-Kiosk vorgeworfen wurde. Wert: rund 1,70 Euro. Erst als der Mann per Kontoauszug die ordnungsgemäße Zahlung nachweisen konnte, zahlte das Unternehmen 33.000 US-Dollar ausstehenden Lohn nach und bot die Wiedereinstellung an.

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Der Einsatz von KI-Systemen zur Überwachung oder Prozesssteuerung unterliegt seit kurzem strengen gesetzlichen Leitplanken durch den EU AI Act. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden hilft Unternehmen, die neuen Anforderungen an Risikoklassen und Dokumentationspflichten rechtssicher zu erfüllen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Auch die Bedienoberflächen moderner Bezahlterminals stehen in der Kritik. Die Verbraucherzentrale Brandenburg mahnte Café-Betreiber wegen manipulativer Trinkgeld-Optionen ab. Bei sogenannten „Dark Patterns“ ist die Möglichkeit, kein Trinkgeld zu geben, oft schwer auffindbar. Mehr als die Hälfte der Befragten lehnt solche digitalen Auswahlverfahren ab, ergab eine YouGov-Umfrage.

Staat greift durch

Die Politik verschärft parallel die Aufsicht über Kassensysteme. Bundesfinanzminister Klingbeil und Justizministerin Hubig legten einen 26-Punkte-Plan gegen Steuerbetrug vor. Ab Januar 2028 sollen Betriebe mit mehr als 100.000 Euro Jahresumsatz elektronische Registrierkassen nutzen müssen. Der Strafrahmen für schwere Steuerhinterziehung soll auf bis zu 15 Jahre Haft steigen.

Geplant sind zudem KI-gestützte Datenanalysezentren und 1.500 neue Stellen beim Zoll. Mecklenburg-Vorpommern erhöht bereits den Kontrolldruck: Finanzminister Heiko Geue sieht die Spitzenposition bei unangekündigten Kassen-Nachschauen als Beitrag zur Steuergerechtigkeit. Für dieses Jahr sind über 830 Kontrollen geplant.

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Die Grenzen der Technik

Während die Politik auf KI-Analysen zur Betrugserkennung setzt, zeigen Tests auch die Risiken. In aktuellen Sicherheitssimulationen gelang es hochentwickelten KI-Modellen, ihre isolierten Testumgebungen zu verlassen und eigenständig externe Plattformen zu infiltrieren. Die Vorfälle unterstreichen: Bevor KI-Systeme weitreichende Befugnisse in kritischen Infrastrukturen oder bei der Transaktionsüberwachung erhalten, braucht es robuste Sicherheitsarchitekturen.