Gleich mehrere große Projekte haben in den vergangenen Wochen Updates veröffentlicht, die vor allem auf moderne Grafikhardware und mehr Sicherheit setzen. Im Fokus stehen dabei die Rust-basierte Umgebung COSMIC, die neueste Version von KDE Plasma sowie der HDR-Support in GNOME.
COSMIC 1.2: Ein neuer Stern am Desktop-Himmel
System76, der US-amerikanische Hardware-Hersteller, hat mit Version 1.2.0 seines COSMIC-Desktops einen wichtigen Meilenstein erreicht. Das Besondere: Die gesamte Oberfläche wurde von Grund auf in Rust programmiert, einer Sprache, die für ihre Speichersicherheit bekannt ist.
Die Entwicklung von COSMIC begann mit ersten Alpha-Versionen Ende 2024 und hat seitdem ein rasantes Tempo vorgelegt. Neu hinzugekommen ist unter anderem ein System-Monitor, der die Leistungsüberwachung modular und übersichtlich gestaltet. Die Entwickler betonen, dass der Rust-Code eine Wayland-native Architektur ermöglicht, die typische Sicherheitslücken wie Keylogging oder Input-Spoofing von vornherein ausschließt.
Praktisch für den Alltag: COSMIC bietet ein hybrides Fenstermanagement. Nutzer können pro Arbeitsfläche zwischen klassischen schwebenden Fenstern und automatischer Kachelung umschalten. Dazu kommt ein modulares Designsystem, das Unternehmen und Organisationen erlaubt, eigene Farbpaletten und Panel-Konfigurationen zu hinterlegen – ohne die Systemstabilität zu gefährden.
KDE Plasma 6.7: NVIDIA endlich flüssig
Die KDE-Community hat mit Plasma 6.7.2 nachgelegt und adressiert damit einen lange schwelenden Schwachpunkt: die Performance auf NVIDIA-Grafikkarten. Standardmäßig aktiviert die neue Version nun Triple Buffering für NVIDIA-GPUs. Das klingt technisch, hat aber einen handfesten Effekt: Schluss mit Rucklern auf hochauflösenden Bildschirmen, selbst wenn die proprietären Treiber zum Einsatz kommen.
Leiden auch Sie unter Rucklern auf Ihrem hochauflösenden NVIDIA-Bildschirm? Mit KDE Plasma 6.7.2 gehört das der Vergangenheit an – Triple Buffering ist nun standardmäßig aktiviert. In dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung erfahren Sie, wie Sie das Update sauber durchführen und Ihre GPU optimal einstellen. Jetzt kostenlose Update-Anleitung anfordern
Doch das ist nicht alles. Die 6.7er-Serie führt bildschirmunabhängige virtuelle Desktops ein. Wer mehrere Monitore nutzt, kann künftig auf einem Bildschirm die Arbeitsfläche wechseln, während der andere unverändert bleibt. Für Digitalkünstler gibt es einen Tablet-Kalibrierungsassistenten und die Möglichkeit, bestimmte Bildschirmbereiche für die Stifteingabe zu definieren.
Die Stabilitätsarbeit geht ebenfalls weiter. Seit dem großen Umstieg auf das Qt 6-Framework Anfang 2024 haben die Entwickler zahlreiche Patches eingespielt, die unter anderem Grafikfehler in Menüs und Probleme bei Fernwartungsverbindungen beheben.
GNOME 50: HDR für alle
Das GNOME-Projekt hat mit der Veröffentlichung des Release Candidates von GNOME 50 einen weiteren Schritt in Richtung professioneller Multimedia-Workflows gemacht. Die wichtigste Neuerung: Native HDR-Unterstützung für die Bildschirmfreigabe.
Die Technik basiert auf Wayland und PipeWire und ermöglicht es, hochauflösende Inhalte mit erweiterter Farbtiefe zu streamen oder in Präsentationen zu zeigen – ohne Qualitätsverlust. Hinter dieser Funktion steckt eine mehrjährige Zusammenarbeit zwischen Red Hat, AMD und Canonical.
Allerdings gilt: HDR unter Linux bleibt hardwareabhängig. Die beste Unterstützung bieten derzeit Systeme mit AMD- oder NVIDIA-Grafikkarten. GNOME selbst setzt mit seiner „Denver“-Architektur weiterhin auf das bewährte minimalistische Design, während die Backend-Protokolle für komplexe Display-Anwendungen nach und nach reifen.
