Keppel baut 10-Milliarden-Euro-AI-Campus in Australien

Der Infrastrukturkonzern Keppel investiert massiv in einen Hyperscale-Datenzentrum-Campus in einer ehemaligen Kohle-Region Australiens. Das Projekt nutzt ein innovatives Powerbank-Konzept und soll langfristig mit grüner Energie betrieben werden.

Singapurs Infrastrukturriese Keppel investiert zehn Milliarden Euro in einen riesigen KI-Datenzentrum-Campus in Australien – und verwandelt dabei eine ehemalige Kohle-Region in ein digitales Kraftwerk.

Der Konzern pachtet ein 123 Hektar großes Gelände im Latrobe Valley, nur 150 Kilometer östlich von Melbourne. Genau dort, wo früher ein Kohlekraftwerk stand, entsteht nun ein Hyperscale-Precinct mit einer geplanten Gesamtkapazität von über einem Gigawatt. Die erste Ausbaustufe allein bringt es auf 720 Megawatt – das entspricht bereits einigen der größten Rechenzentrums-Cluster im asiatisch-pazifischen Raum.

Die „Powerbank“-Strategie: Energie als Schlüsselressource

Herzstück des Projekts ist das „Powerbank“-Konzept. Dabei handelt es sich um einen dedizierten Energie- und Daten-Campus, der speziell für den enormen Stromhunger von KI- und Cloud-Computing ausgelegt ist. Der geniale Zug: Der Standort liegt an einem der größten Stromknotenpunkte Victorias. Dadurch kann Keppel nicht nur robusten und skalierbaren Zugang zu Energie sichern, sondern auch erhebliche Kosten sparen. Eine direkte Übertragungsleitung zu nahegelegenen Umspannwerken ermöglicht es, das lokale Verteilnetz zu umgehen.

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Diese Vorab-Strategie sichert Keppel exklusiven Zugriff auf kritische Ressourcen wie Strom, Wasser und Glasfaseranschlüsse. Das Unternehmen zahlt eine jährliche Zugangsgebühr an den Grundstückseigentümer Lightwood Group, um bereits in der Vorbereitungsphase Planungsgenehmigungen zu erhalten und Verträge abzuschließen. So entsteht schnell und kapitaleffizient „shovel-ready“-Kapazität – also baureife Flächen, die den Markteintritt für Keppels Dienstleistungen deutlich beschleunigen.

Vom Kohle- zum KI-Kraftwerk: Ein Strukturwandel mit Signalwirkung

Das Latrobe Valley war jahrzehntelang das Stromkraftwerk des Bundesstaates Victoria. Jetzt, wo Australien sich von der Kohle verabschiedet, liefert Keppels Investition eine entscheidende Antwort auf die wirtschaftliche Zukunft der Region. Sie macht das Tal zu einem Schlüsselplayer in der aufstrebenden KI-Ökonomie. Ein historischer Wandel, der die bestehenden Netzanschlüsse der Region clever nutzt – sie sind ideal für den hohen Energiebedarf von Rechenzentren.

Melbourne entwickelt sich rasant zu einem Tier-1-Hub für KI- und Cloud-Workloads. Die Gründe: attraktivere Strom- und Landkosten im Vergleich zu anderen australischen Märkten. Die Nachfrage ist enorm. Die Belegungsquote für Colocation-Flächen lag im vierten Quartal 2025 bei nur noch vier Prozent. Bis 2029 soll der Bedarf jährlich um durchschnittlich 29 Prozent wachsen. Neue Kapazitäten sind also dringend nötig.

Nachhaltigkeit im Fokus: Grüner Strom für die KI

Während die Umweltauswirkungen der Künstlichen Intelligenz global diskutiert werden, setzt Keppel von Anfang auf Nachhaltigkeit. Die Anlage wird für maximale Energieeffizienz konstruiert, um den CO₂-Fußabdruck so klein wie möglich zu halten.

Die Lage innerhalb der geplanten Gippsland Renewable Energy Zone bietet eine einzigartige Chance: Der Hochleistungs-Campus könnte langfristig vollständig mit grüner Energie betrieben werden. In der Region sind zahlreiche Offshore-Wind- und Solarprojekte geplant. Diese Ausrichtung passt perfekt zum Branchentrend und Keppels eigener Strategie, innovative und nachhaltige Rechenzentrumstechnologien zu entwickeln.

Marktimpact: Keppel verzehnfacht seine Pipeline

Das neue Projekt katapultiert Keppels Datenzentrum-Pipeline in der Asien-Pazifik-Region von über 300 Megawatt auf mehr als ein Gigawatt. Der Konzern betreibt derzeit 39 Rechenzentren mit einer Bruttoleistung von über 800 Megawatt in Asien-Pazifik und Europa. Durch das wachsende „Powerbank“-Geschäft dürften rund zehn Milliarden Euro an verwalteten Fondsvolumen (FUM) hinzukommen und das Wachstum für die kommenden Jahre absichern.

Keppel befindet sich bereits in aktiven Gesprächen mit Hyperscalern und Cloud-Anbietern über die künftige Kapazität des Standorts. Indem die Infrastruktur im Voraus bereitgestellt wird, positioniert sich das Unternehmen als zentraler Enabler der digitalen und KI-Megatrends. Diese Jahrhundertinvestition verwandelt nicht nur ein altes Industriezentrum, sondern läutet eine neue Ära der digitalen Infrastruktur für Australien und die gesamte Region ein.

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