Kettentrick: LKA warnt vor Ablenkungsmasche mit Schmuckdiebstahl

Niedersachsen warnt vor dem Kettentrick, während Cyberbetrug gegen Android-Nutzer massiv zunimmt.

Diebe nutzen körperliche Nähe und Ablenkung, um ihren Opfern hochwertigen Schmuck zu entwenden. Parallel dazu steigen die Zahlen digitaler Betrugsfälle drastisch an.

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Masche mit der vorgetäuschten Dankbarkeit

Die Täter gehen nach einem immer gleichen Muster vor. Sie agieren in Gruppen von zwei bis vier Personen und sprechen ihre Opfer aus einem Fahrzeug heraus an – meist mit der Bitte um eine Wegbeschreibung. Gibt das Opfer bereitwillig Auskunft, reagieren die Täter mit überschwänglicher Dankbarkeit.

Es folgen Umarmungen oder der Versuch, dem Opfer angeblich wertvollen Modeschmuck als Geschenk anzulegen. In diesem Moment der Ablenkung entwenden die Diebe unbemerkt echte Goldketten oder Ringe. Ein aktueller Fall aus dem Landkreis Northeim belegt die Wirksamkeit dieser Methode.

Das LKA rechnet mit einem weiteren Anstieg der Fallzahlen in den kommenden warmen Monaten. Der Grund: Leichtere Kleidung erleichtert den Zugriff auf Halsschmuck. Die Polizei rät dringend, Distanz zu Fremden zu wahren und bei verdächtigen Ansprachen aus Fahrzeugen misstrauisch zu bleiben.

Bundesweite Zunahme professioneller Betrugsdelikte

Die Warnung aus Niedersachsen ist kein Einzelfall. In Nordrhein-Westfalen führten über 300 Polizeikräfte einen Großeinsatz gegen eine Bande durch, die sich als Polizisten oder Bankmitarbeiter ausgab. Die Durchsuchungen am heutigen Donnerstag erstreckten sich über Städte wie Köln, Aachen und Neuss. Der Schaden: mindestens 500.000 Euro.

Zeitgleich verurteilte das Landgericht Köln gestern mehrere Mitglieder einer Enkeltrick-Bande aus Leverkusen zu langjährigen Haftstrafen. Zwei Haupttäter erhielten bis zu elf Jahre. Die Richter betonten das außergewöhnlich professionelle Vorgehen der Täter. Die Opfer hätten nicht nur finanzielle, sondern auch erhebliche gesundheitliche Schäden erlitten.

Auch in Niedersachsen häuften sich zuletzt weitere Trickdiebstähle. In Langelsheim verschaffte sich ein falscher Handwerker unter dem Vorwand eines Dachschadens Zutritt zur Wohnung einer Seniorin und stahl Schmuck. Im Landkreis Celle nutzten Taschendiebe die Unaufmerksamkeit von Kunden in Supermärkten aus.

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Steigende Gefahr durch digitale Angriffe

Neben den physischen Diebstahlsdelikten warnen IT-Sicherheitsunternehmen vor einer Verschärfung der Lage im digitalen Raum. Laut dem Global Scam Intelligence Report 2026 von Bitdefender waren im vergangenen Jahr etwa 14 Prozent der Befragten Opfer von digitalem Betrug. Besonders betroffen: Jüngere unter 35 Jahren – statistisch doppelt so häufig wie die Altersgruppe über 55.

Im Fokus stehen derzeit NFC-Angriffe (Near Field Communication). Daten von Kaspersky zeigen: Die zahl der blockierten Angriffe auf Android-Smartphones stieg in den ersten vier Monaten des Jahres um 188 Prozent auf rund 35.600 Fälle. In Köln warnte die Polizei kürzlich vor manipulierten Kartenlesegeräten an Parkautomaten.

Eine neue Methode namens Reverse NFC verleitet Opfer zudem dazu, schadhafte Apps auf ihren Geräten zu installieren. Vor diesem Hintergrund fordert Bayern bei der Justizministerkonferenz in Hamburg härtere Strafen für den Missbrauch von Bankkarten ohne PIN-Eingabe. Ziel: Solche Taten einheitlich als Computerbetrug mit einem Strafmaß von bis zu fünf Jahren Haft einzustufen.