KI-Agenten: 55% nutzen nur offizielle Tools, 40% fürchten Jobverluste

Autonome KI-Systeme verändern Arbeitsabläufe, doch vielen Unternehmen fehlen Schulungen und verbindliche Regeln für ihren sicheren Einsatz.

Mitarbeitende müssen im Umgang mit autonomen KI-Agenten Führungsstärke entwickeln, um die Wertschätzung für die eigene Arbeit aufrechtzuerhalten. Diese Auffassung vertrat Iris Lorscheid, Professorin für Digital Business und Datenwissenschaft an der University of Europe for Applied Science Hamburg, in einem Fachinterview.

Der zunehmende Einsatz selbstständig agierender Softwaresysteme verändere die Arbeitsabläufe grundlegend und erfordere von Beschäftigten eine aktive Steuerungsrolle statt reiner Zuarbeit.

Politischer Rahmen für agentische Systeme

Die Diskussion über den Einsatz von Agenten gewinnt auch auf politischer Ebene an Dynamik. Die Bundesregierung definierte agentische künstliche Intelligenz in ihrer Antwort 21/8008 auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (Drucksache 21/7535) als System für mehrstufige Handlungsabläufe mit operativer Eigenständigkeit.

Um die Technologie in der Praxis zu verankern, setzt die Verwaltung auf das Vorhaben eines Agentic AI Hubs im BMDS, dessen operative Umsetzung der DigitalService übernimmt. Zudem plant die Koalition aus CDU, CSU und SPD im Zuge der Verwaltungsmodernisierung Maßnahmen für eine KI-Nation.

Defizite bei Regeln und Weiterbildung

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In der betrieblichen Praxis treffen die neuen Technologien jedoch vielerorts auf unklare Rahmenbedingungen. Eine Untersuchung der Universität Konstanz unter der Leitung von Florian Kunze verdeutlicht, dass lediglich 55 Prozent der KI-Nutzenden Werkzeuge verwenden, die offiziell vom Arbeitgeber eingeführt wurden.

Besonders in kleineren Organisationen mangelt es an Strukturen: Dort stehen lediglich in 11 Prozent der Fälle KI-Trainings bereit, und nur 10 Prozent verfügen über verbindliche Regelwerke.

Die Daten der Universität Konstanz zeigen zudem eine ungleiche Verteilung der Nutzung. Im Bereich der Büro- und Wissensarbeit liegt der Anteil bei 49 Prozent, während in Produktion und Handarbeit 25 Prozent erreicht werden.

Bei Personen mit höherer Bildung liegt die Quote bei 56 Prozent, verglichen mit 21 Prozent bei geringerer formaler Bildung. Entsprechend groß ist die Verunsicherung in Teilen der Belegschaften: 40 Prozent der Befragten erwarten negative Effekte auf den Arbeitsmarkt, und 17 Prozent fürchten um ihren eigenen Arbeitsplatz.

Verschobene Anforderungen in der Praxis

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Auch aus der Wirtschaft kommen Forderungen nach klaren Leitplanken. Telekom-Chef Tim Höttges betonte, dass für KI-Agenten verlässliche Vorgaben notwendig seien, um die Technologie zu domestizieren und zu demokratisieren. Bei dem Telekommunikationskonzern laufen bereits rund 60 Prozent der Kundenanfragen über KI-Assistenten.

Höttges verwies darauf, dass Routinetätigkeiten reduziert würden und neue Stellen entstünden. KI stelle angesichts des demografischen Wandels und der sinkenden Zahl an Erwerbstätigen einen Hebel dar, um Produktivität zu sichern und Lücken etwa in der Softwareentwicklung zu schließen.

Dass sich die fachlichen Anforderungen verlagern, beobachtet auch die Forschung. Markus Stolze, Professor an der Ostschweizer Fachhochschule, legte dar, dass KI den Engpass in der Softwareerstellung weg vom reinen Schreiben von Programmcode verschiebe.

Zunehmend wichtiger würden Architektur, Anforderungsanalyse und Qualitätssicherung. Zwar eigne sich die rein KI-gestützte Code-Generierung für Prototypen, eine professionelle Implementierung verlange jedoch weiterhin verlässliche Kompetenzen in IT-Sicherheit, Benutzererfahrung und Governance.