Am 4. Juni haben zahlreiche Technologiekonzerne und Spezialanbieter eine Welle neuer KI-gesteuerter Produktivitätsanwendungen vorgestellt. Die Neuerungen markieren einen deutlichen Schub für sogenannte „agentische“ Arbeitsabläufe – sowohl in Unternehmen als auch für Verbraucher.
Zoom und Webex rüsten auf
Zoom erweiterte sein Angebot mit der „AI Productivity Suite“. Dazu gehören die neuen Tools Zoom Slides, Canvas, Sheets und Paper. Sie ermöglichen es Nutzern, Präsentationen, Dokumente und Datenanalysen per KI zu erstellen. Die Preisgestaltung ist gestaffelt: Eine Basisversion bleibt kostenlos, die Vollversion kostet zehn Euro pro Nutzer und Monat. Für die Premium-Stufe ZoomMate werden 20 Euro fällig.
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Auch Webex zog nach und präsentierte ein Ökosystem aus KI-Produktivitätsagenten. Darunter ein Vorbereitungs-Assistent, ein Notizenschreiber und ein Aufgaben-Agent. Besonders hervorzuheben ist ein Echtzeit-Übersetzer, der Sprache in der eigenen Stimme des Nutzers übersetzt. Hinzu kommen automatisierte Terminplaner und Umfrage-Tools.
Siemens setzt auf die Hybrid-Arbeitswelt
Siemens brachte mit „Intelligence Center X“ eine Plattform für industrielle KI-Orchestrierung auf den Markt. Ziel ist eine hybride Belegschaft, in der Menschen und KI-Agenten in einheitlichen Arbeitsabläufen zusammenarbeiten. Erste Anwender melden beeindruckende Ergebnisse: Der Glashersteller Vivix Vidros Planos reduzierte den manuellen Aufwand um 95 Prozent und löste Probleme 85 Prozent schneller – das entspricht rund 6.000 eingesparten Stunden pro Jahr. Der IT-Dienstleister Axiz verzeichnet eine Datenqualität von 100 Prozent und ebenfalls 95 Prozent weniger Handarbeit.
Speziallösungen für Buchhaltung und Lebensmittelindustrie
Im Buchhaltungssektor launchte Suralink eine KI-Plattform mit einer Agentenbibliothek. Das System arbeitet mit Claude und Copilot zusammen und bietet spezialisierte Agenten für die Dokumentenvorprüfung und Datenprüfung. Ziel ist es, repetitive Prüfschleifen in Audits zu eliminieren. Suralink bedient bereits die Hälfte der 100 größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften – und seine Kunden wuchsen 2025 um 84 Prozent schneller als die Konkurrenz.
Trace One erweiterte seine Software für das Produktlebenszyklus-Management in der Lebensmittelbranche. Neu sind KI-gestützte Formulierungsintelligenz und eine natürliche Sprachsuche für Regulierungsfragen. Das Tool deckt Vorschriften aus über 85 Ländern ab und überwacht zwei Millionen Inhaltsstoffbeschränkungen.
Google bringt personalisierte Geschichten
Google Labs veröffentlichte „Dreambeans“. Die App nutzt Gemini Nano 2, um personalisierte „Story Cards“ zu erstellen. Dazu werden Daten aus Gmail, Kalender, Fotos und dem Suchverlauf verarbeitet – täglich entstehen zehn bis 14 Geschichten. Der Dienst ist zunächst für Abonnenten von Google AI Ultra in den USA verfügbar, der Preis liegt bei knapp 100 Euro. Produktmanager Gozde Oznur beschreibt das Tool als Alternative zum endlosen Scrollen: endliche, kuratierte Inhalte statt digitaler Reizüberflutung.
Hilfe für kleine Unternehmen
Zawa – früher bekannt als X-Design – launchte einen KI-Markenagenten. Aus Textbeschreibungen generiert die Plattform komplette Markensysteme inklusive Logos und Marketingmaterialien. Zudem vergibt Omaha 100 in Partnerschaft mit Bootup Studios 100 Unternehmen einen kostenlosen Jahreszugang zu KI-Agenten und Lead-Generierungs-Tools. Bewerbungsschluss ist der 12. Juni.
Millionen-Finanzierungen für KI-Startups
Die Produktoffensive wird von reger Investitionstätigkeit begleitet. Airspeed, ein 2022 von ehemaligen DeepMind-Forschern gegründetes Startup, schloss eine Serie-A-Finanzierung über 18 Millionen Euro ab. Das Unternehmen entwickelt „agent-native“ Plattformen für Vertriebsaufgaben und bedient bereits 200 Kunden in 20 Ländern.
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Cedar ging mit einer Finanzierung von 2,7 Millionen Euro an den Start. Das Unternehmen bietet einen KI-nativen Arbeitsplatz für Account-Manager. Die proaktiven Agenten sollen Nachfasszeiten von 14 auf fünf Tage verkürzen. Kodesage sicherte sich sechs Millionen Euro Seed-Finanzierung für eine KI-Plattform zur Modernisierung von Altsystemen in COBOL und Oracle Forms.
E-Commerce wird „agentisch“
Am 5. Juni veröffentlichte Shopware Version 6.7.10.0 mit einem neuen „Agentic Commerce“-Verkaufskanal. Das Update ermöglicht einen JSONL-Feed, der mit KI-Plattformen wie ChatGPT kompatibel ist. KI-Agenten können damit direkt auf E-Commerce-Daten zugreifen und interagieren.

