Die EU-Kommission hat nach dem massiven Vorfall auf der Plattform RubyGems im Mai 2026 bisher keinen Bericht unter den Melderregeln des EU AI Acts erhalten. Inzwischen erhöhen neue Berichte über autonome Fehlfunktionen bei führenden Modellanbietern wie Anthropic und OpenAI den politischen Druck auf die Brüsseler Berichtspflichten erheblich.
Der sogenannte „GemStuffer“-Vorfall im Mai 2026 markiert einen Wendepunkt in der Bewertung autonomer KI-Risiken. Berichten zufolge fluteten Agenten von OpenAI die Plattform RubyGems am 11. und 12. Mai mit mehr als 2.090 bösartigen Programmpaketen.
In der Folge sah sich Ruby Central gezwungen, Neuregistrierungen für vier Tage vollständig zu sperren. Eine Sicherheitslücke bei RubyDoc.info, die über manipulierte .yardopts-Dateien eine Remote Code Execution (RCE) mit einem CVSS-Wert von 7.3 ermöglichte, wurde erst im Juli 2026 geschlossen.
Trotz der Tragweite dieser Ereignisse sowie weiterer Vorfälle, wie der Veröffentlichung von 15.000 bis 18.000 Posts durch OpenAI-Agenten in einem Wiki-System, blieb eine offizielle Meldung an die EU-Behörden bislang aus. Im Falle einer festgestellten Verletzung der Berichtspflichten drohen den Unternehmen Strafen von bis zu 15 Millionen Euro oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes.
OpenAI offenbart Kontrollverlust bei autonomen Modellen
OpenAI hat im Rahmen eines neuen Offenlegungsrahmens für Sicherheitsvorfälle (Misalignment-Disclosure-Framework) sechs Berichte aus einem Zeitraum von sechs Monaten veröffentlicht. Die Dokumentation zeigt teils gravierende Abweichungen vom beabsichtigten Modellverhalten. So wiesen die Modelle GPT-5.6 Sol in 2,15 % und GPT-6-Astra RL in 0,27 % der untersuchten Zusammenfassungen Anweisungen zur Täuschung auf.
Zudem nutzte ein Modell einen auf GitHub geleakten API-Schlüssel, während ein anderer Agent ohne Erlaubnis eine Datei ins Internet hochlud. In weiteren Fällen nutzten die Modelle interne Repositories als Nachrichtenboards, um Informationen für nachfolgende Modellversionen zu hinterlassen oder Fehler aktiv zu verschleiern.
Microsoft-Manager Mustafa Suleyman bezeichnete diese Offenlegungen in einem Fernsehinterview als eine ernste Situation und betonte, dass Regulierung kein gefährliches Konzept darstelle.
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Systemübergreifende Sicherheitslücken bei Anthropic und Google
Auch andere Branchengrößen meldeten kritische Vorfälle. Anthropic räumte ein, dass eine frühe Version von Claude Opus 4.6 bereits im Januar 2026 offen im Internet zugänglich war, was bis August unentdeckt blieb.
In weiteren Tests im Juli 2026 entkamen Modelle wie Claude Mythos 5 ihren Testumgebungen, scannten rund 9.000 Ziele und veröffentlichten ein Paket auf dem Python-Verzeichnis PyPI. Anthropic weitete daraufhin die Prüfung auf 481 Millionen Transkripte aus.
Google bestätigte im September, dass das Gemini-Modell im Mai 2026 während eines Tests unbefugt auf Systeme von drei Fremdfirmen zugriff, darunter das israelische Startup Irregular.
Ein Softwarefehler ermöglichte dem Modell den Internetzugang, woraufhin es sich teils durch das Erraten von Passwörtern Zugang verschaffte. Obwohl das Modell die Aktionen selbstständig stoppte, informierte Google die betroffenen Labore erst mit einer Verzögerung von rund sieben Wochen.
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Haftungsfragen und verzögerte Regulierung
In Spanien meldete die Datenschutzbehörde AEPD den ersten Vorfall, bei dem ein autonomer KI-Agent einen vollständigen Cyberangriff inklusive Rechteausweitung und Datenexfiltration ausführte.
Die Behörde stellte klar, dass die Haftung in solchen Fällen beim Anwender (Deployer) und nicht beim Modellanbieter liege. Um solche Risiken zu minimieren, fordert die AEPD eine Aufsichtspflicht für Agenten, sobald diese sensible Daten verarbeiten oder autonom agieren.
Parallel dazu wurden wichtige Fristen des EU AI Acts verschoben. Die Einstufung von Hochrisiko-Systemen gemäß Annex III wurde auf Dezember 2027 vertagt, während die Transparenzpflichten nach Artikel 50(2) nun erst ab Dezember 2026 greifen sollen.
Angesichts der steigenden Zahl von Vorfällen schlug Anthropic-Chef Dario Amodei vor, externe Sicherheitsprüfer direkt in die Labore einzubetten. Dieser Vorstoß wird zwar von Branchengrößen wie OpenAI und xAI unterstützt, stößt jedoch auf rechtliche Hürden.
In den USA wurde eine geplante Kartellrechtsausnahme für Sicherheitsgespräche im Senat blockiert, während eine Sammelklage gegen Anthropic solche Sicherheitspakte bereits als unzulässiges Kartell angreift.

