Am heutigen Mittwoch haben führende Technologieanbieter aus den Bereichen Recht und Softwareentwicklung eine Welle neuer KI-gestützter Plattformen und autonomer Agenten vorgestellt. Im Kern geht es darum, zersplitterte Arbeitsabläufe zu vereinheitlichen und Daten über standardisierte Protokolle besser zugänglich zu machen.
Litera setzt auf KI-Agent „Lito“
Der Rechtsdienstleister Litera hat seine Plattform grundlegend umgestaltet. Im Zentrum steht der neue KI-Agent Lito, der sowohl die Praxis- als auch die Geschäftsführung von Kanzleien in einem Ökosystem vereinen soll. Lito deckt ein breites Aufgabenspektrum ab: von der Dokumentenerstellung über Vertragsprüfungen bis hin zur Mandantenakquise.
Besonders beeindruckend: Die Plattform verarbeitet monatlich zehn Millionen Dokumentenvergleiche mit einem deterministischen Algorithmus. Laut Unternehmensangaben ist Litera in 99 Prozent der umsatzstärksten US-Kanzleien (Am Law 100) vertreten. Das Produkt Foundation 365 wird von fünf der zehn größten Kanzleien weltweit genutzt. CEO Avaneesh Marwaha berichtet, dass bereits rund 70 Prozent der aktiven Litera-One-Konten den Lito-Agenten einsetzen. Die Integration in Microsoft 365 und Google Workspace ist natives Bestandteil.
Atlassian rüstet Jira für KI-Entwicklung auf
Atlassian hat neue Funktionen für seine Projektmanagement-Software Jira vorgestellt, die speziell auf KI-native Softwareentwicklung zugeschnitten sind. Der Jira Planner – ein Werkzeug für spezifikationsgesteuerte Entwicklung – befindet sich derzeit im Early Access. Hinzu kommt der Teamwork Graph, der Kontext aus Sitzungsprotokollen, Jira und Confluence bündelt, um Codierungsagenten mit Hintergrundinformationen zu versorgen.
Die neuen Funktionen erlauben es, Arbeitspakete direkt an externe Tools wie Claude Code, Cursor oder GitHub Copilot zuzuweisen. Atlassian stellt die Erweiterungen allen Jira-Cloud-Kunden ohne Zusatzkosten zur Verfügung.
Standardisiertes Protokoll für KI-Datenzugriff
Mehrere Anbieter setzen heute auf das Model Context Protocol (MCP), um die Kommunikation zwischen KI-Assistenten und Live-Daten zu verbessern. Legatics hat einen MCP-Server gestartet, der KI-Tools Zugriff auf aktuelle Transaktionsdaten gewährt – etwa auf Signaturmanagement und Datenräume. Die Authentifizierung erfolgt über OAuth 2.0 mit PKCE. Der Lesezugriff ist sofort verfügbar, Schreibzugriff soll später folgen.
Streamline AI hat ebenfalls einen MCP-Connector veröffentlicht, der KI-Agenten wie ChatGPT, Gemini und Microsoft Copilot die Interaktion mit Geschäftsabläufen ermöglicht. Parallel dazu wurde ein Slack Intake Agent eingeführt, der Anfragen in natürlicher Sprache verarbeitet und mit vollständigem Prüfpfad weiterleitet.
Während neue Protokolle die Vernetzung von KI-Systemen vorantreiben, stellt der EU AI Act Unternehmen vor komplexe regulatorische Herausforderungen. Dieser kostenlose Download verschafft Ihnen den Überblick über Fristen, Pflichten und Risikoklassen, den Ihre Rechts- und IT-Abteilung jetzt dringend braucht. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Spezialisierte Rechtsintelligenz und Rechnungsanalyse
Wolters Kluwer hat sein Produkt Legal Intelligence in den KI-Arbeitsbereich Libra integriert. Niederländische Kanzleien erhalten damit kuratierte Inhalte von Verlagen wie Kluwer Law International und Amsterdam University Press. Das System ist auf die Anforderungen der EU-KI-Verordnung und der DSGVO ausgelegt – KI-Ergebnisse müssen auf ihre ursprünglichen Quellen zurückverfolgbar bleiben.
Für mehr Transparenz bei Anwaltsrechnungen sorgt Legal Decoder mit der neuen Lösung Aperture. Die natürliche Sprachschnittstelle durchsucht Abrechnungsdaten mithilfe einer Machine-Learning-Engine, die auf 411.000 Rechtskonzepten und 45 Analyse-Flags basiert. Die Engine wurde bereits in prominenten Insolvenzverfahren – darunter PG&E und Purdue Pharma – validiert. Zur Wahrung der Privatsphäre werden Identifikatoren vor der Verarbeitung durch Tokenisierung entfernt.
Bereits am Montag hatte Briefpoint mit Discovery Playbooks ein Tool gestartet, das von über 1.000 Kanzleien genutzt wird und Antwortstrategien für juristische Ermittlungsverfahren automatisiert.
Die zunehmende Integration von KI in Geschäftsprozesse erfordert nicht nur technische Innovation, sondern auch eine lückenlose Dokumentation nach geltendem Recht. Experten zeigen Ihnen in dieser kostenlosen Excel-Vorlage die häufig übersehenen Pflichtfelder des Verarbeitungsverzeichnisses, die bei einer Prüfung sofort auffallen. Kostenlose Muster-Vorlage für das Verarbeitungsverzeichnis herunterladen
Autonome Agenten gegen Sicherheitslücken
Auch Sicherheits- und Infrastrukturanbieter erweitern ihr Angebot. Checkmarx hat selbstheilende autonome Agenten in seiner Assist-Produktfamilie vorgestellt. Die Agenten – darunter Developer Assist und Triage Assist – identifizieren und beheben Code-Sicherheitslücken. Das Unternehmen verspricht eine Reduzierung des manuellen Aufwands um bis zu 70 Prozent. Die Integration in Entwicklungsumgebungen wie Windsurf und Kiro ist gegeben.
Oracle hat eine neue KI-native Builder-Erfahrung für sein AI Agent Studio vorgestellt, die sowohl No-Code- als auch Pro-Code-Ansätze für Fusion Applications unterstützt. Kong wiederum hat Insomnia 13 mit Kong Konnect verbunden, um API- und KI-Endpunkte zu vereinheitlichen. Kong-CTO Marco Palladino betont: Die Effektivität von KI hängt maßgeblich vom zugänglichen Kontext ab.
Bereits gestern hatte Port seinen AI Builder für das Plattform-Engineering gestartet. Das Tool nutzt einen sogenannten „Context Lake“, um Unternehmen die Erstellung agentischer Arbeitsabläufe und Dashboards in natürlicher Sprache zu ermöglichen.

