Große Technologiekonzerne forcieren den Übergang von rein textbasierten Assistenzsystemen zu operativ handelnden Softwareagenten. Amazon, ServiceNow, Nvidia und Oracle haben neue Plattformen und Werkzeuge vorgestellt, mit denen Unternehmen agentische Arbeitsabläufe erstellen, absichern und in großem Maßstab in bestehende Geschäftsprozesse einbinden können.
Amazon Quick setzt auf Low-Code und menschliche Kontrolle
Amazon präsentierte mit Amazon Quick eine Entwicklungsplattform, die deterministische Geschäftsregeln mit generativer Künstlicher Intelligenz verknüpft. Das System setzt auf einen sogenannten Human-in-the-Loop-Ansatz, bei dem menschliche Eingriffe und Freigaben fest in den Prozess integriert bleiben.
Als früher Anwender und globaler Systemintegrationspartner setzt das Beratungsunternehmen PwC die Technologie bereits ein. Bei einem US-amerikanischen Finanzdienstleister konnte PwC die Prüfungszeit für IT-Investitionen durch die automatisierte Auswertung tausender Dokumente und Umfragedaten von zuvor mehreren Wochen oder Monaten auf wenige Tage verkürzen.
Den Bedarf an automatisierter Entlastung illustrierte Amazon am Beispiel des Vertriebs eines weltweit führenden Technologiekonzerns. Dort banden administrative Tätigkeiten über 60 Prozent der täglichen Arbeitszeit der Angestellten, die zudem mit 16 oder mehr unterschiedlichen Systemen hantierten und mehr als 20 Stunden pro Monat allein durch den Wechsel von Arbeitskontexten einbüßten.
ServiceNow und Nvidia bündeln Systeme für sichere Ausführung
Parallel dazu meldete ServiceNow die allgemeine Verfügbarkeit des autonomen Agenten Arc, der für langlaufende Aufgaben konzipiert ist. Die Steuerung übernimmt der konzerneigene Kontrollturm Super Intelligence, während die Ausführung und Sicherheitsdurchsetzung über die Technologie OpenShell von Nvidia erfolgt.
Arc wird Nutzern von ServiceNow EmployeeWorks in den Lizenzstufen Foundation, Advanced und Prime ohne Zusatzkosten bereitgestellt. Während der Support für macOS bereits einsatzbereit ist, folgt die Unterstützung für Windows nach Herstellerangaben in wenigen Wochen.
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In künftigen Versionen soll zudem die Sicherheitsfunktion AI Passport in Verbindung mit BlueField-Datenprozessoren und Sicherheitssystemen von Nvidia integriert werden, was den Widerruf von Berechtigungen über Systemebenen hinweg in rund einer Sekunde ermöglicht.
Ergänzend stellte Nvidia auf der Konferenz GTC in Berlin die sofort verfügte Referenzarchitektur OpenShell vor, die als quelloffene Laufzeitumgebung Agentenprozesse standardmäßig als nicht vertrauenswürdig einstuft und über Komponenten wie Gateways, Aufsichtsmodule, Sandboxes und Richtlinienprüfer isoliert.
Hardwareseitig kombiniert Nvidia dies mit Vera-CPUs, die 88 Olympus-Kerne nutzen und gegenüber x86-Prozessoren die doppelte Leistung bei agentischen Arbeitslasten erzielen sollen.
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Der Cloud-Anbieter CoreWeave verzeichnete auf der neuen Chiparchitektur einen mehr als dreifach schnelleren Start von Sandboxes sowie einen um den Faktor 1,8 beschleunigten Ausführungszyklus, wobei ein einzelnes Server-Rack mehr als 11.000 parallele Agentenumgebungen betreiben kann.
Oracle integriert Branchenagenten und HR-Funktionen
Oracle stellte in Austin das Entwicklungswerkzeug AI Agent Studio for Industry Applications vor. Die Anwendung basiert auf der bestehenden Lösung für Fusion Applications und erlaubt die visuelle oder sprachbasierte Erstellung von Agenten für spezialisierte Wirtschaftszweige wie Bauwesen, Finanzdienstleistungen, Handel, Telekommunikation und Versorger. Die Bereitstellung ist innerhalb der kommenden zwölf Monate in den USA geplant, gefolgt von weiteren Regionen.
Auf der Branchenkonferenz in Las Vegas kündigte Oracle zudem neue Personal-Anwendungen an, die auf der Ausführungsumgebung Fusion Claw basieren. Diese decken Bereiche wie die Personalbeschaffung, Vergütungsmodelle und die Lohnabrechnung ab, belassen finale operative Entscheidungen jedoch ausnahmslos in menschlicher Hand.

