KI-Agenten in der Industrie: GE Appliances setzt 800 Systeme ein

GE Appliances nutzt über 800 KI-Agenten, während IT- und Finanzfirmen Effizienzgewinne melden. Studien zeigen zugleich erhebliche Kontrollrisiken.

Die Integration künstlicher Intelligenz in industrielle Kernprozesse erreicht eine neue Skalierungsstufe. Wie Anfang September bekannt wurde, setzt das US-Unternehmen GE Appliances inzwischen mehr als 800 spezialisierte KI-Agenten in den Bereichen Fertigung, Logistik und Lieferkettenmanagement ein.

Die auf Basis der Google Cloud Gemini Enterprise Plattform entwickelte Technologie übernimmt unter anderem die automatisierte Kommunikation mit über 600 Lieferanten. Durch diesen Einsatz konnten Rückstände in der Lieferkette laut Unternehmensangaben um 25 Prozent gesenkt werden.

Massive Investitionen in die vernetzte Fertigung

Der verstärkte Einsatz von KI ist Teil einer langfristigen Strategie. Seit 2016 hat GE Appliances über 3,5 Milliarden US-Dollar in die US-amerikanische Fertigung investiert. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Werk in Georgia, das für 180 Millionen US-Dollar erweitert wurde.

Dort wurden nicht nur mehr als 600 neue Arbeitsplätze geschaffen, sondern auch der Einsatz von Robotik verdreifacht. Die nun implementierten KI-Agenten sollen die physische Automatisierung durch eine intelligente Steuerungsebene ergänzen.

Auch andere globale Konzerne melden signifikante Fortschritte durch agentenbasierte Systeme. Der Konsumgüterhersteller Mars, der einen Jahresumsatz von 65 Milliarden US-Dollar erzielt, stellt die Technologie von Google Cloud Gemini Enterprise rund 60.000 Mitarbeitern zur Verfügung. Ein spezialisiertes System namens „One Demand AI“ wird von 62.000 Beschäftigten genutzt.

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Nach Unternehmensangaben beschleunigen diese Agenten insbesondere die Marketing-Workflows: Die Entwicklung von Kampagnen, die früher Monate in Anspruch nahm, könne nun innerhalb weniger Wochen abgeschlossen werden. Zudem identifizieren Innovations-Agenten neue Geschmackstrends, während Fabrik-Diagnose-Agenten den technischen Betrieb absichern.

Produktivitätsschübe bei IT-Dienstleistern und im Finanzsektor

In der IT-Service-Branche zeigt sich eine besonders hohe Adoptionsrate. Die indischen Unternehmen Infosys, TCS, Wipro und LTM haben innerhalb von weniger als sechs Monaten über 400.000 Lizenzen für den Microsoft 365 Copilot erworben.

TCS berichtet von einer aktiven Nutzungsrate von 86 Prozent und einer Produktivitätssteigerung zwischen 20 und 25 Prozent. Wipro verzeichnet monatlich etwa 7,5 Millionen Prompts durch seine Mitarbeiter und gibt an, pro Quartal rund 250.000 Vollzeitäquivalent-Tage durch KI-Unterstützung einzusparen.

Im Finanzbereich erzielen Unternehmen ebenfalls messbare Effizienzerfolge. Tech Mahindra hat ein Kompetenzzentrum für agentenbasierte Prozessautomatisierung gestartet. Eine erste Lösung namens „Collections Guru“ erzielte beim britischen Finanzdienstleister Target Group eine Effizienzsteigerung von rund 40 Prozent in der Inkassoverwaltung.

Auch EY India weist darauf hin, dass Agenten die Genauigkeit von Liquiditätsprognosen auf 90 Prozent steigern können, während Treasury-Teams derzeit noch bis zu 70 Prozent ihrer Zeit mit manuellen Aufgaben in komplexen Tabellenstrukturen verbringen.

Herausforderungen bei Governance und Prozesskontrolle

Trotz der Erfolgsmeldungen warnen Experten vor einer übereilten Implementierung ohne ausreichende Kontrolle. Eine Studie der EMA von Anfang August ergab, dass 65 Prozent der untersuchten Unternehmen bereits Vorfälle erlebten, bei denen ein KI-Agent außerhalb seines vorgesehenen Zwecks agierte.

In 36 Prozent der Fälle kam es zu Beinahe-Unfällen. Nur etwa 32,2 Prozent der Unternehmen sind in der Lage, fehlerhafte Aktionen von Agenten innerhalb von Minuten zu stoppen; die Mehrheit benötigt dafür Stunden.

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Branchenkenner wie der CEO von ARIS, Guillaume Bacuvier, betonen die Notwendigkeit einer präzisen Prozessdokumentation. Er erklärte, dass Unternehmen Milliarden für KI ausgeben könnten, ohne Ergebnisse zu erzielen, wenn die zugrunde liegenden Prozesse ungeordnet seien. Nur etwa 15 bis 30 Prozent der Unternehmen hätten KI-Anwendungen tatsächlich bereits in der Produktion.

Um diesem Risiko zu begegnen, bringen Anbieter wie Boomi und Genesys derzeit neue Steuerungsebenen auf den Markt. Diese „Control Planes“ sollen einen kontrollierten Zugriff auf ERP-Systeme ermöglichen und die Ausgaben für KI-Token sowie die Einhaltung von Richtlinien zentral überwachen.