KI-Agenten übernehmen den digitalen Arbeitsplatz

Tech-Giganten stellen autonome Arbeitsagenten vor, die komplexe Aufgaben selbstständig planen und ausführen. Dies markiert den Übergang von generativen Chatbots zu ausführender KI.

KI wird zum aktiven Teammitglied – Microsoft, Google und Slack stellen in einer koordinierten Offensive neue autonome Arbeitsassistenten vor. Die Updates markieren das Ende der reinen Chatbots und den Beginn einer Ära, in der Software komplexe Aufgaben eigenständig plant und ausführt.

Slackbot wird zum persönlichen Arbeitsagenten

Einer der bedeutendsten Schritte kommt von Slack. Das zu Salesforce gehörende Unternehmen hat seinen allgegenwärtigen Slackbot grundlegend überarbeitet. Seit dem 16. Januar agiert er nicht mehr als simpler Chatbot, sondern als „persönlicher Agent für die Arbeit“, angetrieben von Anthropics Claude-Modellen.

Der neue Agent versteht den vollständigen Kontext eines Arbeitsbereichs. Er kann Konversationen, Dateien und verbundene Apps durchsuchen, um synthetisierte Antworten zu liefern. Lange Diskussionsstränge zusammenfassen, Kalendertermine direkt im Chat verwalten oder Projektbriefings aus verstreuten Teamgesprächen entwerfen – all das soll nun automatisch möglich sein.

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Parallel stellte Anthropic „Cowork“ vor, eine Forschungsvorschau, die die Fähigkeiten von Claude auf die lokale Desktop-Umgebung ausweitet. Aktuell für macOS verfügbar, kann die KI so auf vom Nutzer festgelegte Ordner zugreifen, um Dateien zu lesen, zu bearbeiten und zu erstellen. Dies ist ein entscheidender Schritt hin zur „agentischen KI“, die Aufgaben plant und ausführt – etwa Downloads zu organisieren oder Tabellen aus Screenshots zu erstellen – und den Nutzer über den Fortschritt informiert.

Microsoft und Google rüsten ihre Bürosuiten auf

Während Slack auf kommunikationszentrierte Agenten setzt, zielen Microsoft und Google mit mächtigen Updates darauf ab, ihre Dominanz im Markt für Enterprise-Produktivitätssuiten zu zementieren.

Microsoft Copilots „Agent Mode“

Am 15. Januar enthüllte Microsoft den „Agent Mode“ für Microsoft 365 Copilot. Diese Funktion erweitert die Fähigkeit der KI, komplexe Arbeitsabläufe zu handhaben, erheblich. Eine neue Fähigkeit namens „Work IQ“ ermöglicht es Copilot, den spezifischen Jobkontext eines Nutzers zu verstehen und mehrstufige Aufgaben über verschiedene Anwendungen hinweg auszuführen.

In Excel können die neuen Agenten nun autonom Prognoseaufgaben übernehmen. Ein Nutzer kann eine Umsatzprognose für das zweite Quartal basierend auf aktuellen Trends anfordern. Der Agent säubert dann die Daten, führt die Analyse durch und erstellt Visualisierungen – ohne Schritt-für-Schritt-Anleitung. Diese „deklarativen Agenten“ können auf umfangreichere Datenquellen wie E-Mails, Teams-Chats und Meeting-Transkripte zugreifen, um präzisere und kontextbewusste Ergebnisse zu liefern.

Googles Interoperabilität und „Check-In“

Google konterte am 16. Januar mit einer Reihe praktischer Updates, die Reibungsverluste in der hybriden Arbeit und Datei-Interoperabilität adressieren. Die bemerkenswerteste Neuerung für plattformübergreifende Teams: Nutzer können nun passwortgeschützte Microsoft Office-Dateien direkt in Google Docs, Sheets und Slides bearbeiten. Bisher mussten diese Dateien erst heruntergeladen werden.

Zudem hat Google Meet eine Funktion zur „automatischen Raum-Eincheckung“ für Mobilgeräte eingeführt. Mittels Ultraschall-Erkennung kann die App erkennen, wann ein Nutzer einen mit kompatibler Hardware ausgestatteten Konferenzraum betritt und ihn automatisch einchecken. Dies soll die Lücke zwischen physischer und digitaler Präenz in Hybrid-Meetings schließen.

Spezialagenten für Entwickler und Sicherheit

Neben den Allzweck-Bürosuiten wurden in den letzten Tagen spezialisierte Produktivitätstools für technische Profis lanciert.

Am 19. Januar startete Profound Logic „CoderFlow“, ein neues KI-gestütztes Entwicklungstool, das als „Multi-Agenten-Framework“ beschrieben wird. Es koordiniert die Arbeit mehrerer KI-Agenten, um bei der Entwicklung und Modernisierung von Anwendungen zu helfen. Anders als herkömmliche Coding-Assistenten, die Code-Snippets vorschlagen, setzt dieses Tool autonome Agenten auf ganze Aufgaben an – wie das Konvertieren von Programmiersprachen oder das Beheben von Fehlern.

Ebenfalls am 16. Januar stellte die Automatisierungsplattform Tines „AI in Tines“ vor, eine vereinheitlichte Interaktionsschicht zur Orchestrierung von KI-Agenten. Die Plattform ermöglicht es Sicherheits- und IT-Teams, kontrollierte Workflows zu erstellen, in denen KI-Agenten Aufgaben innerhalb strenger Sicherheitsgrenzen ausführen können. Dies adressiert eine wachsende Sorge in Unternehmen: Wie lassen sich autonome Agenten einsetzen, ohne Datensicherheit oder Compliance zu gefährden?

Analyse: Die Ära der „agentischen“ Arbeit bricht an

Die Entwicklungen Mitte Januar 2026 unterstreichen einen entscheidenden Wandel im Technologiesektor. In den vergangenen zwei Jahren lag der Fokus weitgehend auf generativen Fähigkeiten – dem Erstellen von Text, Bildern und Code. Die aktuelle Welle „agentischer“ Integrationen konzentriert sich auf die Ausführung – die Fähigkeit der Software, ein Ziel in Schritte zu zerlegen und Aktionen über verschiedene Anwendungen hinweg auszuführen.

Analysten deuten an, dass dieser Wandel durch abnehmende Erträge eigenständiger Chatbots getrieben wird. Da sich Nutzer an KI gewöhnen, verlagert sich die Nachfrage hin zu Tools, die die Arbeit tatsächlich „erledigen“ können, anstatt sie nur zu beschreiben. Die gleichzeitige Veröffentlichung agentischer Funktionen durch Microsoft, Slack und Anthropic deutet auf einen Konsens unter Tech-Giganten hin: Die Zukunft der Produktivität liegt in der autonomen Ausführung.

Doch diese schnelle Einführung bringt neue Herausforderungen mit sich. Tools wie „Cowork“ und „Agent Mode“ werfen bedeutende Fragen zur Daten-Governance und Fehlerbehandlung auf. Da KI-Agenten die Fähigkeit erhalten, Dateien zu bearbeiten und Kalender zu verwalten, müssen Organisationen strengere „Schutzschranken“ implementieren – ein Feature, das Slack in seinem Update explizit hervorhebt.

Ausblick: Agenten werden allgegenwärtig

Der Blick auf das erste Quartal 2026 zeigt eine weiterhin beschleunigte Verbreitung agentischer KI. Mit dem von Google am 16. Januar angekündigten „Universal Commerce Protocol“, das standardisiert, wie KI-Agenten Einkäufe abwickeln, werden diese Produktivitätsagenten voraussichtlich über interne Büroaufgaben hinauswachsen und externe Transaktionen übernehmen.

Gerüchte um die bevorstehende Veröffentlichung der Samsung Galaxy S26-Serie legen nahe, dass mobile Hardware bald für diese agentischen Workflows optimiert wird. Das könnte desktop-ähnliche KI-Produktivität auf Smartphones bringen. Während Unternehmen diese neuen Tools adaptieren, wird das Jahr 2026 wohl vom Wettlauf geprägt sein, diese autonomen Agenten in jeden Aspekt des täglichen Workflows zu integrieren. Die Rolle des menschlichen Arbeiters könnte sich damit grundlegend verändern – vom „Ausführenden“ zum „Manager“ digitaler Agenten.

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