KI wird zum aktiven Mitarbeiter: Auf der Oracle AI World in London kündigte sich diese Woche das Ende der „Copilot-Ära“ an. Statt assistierender Chatbots treten nun autonome KI-Agenten in den Vordergrund, die eigenständig in ERP- und CRM-Systemen arbeiten. Diese fundamentale Wende wird durch Plattform-Updates von Oracle und die Marktreife von SAPs Agenten-Tools besiegelt.
Oracle baut Führung in autonomer Software aus
Den zentralen Fortschritt präsentierte Oracle mit einer erweiterten Version seines AI Agent Studio. Das neue „Agentic Applications Builder“-Tool ermöglicht es Unternehmen, komplexe KI-Automatisierungen zu entwerfen und auszuführen – ohne klassische Softwareentwicklung. Die Agenten sind für hochvolumige, repetitive Aufgaben in Finanzen, Supply Chain und Personalwesen optimiert.
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Ein Schlüsselmerkmal ist das „kontextuelle Gedächis“. Ein Agent, der eine Beschaffungsanfrage bearbeitet, kann deren Status nun von der ersten Anfrage bis zur finalen Zahlung verfolgen. Er passt seine Aktionen basierend auf Echtzeitdaten aus verschiedenen Unternehmensbereichen an. Neue ROI-Messwerkzeuge sollen zudem den konkreten Produktivitätsgewinn jedes Agenten sichtbar machen.
Der Weg zum „Autonomous Close“ in der Finanzwelt
Parallel treibt die gesamte Branche die Automatisierung der Finanzprozesse voran. Oracle NetSuite demonstrierte kürzlich, wie Flotten spezialisierter KI-Agenten einen monatlichen Abschluss an Tag Null erreichen können. Diese Agenten scannen kontinuierlich auf Daten-Anomalien, melden proaktiv Abweichungen und gleichen Banktransaktionen in Echtzeit mit der Hauptbuchhaltung ab.
Ein entscheidender Standard für diese neue Ära ist das Model Context Protocol (MCP). Es schafft eine strukturierte Brücke zwischen verschiedenen KI-Modellen und Unternehmensanwendungen. Dadurch können Agenten nahtlos mit Daten aus anderen Systemen kommunizieren und brechen so die traditionellen Datensilos in ERP und CRM auf.
SAP setzt auf kollaborative Multi-Agenten-Systeme
Während Oracle seine Fusion-Suite ausbaut, hat auch SAP einen Meilenstein erreicht: Der Agenten-Builder Joule Studio ist seit Anfang März allgemein verfügbar. Die Strategie setzt auf „kollaborative Multi-Agenten-Systeme“. Statt eines Allzweck-KI-Assistenten arbeitet eine Gruppe spezialisierter Agenten – etwa für Beschaffung oder Logistik – zusammen, um komplexe Workflows zu erledigen.
SAP hat seine Bibliothek auf über 14 spezialisierte Agenten für Finanzen, Personalwesen und branchenspezifische Szenarien erweitert. Das System erkennt automatisch, welcher Agent basierend auf der Rolle und dem Kontext des Nutzers benötigt wird. Für eine Finanzmanagerin bei der Liquiditätsplanung springen so automatisch Agenten für historische Datenanalyse und Marktprognosen ein.
ServiceNow orchestriert die Agenten-Flotten
Mit der Verbreitung autonomer Agenten rückt deren Steuerung und Verwaltung in den Fokus. ServiceNow adressiert diese Herausforderung mit seiner AI Control Tower und dem AI Agent Fabric. Diese Tools fungieren als zentrale Kommandozentrale, von der IT-Abteilungen alle KI-Agenten – eigene und von Drittanbietern – verwalten, absichern und optimieren können.
Der Wettbewerb zwischen Anbietern wie ServiceNow und Salesforce verlagert sich zunehmend darauf, wer die gesamte Customer Journey orchestrieren kann. Die Systeme folgen einem „Human-on-the-loop“-Ansatz: Agenten erledigen den Großteil der Interaktionen, Menschen werden nur für Aufgaben mit hoher emotionaler Intelligenz oder komplexen ethischen Entscheidungen hinzugezogen.
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Höhere Genauigkeit und messbarer Markterfolg
Analysten zufolge liefert dieser „agentische“ Ansatz eine höhere Genauigkeit als frühere KI-Generationen. Durch den direkten Zugriff auf den Wissensgraphen eines Unternehmens und die Arbeit in einer vereinheitlichten Plattform neigen die Agenten weniger zu Halluzinationen. Eine Partnerschaft von Deloitte und UiPath bestätigt, dass die Orchestrierung agentischer ERP-Systeme für Fortune-500-Unternehmen oberste Priorität hat.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind bereits spürbar. Quartalsberichte zeigen, dass Unternehmen mit starken Investitionen in agentische KI bei Umsatzwachstum und Effizienz ihre Konkurrenz überflügeln. Die Quartalsumsätze von NetSuite sprangen beispielsweise um 14 Prozent auf über 1,1 Milliarden US-Dollar – angetrieben vor allem durch die Nachfrage nach KI-gestützten ERP-Tools.
Ausblick: Demokratisierung der Agenten-Entwicklung
Für das restliche Jahr 2026 erwarten Experten eine weitere Demokratisierung. Durch Low-Code- und No-Code-Tools werden zunehmend Fachabteilungen und Business-Analysten – nicht nur Software-Ingenieure – die nächste Generation von Geschäftsprozessen entwerfen. Das „Lifecycle-Management“ für Agenten wird zum Standard in der IT-Strategie. Es geht dann nicht mehr nur um die Bereitstellung, sondern um kontinuierliches Testen, Auditieren und Optimieren dieser digitalen Mitarbeiter. Die Grenze zwischen „Software“ und „Mitarbeiter“ verschwimmt immer mehr.





