KI-Agenten-Welle: Alibaba, Epicor und Dutzende starten autonome Systeme

Tech-Riesen und Nischenanbieter launchen autonome KI-Agenten für Geschäftsprozesse. Der Wettlauf um Produktivitätssteigerung durch künstliche Intelligenz intensiviert sich.

Am heutigen Montag haben führende Technologiekonzerne eine neue Generation von KI-Agenten-Plattformen vorgestellt, die komplexe Geschäftsprozesse automatisieren sollen. Die Produktwellen von Alibaba, Epicor und zahlreichen Spezialanbietern markieren einen strategischen Wendepunkt: Weg von reinen Chatbots, hin zu autonomen Systemen, die eigenständig Aufgaben über verschiedene Anwendungen hinweg ausführen. Für deutsche Unternehmen bedeutet das: Der Wettlauf um Produktivitätsgewinne durch künstliche Intelligenz tritt in eine neue Phase.

Alibaba und Epicor setzen auf Expansion

Der chinesische Konzern Alibaba hat die Betaversion von QwenWork gestartet. Die All-in-One-Plattform vereint Desktop- und Cloud-Umgebungen und ist eng mit DingTalk verzahnt – einem Dienst, den mehr als 20 Millionen Unternehmen nutzen. Technisch basiert QwenWork auf Qoderwork und Mulerun, bietet multimodale Generierung und vier Abo-Modelle, darunter Qwen3.8 Max. Zunächst ist die Plattform nur in China verfügbar, eine internationale Version ist jedoch bereits angekündigt.

Parallel dazu bringt Epicor seine KI-Agenten-Plattform Epicor Prism nach Australien und Neuseeland. Erst im Juni war das System in Europa gestartet. Prism ist in die Produkte Epicor Kinetic und Prophet 21 integriert und liefert 18 vorgefertigte Agenten für Hersteller und Händler – etwa zur Unterstützung bei Produktivität und Entscheidungsfindung.

Speziallösungen für Nischenmärkte

Die heutigen Veröffentlichungen umfassen auch gezielte Lösungen für einzelne Geschäftsbereiche. AnyMind Group präsentierte AnyAI Agent für Marketing und E-Commerce. Das Tool automatisiert Aufgaben nach einem Framework aus Beobachten, Denken, Kreieren und Steuern. Interne Tests zeigten Einsparungen von 550 Stunden pro Monat.

Im IoT-Sektor bringt Soracom den Soracom Agent für Engineering-Teams an den Start. Die Software läuft in isolierten Containern und arbeitet mit bestehenden APIs und Kommandozeilen-Schnittstellen zusammen – das senkt die Hürden für Techniker wie Nicht-Techniker gleichermaßen. Für Start-ups launchte Agents Stack die Plattform Actionable Intelligence for Startups auf Basis von Grok 4. Sie integriert Tools wie HubSpot und SEMrush und automatisiert Rechercheaufgaben für Gründer vor dem ersten Umsatz.

Auch die Infrastruktur für KI-Agenten wird leistungsfähiger. GPTBots.ai veröffentlichte LoopAgent – eine Produktions-Engine mit abgesicherter Code-Ausführung, versionierten Prompts und Übergabefunktionen an menschliche Bearbeiter.

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Plattform-Upgrades und digitale Zwillinge

Parallel zur Agenten-Welle rüsten Softwareanbieter ihre Kernprodukte mit KI-Funktionen auf. UniPhi brachte Version 22 seiner Projektmanagement-Software heraus: KI-gestützter Datenzugriff per API und No-Code-Erfassung aus Buchhaltungssystemen sind neu, ebenso automatisierter Transaktionsabgleich und Mehrsprachigkeit inklusive Mesopotamischem Arabisch.

BOC Group veröffentlichte ADOIT 20.0 mit dynamischer Suche und konfigurierbaren Dashboards für Compliance-Bewertungen von Anwendungen. Bereits am Sonntag erschien ONLYOFFICE DocSpace 3.7 mit KI-gestützter Dateigenerierung aus Chat-Oberflächen und Unterstützung mehrerer KI-Anbieter wie DeepSeek und Google AI.

Im Bereich Organisationsmanagement wurde ARIS im ersten Gartner Magic Quadrant für Digital-Twin-of-an-Organization-Plattformen als Leader ausgezeichnet. Die Auszeichnung vom Sonntag unterstreicht: Wer KI im großen Maßstab einsetzt, braucht Governance und Kontrolle.

Strategischer Umbau bei monday.com und OpenAI

Die heutige Produktwelle folgt auf tiefgreifende Umstrukturierungen. monday.com hatte am 22. Juli in einer SEC-Einreichung angekündigt, rund 20 Prozent der Belegschaft – etwa 630 Stellen – abzubauen, um Ressourcen in die KI-Aräbeitsplattform zu verlagern. Trotz der Restrukturierungskosten prognostiziert das Unternehmen ein Umsatzwachstum von 19 bis 20 Prozent für das laufende Jahr.

OpenAI hatte Anfang Juli ChatGPT Work vorgestellt – eine Enterprise-Plattform mit Cloud-Agenten und überarbeiteter Desktop-App inklusive Codex. Seit dem 6. Juli gilt eine tokenbasierte Preisgestaltung für Agenten-Ausführungen. Zum Einsatz kommen Modelle wie GPT-5.6 Terra und Ultra.

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Fundament aus dem Frühjahr

Die aktuellen Entwicklungen bauen auf Grundlagenarbeit aus dem Frühjahr auf. Microsofts Agent Framework erreichte am 2. April die allgemeine Verfügbarkeit; Agent Harness und Connectors wurden auf der Build-Konferenz Anfang Juni stabilisiert. Moveworks – 2016 gegründet, inzwischen Teil von ServiceNow – verfolgt seinen Ansatz des „Front Door to Work“ seit 2019 mit Transformern und seit 2022 mit GPT-3.5.

Die Nachfrage ist enorm. Laut McKinsey verbringen Mitarbeiter rund 20 Prozent ihrer Arbeitswoche mit der Suche nach Informationen. IDC-Forscher beziffern den täglichen Aufwand für Suchaufgaben auf durchschnittlich 2,5 Stunden pro Wissensarbeiter. Genau hier setzen die neuen autonomen Agenten an – mit potenziell massiven Produktivitätsgewinnen für Unternehmen, die früh auf die Technologie setzen.