KI am Arbeitsplatz: 43 Prozent fürchten Verdrängung durch Systeme und Kollegen

HP zufolge nutzen 49 Prozent der Beschäftigten in Deutschland KI-Agenten; zugleich fürchten viele Verdrängung und unklare Berufsperspektiven.

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In deutschen Unternehmen hält der Einsatz von Künstlicher Intelligenz rasant Einzug in den Berufsalltag, schürt bei vielen Beschäftigten jedoch erhebliche Sorgen um die eigene berufliche Zukunft.

Laut dem aktuellen „Work Relationship Index 2026“ des Technologiekonzerns HP setzen inzwischen 49 Prozent der Beschäftigten in Deutschland im Arbeitsalltag KI-Agenten ein. Damit liegt Deutschland im weltweiten Vergleich in der Spitzengruppe und rangiert unter den Industrienationen lediglich hinter den USA.

Über alle Büroarbeitsplätze hinweg beläuft sich der Anteil auf 45 Prozent. Besonders verbreitet sind die Systeme auf Leitungsebenen: Bei den IT-Entscheidern liegt die Nutzungsquote bei 64 Prozent, bei Führungskräften bei 63 Prozent.

Sorge vor Verdrängung und unklaren Rollenprofilen

Die Untersuchung von HP verdeutlicht eine sprunghafte Entwicklung: Binnen eines Jahres kletterte die regelmäßige Nutzung von KI-Werkzeugen, die vom Arbeitgeber bereitgestellt werden, von 32 Prozent auf 49 Prozent.

Parallel zu dieser Dynamik nehmen jedoch Vorbehalte und Verunsicherungen spürbar zu. 43 Prozent der Nutzer von KI-Agenten gaben an, eine Verdrängung durch KI oder durch Kollegen mit größerer KI-Erfahrung zu befürchten.

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Bei der Beschränkung auf reine generative Text- und Bildanwendungen liegt dieser wert bei 27 Prozent. Zudem erwarten 43 Prozent der Befragten, dass sich ihr künftiges Berufsbild immer schwerer definieren lässt.

Diese Verunsicherung schlägt sich auch im Verhalten auf dem Arbeitsmarkt nieder. Dem HP-Index zufolge stufen 60 Prozent der Beschäftigten einen Stellenwechsel derzeit als zu riskant ein. Gleichzeitig verfügen 32 Prozent der Beschäftigten aus der Generation Z über eine Nebentätigkeit.

Insgesamt geben lediglich 21 Prozent der Befragten an, eine gesunde Beziehung zu ihrer Arbeit zu haben, was einem Anstieg von zwei Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dagegen befinden sich 38 Prozent der Beschäftigten nach Definition der Erhebung in einer kritischen Zone.

Wandel am Arbeitsmarkt und Druck am Arbeitsplatz

Der Umbruch betrifft zunehmend auch qualifizierte Neueinsteiger. Daten der Bundesagentur für Arbeit weisen rund 335.000 Arbeitslose mit einem Hochschulabschluss in Deutschland aus.

Die Akademikerarbeitslosigkeit hat damit einen neuen Höchststand erreicht und ist stärker gewachsen als die allgemeine Arbeitslosigkeit, da automatisierte Systeme vermehrt klassische Einsteigertätigkeiten wie Recherchen, Datenauswertungen oder die Erstellung von Präsentationen übernehmen.

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Anne-Sophie Mayer, Forscherin an der Ludwig-Maximilians-Universität München, warnt in diesem Zusammenhang davor, KI zu kurzfristig zu denken und dadurch den Nachwuchs zu vernachlässigen. Petra Raspels, Personalchefin bei PwC, stellt fest, dass Arbeitgeber spezifische KI-Kompetenzen gezielt nachfragen, was sich wiederum auf das Gehaltsgefüge auswirke.

Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung könnten bis zum Jahr 2040 rund 800.000 Arbeitsplätze wegfallen, während in ähnlicher Größenordnung neue entstehen. Arbeitsmarktforscher Enzo Weber betont, die Entwicklung markiere keinen Einbruch der Beschäftigung, sondern einen tiefgreifenden strukturellen Umbruch.

Zusätzliche Belastungen entstehen durch organisatorische Defizite im Umgang mit der Technologie. Der Sicherheitsdienstleister Delinea stellt in seinem Bericht „2026 Identity Security Report: The AI Enforcement Gap“ fest, dass sich 60 Prozent der befragten Mitarbeiter unter Druck sahen, KI auf sensible Daten anzuwenden.

Zugleich haben 76 Prozent der Beschäftigten formale Genehmigungsprozesse für KI-Tools umgangen, 48 Prozent tun dies regelmäßig. Bei Führungskräften gaben sogar 81 Prozent an, entsprechende Regeln im Arbeitsalltag regelmäßig zu übergehen.