KI am Arbeitsplatz: Vertrauen der Vorgesetzten sinkt von 68 auf 24 Prozent

Eine Untersuchung verbindet den Einsatz generativer KI mit geringerem Vertrauen, weniger Karrierechancen und zusätzlicher Arbeit durch fehlerhafte Ergebnisse.

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Der Einsatz generativer künstlicher Intelligenz am Arbeitsplatz kann das Vertrauen von Vorgesetzten massiv beschädigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine wissenschaftliche Untersuchung der Hebräischen Universität Jerusalem um den Doktoranden Samuel Meyers, die in der Fachzeitschrift The Leadership Quarterly veröffentlicht wurde.

Demnach genießen Beschäftigte ohne den Einsatz von KI-Werkzeugen wie ChatGPT in 68 Prozent der Fälle das Vertrauen ihrer Führungskräfte. Greifen Mitarbeitende hingegen auf solche Systeme zurück, sinkt dieser Wert drastisch auf lediglich 24 Prozent. Bemerkenswert dabei: Die tatsächliche Qualität der abgelieferten Arbeit spielte für diesen Vertrauenseinbruch keine Rolle.

Co-Autor und Dozent Yochanan Bigman betonte, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz auch die Beurteilung unter Kollegen grundlegend verändere. Die Integration der Technologie sei daher keineswegs nur ein technischer Vorgang, sondern vielmehr eine psychologische Herausforderung sowie eine Führungsaufgabe.

Laut der Studie sinken zudem die Aufstiegschancen von Beschäftigten, die solche Werkzeuge einsetzen. Angesichts dieses Reputationsrisikos warnen die Forscher vor einer Zunahme sogenannter Schatten-KI, bei der Angestellte Werkzeuge heimlich nutzen, was wiederum erhebliche Datenschutzrisiken birgt.

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Wachsender Unmut über ungeprüfte Textbausteine

Das Misstrauen im Management speist sich häufig aus Erfahrungen mit mangelhafter Text quality und erfundenen Angaben. Michelle Volberg, Geschäftsführerin des Personalvermittlers Twill, berichtete, dass sie ihre Belegschaft vor rund sechs Monaten dazu aufforderte, nicht mehr wie ein Roboter zu schreiben.

Zuvor hatten Beschäftigte Entwürfe des KI-Modells Claude fast unkorrigiert über interne Kanäle und E-Mails verschickt – teils angereichert mit Falschinformationen.

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Während Twill das Tool zur Ideenfindung gestattet, verlangt das Unternehmen in der internen Kommunikation weiterhin die eigene menschliche Stimme. Ein weiterer CEO drohte laut US-Medienberichten sogar mit Kündigung, sollten unveränderte Texte aus ChatGPT eingereicht werden.

Der Begriff für solche minderwertigen, maschinell erzeugten Inhalte – sogenannter „Workslop“ – wurde vor rund einem Jahr vom Stanford Social Media Lab und BetterUp Labs geprägt.

Kate Niederhoffer von BetterUp Labs verwies darauf, dass mehr als die Hälfte der Befragten einräumte, derartige Inhalte bereits verschickt zu haben. Als Reaktion erließen Unternehmen wie Clay und Zocdoc im August sowie Spellbook im September formelle Richtlinien, um den Wildwuchs einzudämmen.

Mehrarbeit durch fehlerhafte KI-Ergebnisse

Die Belastung durch unkritisch übernommene Ergebnisse betrifft auch die Belegschaften selbst. Eine im Auftrag der Arden University durchgeführte Befragung unter 2.000 Berufstätigen ergab, dass 46 Prozent der Angestellten fehlerhafte KI-Arbeiten von Kolleginnen und Kollegen korrigieren müssen.

Im Durchschnitt wenden sie dafür sechs Stunden und 57 Minuten pro Woche auf. Zwei von zehn Befragten erstellen die fehlerhaften Zulieferungen sogar komplett neu, während die Hälfte der Korrigierenden zur Bereinigung wiederum selbst auf Hilfsprogramme zurückgreift.

Vitaly Klopot von der Arden University mahnte, Arbeitgeber müssten die Auswirkungen von Algorithmen auf das gesamte Teamgefüge berücksichtigen. Zugleich verdeutlicht eine Erhebung des Dienstleisters Indeed unter 1.000 Befragten in Italien das Kommunikationsdefizit: Obwohl 87 Prozent generative Werkzeuge nutzen, gaben 37 Prozent der Angestellten an, dies ohne Wissen von Kollegen oder Vorgesetzten zu tun. Nur acht Prozent legen den Einsatz stets offen.

Dass die Technologie abseits der Anbieter bislang kaum greifbare Effizienzsprünge liefert, konstatierte auch Apollo-Chefökonom Torsten Slok: Während Unternehmen außerhalb der Tech-Branche bislang nicht messbar profitierten, stiegen die Umsätze großer Digitalkonzerne wie Tesla, Microsoft und Nvidia deutlich.