Das österreichische Bildungsministerium unter Minister Christoph Wiederkehr hat eine neue Strategie für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz an Schulen präsentiert.
Das Konzept ist als Orientierungsrahmen für Lehrkräfte angelegt und verzichtet bewusst auf rechtliche Vorgaben mit Verboten oder Geboten, auf einen Maßnahmenkatalog sowie auf feste Umsetzungsschritte. Die Entscheidung über den didaktischen Einsatz entsprechender Technologien verbleibt damit vorerst direkt bei den Lehrpersonen.
Leitlinien und Unterstützungsangebote für Lehrkräfte
Bildungsminister Wiederkehr beschrieb die Strategie als Orientierungspunkt, der keine verbindlichen Folgeschritte diktiere. Als inhaltliches Leitprinzip definiert das Ministerium ein gestuftes Vorgehen: Zunächst gelte es, ohne Künstliche Intelligenz zu lernen, anschließend über die Technologie und darauf aufbauend mit ihr.
Eigene Denkleistungen und die Urteilsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler dürften nicht an technische Systeme abgegeben werden. Wiederkehr hielt zudem fest, dass Lehrkräfte nicht durch Künstliche Intelligenz ersetzt werden und die Leistungsbeurteilung weiterhin beim Menschen verbleibe.
Grundlegende Kompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen stuft das Ressort als unabdingbar ein. Parallel will der Minister in der Strategie Regelungen für zulässige Hilfsmittel und Prüfungsformate verankern sowie über Anpassungen der Leistungsbeurteilung diskutieren.
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Rechtlich gilt nach Paragraf 11 der Leistungsbeurteilungsverordnung aus dem Jahr 1974, dass vorgetäuschte Leistungen nicht bewertet werden dürfen; ist dadurch keine Semesterbeurteilung möglich, muss nach vorheriger Ankündigung eine gesonderte Stoffprüfung erfolgen.
Zur praktischen Unterstützung kündigte das Ministerium ab dem Frühjahr Handreichungen für Lehrkräfte sowie eine zentrale Anlaufstelle an. Ab dem Sommersemester soll zudem ein Marktplatz mit geprüften KI-Lernanwendungen zur Verfügung stehen.
Reaktionen aus Politik und Wirtschaft
Aus den Parlamentsfraktionen kamen unterschiedliche Reaktionen auf den vorgestellten Rahmen. Heinrich Himmer, Bildungssprecher der SPÖ, begrüßte das Konzept als Schritt in die richtige Richtung, forderte jedoch verbindlichere Regeln sowie eine Debatte über strengere gesetzliche Beschränkungen.
Nach Himmers Angaben nutzen bereits über 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen Künstliche Intelligenz, die Mehrheit davon für schulische Zwecke wie Hausübungen oder zur Lernvorbereitung. Neben der Strategie und dem neuen Fach Medien und Demokratie müsse daher vor allem das Fortbildungsangebot für Lehrkräfte ausgebaut werden.
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FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl kritisierte hingegen, dass ein bloßer Orientierungsrahmen die Vermittlung von Grundkompetenzen nicht absichere. Lesen, Schreiben und Rechnen müssten an erster Stelle stehen, zudem forderte Brückl den Verzicht auf Smartphones und Tablets an Volksschulen sowie mehr zeitliche Freiräume, um Chancen und Risiken fundiert zu behandeln.
Die Industriellenvereinigung begrüßte die Initiative des Ministeriums. Generalsekretär Christoph Neumayer verwies darauf, dass Künstliche Intelligenz ein zentraler Faktor der Industriestrategie 2035 sei, und verlangte eine Bildungspflicht mit individueller Förderung von der ersten bis zur achten Schulstufe. Die Technologie solle das Schulpersonal bei Unterrichtsvorbereitung, Differenzierung und bürokratischen Aufgaben entlasten.
Skepsis gegenüber Verboten in der Bevölkerung
Die Ausrichtung des Ministeriums deckt sich weitgehend mit den Ergebnissen der aktuellen Ipsos-Studie „Bildungsmonitor 2026“. Demnach lehnen 48 Prozent der befragten Österreicher ein generelles KI-Verbot an Schulen ab, während 34 Prozent eine solche Maßnahme befürworten; im internationalen Schnitt liegt die Zustimmung zu einem Verbot bei 39 Prozent.
Weitaus restriktiver blickt die Bevölkerung auf Mobiltelefone: 62 Prozent sprechen sich für ein Smartphone-Verbot an Schulen aus, international sind es 57 Prozent. Den Zugang zu sozialen Netzwerken für Kinder unter 14 Jahren halten 72 Prozent für unangebracht. Nur 19 Prozent der Befragten sehen den Umgang mit generativer KI als drängendste schulische Herausforderung.

