Sicherheitsforscher von Barracuda Networks haben in einer aktuellen Untersuchung ein Proof-of-Concept veröffentlicht, das eine neue Dimension der Cyberkriminalität aufzeigt. Demnach können Angreifer KI-Assistenten in bereits kompromittierten E-Mail-Konten gezielt einsetzen, um ihre Privilegien innerhalb eines Unternehmensnetzwerks auszuweiten. Diese Methode erlaubt es, die Funktionen integrierter Künstlicher Intelligenz für fortgeschrittene Angriffe zu instrumentalisieren.
In einer durchgeführten Simulation demonstrierten die Experten, wie ein Angreifer nach der Übernahme eines CEO-Kontos mithilfe des KI-Assistenten eine Überweisung in Höhe von 247.500 US-Dollar auf ein fremdes Konto umleiten konnte. Dabei erwies sich die Technologie als Werkzeug zur Umgehung gängiger Sicherheitsbarrieren. Der KI-Assistent war in der Lage, Phishing-Nachrichten exakt im persönlichen Schreibstil des Nutzers zu verfassen und dabei die Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) wirkungsvoll zu umgehen.
Automatisierte Spionage und CEO-Impersonation
Nach Angaben von Barracuda Networks ermöglicht der Einsatz von KI-Diensten wie Microsoft Copilot in E-Mail-Plattformen eine drastische Beschleunigung der Aufklärungsphase (Reconnaissance). Während menschliche Angreifer oft Tage benötigen, um Korrespondenzen zu sichten, könne die KI jahrenlange E-Mail-Verläufe innerhalb weniger Minuten analysieren. Dies erleichtere nicht nur die Identitätstäuschung von Führungskräften (CEO-Impersonation), sondern sichere dem Angreifer durch das automatisierte Erstellen von Posteingangsregeln auch eine langfristige Präsenz im System.
Die Bedrohungslage durch generative Tools verschärft sich branchenübergreifend. Sicherheitsexperten beobachten, dass solche Werkzeuge mittlerweile in über 80 Prozent aller Phishing-Mails zum Einsatz kommen. Die Zahl entsprechender Kampagnen sei um 1.265 Prozent gestiegen. Ein besonderes Risiko stellt dabei die Effektivität dar: Die Klickrate bei KI-gestützten Angriffen liegt laut Branchenanalysen bei 54 Prozent, während ältere Methoden lediglich eine Rate von 12 Prozent erreichten.
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Internationale Strafverfolgung gegen KI-gestützten Betrug
Auch staatliche Akteure und Organisationen reagieren auf die Professionalisierung der Kriminalität. OpenAI gab bekannt, ein kambodschanisches Betrugsnetzwerk zerschlagen zu haben, welches ChatGPT zur Erstellung mehrsprachiger Skripte für Investitionsbetrug, Identitätsdiebstahl und Romance Scams nutzte. Berichte von Amnesty International und Reuters identifizierten zudem 86 Standorte für Scam-Aktivitäten in Kambodscha, von denen die Behörden bereits 24 adressierten.
Interpol berichtet unterdessen von einer massiven Zunahme KI-bezogener Delikte in Afrika. In diesem Raum sei die Technologie in 55 Prozent der Cyberkriminalität involveriert. Die finanziellen Verluste stiegen dort von 192 Millionen US-Dollar im Jahr 2024 auf 484 Millionen US-Dollar im Jahr 2025. Im Rahmen globaler Operationen wie „Red Card 2.0“ und „First Light 2026“ konnten Ermittler weltweit tausende Verhaftungen vornehmen und hunderte Millionen US-Dollar an Geldern beschlagnahmen.
Wirtschaftliche Schäden und neue Schutzmaßnahmen
Die finanziellen Folgen für die Privatwirtschaft und Privatpersonen sind erheblich. Laut FBI verloren Amerikaner im Jahr 2025 über 893 Millionen US-Dollar durch Verbrechen im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz. In einer Anhörung vor dem US-Senat Ende Juli wurde zudem auf die Bedrohung für Senioren durch Stimmklonen und Deepfakes hingewiesen. Experten der American Bankers Association stellten fest, dass Fälle von Bank-Impersonation zwischen 2024 und 2025 um 150 Prozent zunahmen. Analysten von Deloitte prognostizieren, dass der durch KI verursachte Betrug bis 2027 ein Volumen von 40 Milliarden US-Dollar erreichen könnte.
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Softwarehersteller beginnen, spezifische Abwehrmechanismen zu implementieren. Microsoft kündigte für den Microsoft Defender for Office 365 einen Schutz gegen sogenannten Prompt-Injection-Inhalte an. Diese Funktion soll E-Mails, die bösartige Befehle für KI-Modelle enthalten, als hochgradig verdächtiges Phishing blockieren. Die allgemeine Verfügbarkeit dieser Schutzfunktion ist für September 2026 geplant. Zudem sollen neue Regeln für den Schutz vor Datenverlust (DLP) die Nutzung von Copilot im Zusammenhang mit externen E-Mails einschränken.

