KI-Assistenten für Ärzte: Großbritannien schreibt Regeln für digitale Sprechstunden

Während Großbritannien ein Regelwerk für KI-Assistenten in Arztpraxen erarbeitet, erhalten erste Systeme bereits Zulassung. Haftung und Datenschutz bleiben zentrale Herausforderungen.

Die britische Gesundheitspolitik steht vor einer Weichenstellung: Noch bis kommenden Montag läuft die entscheidende Konsultation für ein neues Regelwerk zu KI-gestützten Sprechstunden-Assistenten. Gleichzeitig erhalten erste Technologien grünes Licht für den breiten Einsatz – auch in Telefonkonsultationen.

Ein Regelbuch für die digitale Praxis

Im Zentrum steht die Arbeit der Nationalen Kommission für KI-Regulierung im Gesundheitswesen. Ihre öffentliche Anhörung endet am 2. Februar. Die gesammelten Einschätzungen von Patienten, Klinikleitern und Entwicklern sollen bis Sommer 2026 in einen verbindlichen Rechtsrahmen münden. Zuständig dafür wird die Arzneimittelbehörde MHRA.

Besondere Dringlichkeit hat die Regulierung von KI-Scribes – Systemen, die automatisch Arztbriefe aus Gesprächen erstellen. Diese Tools verbreiten sich rasant im staatlichen Gesundheitsdienst NHS, doch viele Praxen kämpfen mit offenen Fragen: Wer haftet bei Fehlern? Wie werden Patientendaten geschützt? Und wie gewinnt das Personal Vertrauen in die Technologie?

Technologie wartet nicht auf Gesetze

Während die Politik noch debattiert, schreitet die Technik voran. Das System Surgery Intellect von X-on Health erhielt diese Woche die Zulassung, klinische Notizen direkt in digitale Patientenakten zu übertragen. Entscheidend: Die Genehmigung gilt ausdrücklich auch für Telefonkonsultationen, nicht nur für persönliche Termine.

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Die EU hat mit der KI‑Verordnung seit August 2024 umfassende Regeln für Kennzeichnung, Risikoklassen und Dokumentationspflichten eingeführt – das betrifft jetzt auch Sprechstunden‑Assistenten und KI‑Scribes. Praxen und Anbieter müssen wissen, welche Nachweispflichten, Transparenzanforderungen und Übergangsfristen gelten, um Haftungs‑ und Datenschutzrisiken zu minimieren. Ein kostenloser Umsetzungsleitfaden erklärt kompakt, welche Schritte jetzt nötig sind und liefert praxisnahe Checklisten für Klinik und Praxisalltag. Jetzt kostenlosen KI‑Verordnungs‑Leitfaden herunterladen

Damit setzt NHS England ein klares Signal. Die Behörde unterstützt Sprachtechnologien als Mittel gegen Bürokratie und für mehr Zeit am Patienten. Durch Integration in Praxis-Telefonanlagen erfassen diese Systeme nun ein breiteres Spektrum an Patientenkontakten.

Haftung bleibt bei den Ärzten

Medizinische Verbände betonen indes unveränderte Grundsätze. Leitlinien aus Australien – wo solche Systeme bereits verbreitet sind – unterstreichen: Die letzte Verantwortung trägt immer der behandelnde Arzt.

Praxen sollten klare interne Richtlinien für KI-Assistenten entwickeln. Unverzichtbar ist die ausdrückliche Einwilligung der Patienten, bevor ein Gespräch aufgezeichnet wird. Zudem müssen Ärzte jede KI-generierte Notiz auf Fehler prüfen – die Systeme sind Helfer, kein Ersatz für professionelle Urteilskraft.

Audioaufnahmen als juristisches Risiko

Die Dringlichkeit von Regeln zeigt sich auch in rechtlichen Grauzonen. Juristische Analysen warnen: Audioaufnahmen von Sprechstunden könnten in Kunstfehlerverfahren beschlagnahmt werden. So entstünde parallel zur offiziellen Akte ein zweites, möglicherweise belastendes Protokoll.

Experten fordern daher „Privacy-First“-Systeme, die keine dauerhaften Tonaufnahmen oder vollständigen Transkripte speichern. Nur die final von Ärzten freigegebene Notiz sollte als offizielles Dokument existieren. Diese Forderung unterstreicht, dass neue Technologien den medizinischen Sorgfaltsstandard nicht absenken.

Was bedeutet das für deutsche Ärzte?

Die britischen Entwicklungen bieten auch für Deutschland wertvolle Lehren. Während hierzulande KI in Praxen noch zögerlicher Einzug hält, zeigen die Erfahrungen aus UK: Technischer Fortschritt und regulatorische Klarheit müssen Hand in Hand gehen.

Deutsche Hausärzte, die bereits mit digitalen Diktiersystemen experimentieren, sollten britische Diskussionen um Haftung und Datenschutz genau verfolgen. Die Kernfrage bleibt international gleich: Wie nutzt man KI als Werkzeug, ohne die Arzt-Patienten-Beziehung zu beschädigen?

Die kommenden sechs Monate werden in Großbritannien entscheidend sein. Bis zum Sommer soll das Regelwerk stehen – ein Meilenstein für die digitale Medizin, der auch europaweit Standards setzen könnte. Bis dahin gilt für Ärzte auf beiden Seiten des Kanals: Technologie nutzen, aber die Kontrolle behalten.

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