KI-Assistenten entwickeln sich von allgemeinen Chatbots zu branchenspezifischen, proaktiven Arbeitspartnern. Diese Woche kündigten führende Technologie- und Unternehmensanbieter eine neue Generation von KI-Tools an, die komplexe Arbeitsabläufe automatisieren und tiefe Brancheneinblicke liefern sollen. Dieser strategische Schwenk hin zu vertikalen KI-Lösungen verspricht, die Produktivität in Unternehmen grundlegend zu verändern.
Branchenlösungen statt Allzweck-KI
Das Modell der Allzweck-KI wird zunehmend durch Werkzeuge ersetzt, die für spezifische Branchen entwickelt sind. Ein Paradebeispiel ist die neue Plattform von Mobileum und NOHOLD. Sie ermöglicht Telekommunikationsanbietern, ihren kleinen und mittleren Geschäftskunden (KMU) maßgeschneiderte KI-Assistenten als Mehrwertdienst anzubieten. Die Lösung kann in Minuten eingerichtet werden, indem Unternehmensdokumente oder Webseitendaten eingelesen werden. Ziel ist es, KMUs den Zugang zu KI zu erleichtern und gleichzeitig neue Umsatzquellen für die Telekom-Anbieter zu schaffen.
Auch der Zahlungsdienstleister Square setzt auf Spezialisierung. Sein neuer KI-Assistent für den britischen Markt hilft Kleinunternehmern, ihre Verkaufsdaten in einfacher Sprache zu verstehen. Statt komplexe Dashboards zu bedienen, kann ein Café-Besitzer nun fragen: „Wie viele Croissants haben wir letzte Woche verkauft?“ und erhält sofort eine Antwort. Die Integration direkt in die Square-Plattform soll datengestützte Entscheidungen erleichtern. Eine von Square in Auftrag gegebene Studie zeigt: Obwohl viele KMU-Inhaber KI nutzen, ist Vertrauen ein Schlüsselfaktor. Sie wünschen sich praktische, datengetriebene Assistenten.
Vom Assistenten zum proaktiven Agenten
Die grundlegende Natur der KI-Assistenten verändert sich ebenfalls. Der Kommunikationsriese Zoom stattet seinen AI Companion mit „agentischen“ Fähigkeiten aus. Das Werkzeug wird so vom reaktiven Helfer zum proaktiven Arbeitspartner.
Neue Funktionen wie „Persönliche Arbeitsabläufe“ automatisieren Routineaufgaben. Ein Nutzer kann die KI anweisen, automatisch eine Follow-up-E-Mail mit Diskussionspunkten 30 Minuten nach einem Kundengespräch zu verfassen und zu versenden. Die Funktion „Meine Notizen“ erlaubt es, persönliche Notizen in Meetings auf jeder Plattform zu machen. Die KI ergänzt diese dann mit Transkriptdaten und erstellt eine maßgeschneiderte Zusammenfassung mit den eigenen Aufgaben.
Dieser Fokus auf die Automatisierung von Produktivitätsengpässen zeigt sich auch bei anderen Anbietern. IgniteTech kündigte am 10. Februar Adminio™ AI an. Diese Plattform soll den zeitaufwendigen Abstimmungsprozess für Meetings eliminieren. Intelligente, personenbasierte KI-Assistenten können per E-Mail eingebunden werden, um Termine zu koordinieren, Zeitzonen zu managen und sogar Umbuchungsanfragen zu bearbeiten.
Vertikale KI erobert Hochrisiko-Branchen
Der Trend zur spezialisierten KI beschränkt sich nicht auf Telekom und KMU. In Hochrisikobranchen wie Recht und Gesundheitswesen wächst die Nachfrage nach domänenspezifischer KI rasant.
Im Rechtswesen werden Tools wie der AI Assistant von Bloomberg Law mit agentischen Fähigkeiten erweitert. Sie sollen die Suche in Gerichtsakten oder die Profilerstellung von Juristen schneller und intuitiver machen. Diese KI versteht den juristischen Kontext und hilft Teams, Beispielanträge zu finden oder Klagetrends zu erkennen. Spezialisierte Rechts-KI ist entscheidend für den Umgang mit vertraulichen Informationen und die komplexe Rechtsrecherche.
Auch im Gesundheitssektor boomt die Entwicklung spezialisierter KI. Ein neues System von Yale-Forschern namens spEMO kombiniert Gewebebilder mit genomischen Daten. So erhalten Wissenschaftler ein vollständigeres Bild von der Krankheitsentstehung. Das Tool kann verschiedene Geweberegionen identifizieren und detaillierte medizinische Berichte erstellen. Auf der Verbraucherseite zeigen dedizierte Plattformen wie ChatGPT Health und Claude for Healthcare, dass Millionen Menschen KI bereits für Gesundheitsfragen nutzen. Das schafft einen dringenden Bedarf an sicheren, zuverlässigen und kontextbewussten Assistenten.
Herausforderungen durch mehr Autonomie
Die rasche Verbreitung branchenspezifischer KI wird von einem reiferen Markt getrieben, der greifbare Investitionsrenditen sucht. Doch die Spezialisierung bringt auch Herausforderungen mit sich.
Je mehr Autonomie KI-Assistenten erhalten und je sensibler die Daten sind, auf die sie zugreifen, desto wichtiger werden die Themen Vertrauen, Datenschutz und Sicherheit. Die Ankündigung des datenschutzorientierten persönlichen Assistenten AI Twin am 10. Februar unterstreicht diese Sorge. Gleichzeitig müssen Rechts- und interne Teams neue Governance-Risiken im Zusammenhang mit Datenschutz, geistigem Eigentum und Cybersicherheit bewältigen.
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Der Trend zu Spezialisierung und Automatisierung wird sich weiter beschleunigen. Der Markt wird voraussichtlich mehr „vertikale KI“-Plattformen für Branchen wie Finanzen, Fertigung und Bildung hervorbringen. Die Entwicklung vom KI-Assistenten zum KI-Agenten setzt sich fort. Künftige Systeme werden in der Lage sein, komplexe, mehrstufige Aufgaben auf Basis allgemeiner Anweisungen eigenständig zu managen.
Diese zunehmende Autonomie erfordert robuste Governance-Rahmenwerke. Die Diskussion dreht sich nicht mehr darum, ob KI eine Aufgabe erledigen kann, sondern wie sie dies sicher, geschützt und im Einklang mit Unternehmensrichtlinien und Vorschriften tut. Die jüngsten Ankündigungen machen deutlich: Während die erste KI-Welle von breiten Fähigkeiten geprägt war, geht es im nächsten Kapitel darum, präzisen, messbaren Mehrwert für jeden Schreibtisch und jede Branche zu liefern.





