Enttäuschende Quartalsberichte und ausufernde Investitionsausgaben führender US-amerikanischer Cloud- und Technologiekonzerne haben die europäischen Aktienmärkte spürbar belastet. Vor allem Technologie- und Halbleiterwerte gerieten in einen breiten Ausverkauf. Der europäische Leitindex STOXX 600 gab um 0,36 Prozent auf 646,75 Punkte nach, konnte jedoch ungeachtet dieses Rückschlags den besten Monat seit Juni verbuchen.
Halbleiter- und Technologietitel unter starkem Verkaufsdruck
Besonders hart traf es die Branche der Chiphersteller und Technologieausrüster. Der europäische Technologiesektor verzeichnete ein Minus von 2,75 Prozent, was den schwächsten Handelstag seit dem 7. Juli darstellt. An der Spitze der Verliererliste büßten AT&S, Soitec und Technoprobe jeweils zwischen 9 Prozent und 13 Prozent ein.
Auch die Schwergewichte der Halbleiterindustrie verbuchten deutliche Verluste. Die Papiere von ASML, ASM International und BE Semiconductor gaben jeweils um mehr als 5 Prozent nach. Bei Infineon belief sich das Minus auf über 4 Prozent, während auch Aixtron und STMicroelectronics deutliche Schwächen zeigten.
Die Verluste im Tech-Segment zogen auch die europäischen Leitindizes nach unten. Der deutsche Leitindex DAX verlor 0,85 Prozent auf 25.818,23 Punkte. In Mailand sank der FTSE MIB um 1,00 Prozent auf 49.500,97 Punkte, während der spanische IBEX 35 ein Minus von 1,09 Prozent auf 18.651,46 Punkte verzeichnete.
Der französische CAC 40 schloss mit minus 0,01 Prozent bei 7.969,42 Punkten nahezu unverändert. Eine leichte Gegenbewegung zeigte lediglich der britische FTSE 100, der um 0,07 Prozent auf 10.729,78 Punkte zulegte.
Skepsis bezüglich Renditen der US-Milliardeninvestitionen
Auslöser der Korrektur waren wachsende Zweifel an den immensen Ausgaben für künstliche Intelligenz in den Vereinigten Staaten. Anleger stellen zunehmend infrage, ob die massiven Investitionen schnell genug ausreichende Renditen abwerfen. Insgesamt drückte der Ausverkauf die US-Märkte um mehrere hundert Milliarden US-Dollar; an der Technologiebörse Nasdaq summierte sich der Wertverlust innerhalb einer Woche auf fast 1 Billion US-Dollar.
Am Donnerstag, dem 29. Oktober 2026, verzeichnete Alphabet einen Kurseinbruch von 12 Prozent. Bei diesem zweitgrößten Wertverlust der Börsengeschichte wurden an einem einzigen Tag rund 500 Milliarden US-Dollar an Marktwert vernichtet, nachdem die hohen Ausgaben für künstliche Intelligenz zu einem negativen Cashflow führten.
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Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Alphabet mit Investitionen von bis zu 205 Milliarden US-Dollar, die nahezu vollständig in den Bereich KI fließen sollen. Zusammen haben die Konzerne Meta, Alphabet, Oracle, Amazon und Microsoft für 2026 Ausgaben von insgesamt 800,6 Milliarden US-Dollar zugesagt.
Bei Amazon belief sich der freie Cashflow über einen Zeitraum von zwölf Monaten auf minus 42,4 Milliarden US-Dollar. Die Investitionsausgaben des Konzerns lagen im dritten Quartal bei 77,3 Milliarden US-Dollar und fielen damit mehr als doppelt so hoch aus wie im Vorjahreszeitraum.
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Amazon bestätigte eine Investitionsprognose von rund 220 Milliarden US-Dollar für 2026 und stellte für 2027 nochmals deutlich höhere Summen in Aussicht.
Parallel dazu enttäuschte der Chiphersteller Intel mit einer Umsatzprognose für das vierte Quartal, die infolge einer anhaltenden Nachfrageschwäche im PC-Markt hinter den Erwartungen der Analysten zurückblieb. Finanzchef David Zinsner stellte eine Fortdauer dieser Abschwächung bis mindestens in das erste Halbjahr 2027 in Aussicht.
Stützende Faktoren außerhalb des Technologiesektors
Größere Verluste an den europäischen Gesamtmärkten verhinderten robuste Unternehmenszahlen aus anderen Wirtschaftszweigen sowie überraschend stabile Konjunkturdaten. Universal Music verbuchte nach starken Streaming-Erlösen im dritten Quartal ein Plus von 7,89 Prozent.
Puma legte nach übertroffenen Umsatzerwartungen um 5,59 Prozent zu, und Sanofi gewann 4,71 Prozent nach angehobenen Jahreszielen. Bayer stieg um 5,46 Prozent nach einem juristischen Erfolg in einem Roundup-Verfahren, während BP nach soliden Quartalsgewinnen leicht zulegte.
Zudem fiel das Wirtschaftswachstum in der Eurozone im dritten Quartal 2026 mit einem Plus von 0,4 Prozent im Quartalsvergleich und 1,3 Prozent im Jahresvergleich besser aus als von Analysten erwartet. In Deutschland stieg das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um 0,2 Prozent, was ebenfalls über den Schätzungen lag.

