KI-Berufe: Beschäftigung wächst bei 30- bis 39-Jährigen um fast 6 Punkte

Beschäftigung nahm in mehreren stark KI-geprägten Berufsfeldern zu; zugleich bleibt die Nutzung in vielen Unternehmen begrenzt.

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Die Bundesregierung und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit sind Befürchtungen vor weitreichenden Jobverlusten durch künstliche Intelligenz öffentlich entgegengetreten. Beide Seiten äußerten sich optimistisch über die Beschäftigungschancen, die durch den Einsatz der Technologie entstehen.

IAB beobachtet Zuwächse in exponierten Berufen

Eine Untersuchung des IAB ergab, dass in Berufsfeldern mit hoher KI-Exposition kein allgemeiner Beschäftigungseinbruch festzustellen ist. Vielmehr verzeichneten diese Bereiche seit 2022 teilweise sogar Beschäftigungszuwächse.

In Berufen mit starker KI-Exposition lag das Beschäftigungswachstum bei den 30- bis 39-Jährigen um fast 6 Prozentpunkte und bei den 40- bis 64-Jährigen um rund 5 Prozentpunkte höher als in Tätigkeiten mit geringerer Berührung zu KI-Systemen.

Bei den 20- bis 29-Jährigen zeigte sich hingegen ein Rückgang von 1,2 Prozentpunkten. Das IAB führt diese Entwicklung bei jüngeren Arbeitskräften jedoch primär auf die allgemeine Wirtschaftsschwäche der vergangenen Jahre zurück und stuft den Einfluss von KI als untergeordnet ein. Der stärkste Zusammenhang zeige sich bei Personen unter 30 Jahren im nicht-akademischen Bereich sowie im verarbeitenden Gewerbe.

IAB-Forscher Enzo Weber unterstrich, dass KI den Beschäftigungsbedarf in der Gesamtschau nicht verringere. Insbesondere die Gruppe der hochqualifizierten Arbeitskräfte sei seit 2022 immens gewachsen. Weber warnte zudem davor, beim Berufseinstieg aus Furcht vor KI-Systemen künftig ausschließlich auf das Handwerk zu setzen.

Qualifizierungsoffensive und Forderung nach mehr Tempo

Seitens der Bundespolitik stellte Bundesarbeitsminister Alexander Schweitzer (SPD) für Anfang 2027 ein kostenloses Online-Weiterbildungsangebot für das KI-Grundverständnis in Aussicht. Die finanziellen Mittel für das Programm sollen aus dem Infrastruktur-Sondervermögen bereitgestellt werden. Schweitzer betonte, dass es künftig keine Jobs mehr ohne den Einsatz von KI geben werde.

Auf dem Digitalgipfel in Berlin forderte Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) mehr Ambition bei der Implementierung von KI-Lösungen. Der Einsatz in Bereichen wie der Sortimentsplanung könne eine Marge von 20% bis 30% bedeuten. Auf der Konferenz wurde zudem angeführt, dass die Zahl der Radiologen in Deutschland innerhalb von zehn Jahren trotz der Zunahme computergestützter Bildgebung um 17% gestiegen sei.

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Skepsis unter Beschäftigten und Ökonomen

Trotz des politischen Optimismus bleiben Vorbehalte bestehen. Mehr als 230 Ökonomen warnten in einem offenen Brief vor den Auswirkungen der Technologie auf den Arbeitsmarkt. Eine Umfrage des Softwareanbieters Adaptavist ergab zudem, dass sich fast drei Viertel der Wissensarbeiter in Deutschland die Arbeitsbedingungen aus der Zeit vor der Veröffentlichung von ChatGPT zurückwünschen.

Gleichzeitig verläuft die Verbreitung in den Unternehmen unterschiedlich. Eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) auf Basis von Daten des Sozio-oekonomischen Panels für das Jahr 2025 zeigt, dass fast die Hälfte der Erwerbstätigen in Deutschland bis zu diesem Zeitpunkt gar keinen Kontakt mit KI-Systemen hatte.

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Rund ein Fünftel berichtete über wenige Erfahrungen, während lediglich etwa 12% der Befragten angaben, KI viel oder sehr viel zu verwenden. Während generative KI im Erhebungsjahr am bekanntesten war, waren prädiktive Analysesysteme am wenigsten geläufig; rund die Hälfte der Beschäftigten plante auch für die Zukunft kaum oder keine Nutzung.

Auf dem Stellenmarkt gewinnt das Thema unterdessen an Gewicht: Eine Auswertung des Stellenportals Indeed für die Frankfurter Allgemeine Zeitung zeigte, dass der Anteil der Anzeigen mit Begriffen wie maschinelles Lernen, Data Science oder KI innerhalb eines Jahres um mehr als die Hälfte auf knapp 6% zulegte.