Illegale Geldströme in nie dagewesener Höhe: Laut dem Global Financial Crime Report 2025 von Nasdaq flossen im vergangenen Jahr schätzungsweise 4,4 Billionen US-Dollar durch das globale Finanzsystem. Das entspricht einem Anstieg um 42 Prozent gegenüber 2023. Allein auf Betrugsfälle entfielen rund 579,4 Milliarden Dollar.
KI-Agenten als neues Einfallstor
Branchenexperten sehen zunehmend KI-gestützte Systeme als größte Schwachstelle. Eine Studie von Biocatch unter 1.440 Fachleuten aus 25 Ländern zeigt: 84 Prozent der Befragten halten KI-Agenten für das derzeit größte Einfallstor für Kriminelle. 80 Prozent der befragten Finanzinstitute berichten bereits von Angriffen, bei denen KI-Agenten zum Einsatz kamen.
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Die Raffinesse der Betrugsversuche nimmt zu. 88 Prozent der Experten bestätigen, dass KI die Angriffe deutlich verfeinert. Laut KnowBe4 werden inzwischen 86 Prozent aller Phishing-Angriffe durch KI unterstützt. Besonders betroffen sind digitale Kommunikationswege: Manipulationen von Kalendereinladungen stiegen um 49 Prozent, Angriffe über Microsoft Teams um 41 Prozent. In den USA verursachten KI-gesteuerte Betrugsmaschen laut FBI Schäden von rund 893 Millionen Dollar.
Sicherheitsbedenken bei der EUDI-Wallet
Während die technologischen Risiken steigen, bereiten sich EU-Mitgliedstaaten auf die European Digital Identity Wallet (EUDI-Wallet) vor. In Deutschland ist der Start für Januar 2027 geplant. Die digitale Brieftasche soll Ausweise, Führerscheine und Zeugnisse grenzüberschreitend speichern.
Die Umsetzung stößt auf massive Kritik. Der Chaos Computer Club (CCC) und Datenschutzexperten bemängeln, dass wichtige Sicherheitsfunktionen zum Start fehlen könnten. Qualifizierte elektronische Signaturen, Pseudonyme und spezielle Zahlungsfunktionen sollen Berichten zufolge zunächst nicht verfügbar sein. Zudem hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) noch keine abgeschlossene Sicherheitsbewertung vorgelegt. Kritiker befürchten, dass die Speicherung biometrischer Gesichtsdaten verpflichtend werden könnte und das Recht auf Pseudonymität nicht ausreichend gewahrt bleibt.
Der Mensch bleibt die größte Schwachstelle
Trotz aller Hochtechnologie bleibt der Faktor Mensch zentraler Angriffspunkt. Der „Cyber Roundup 2026 Claims Report“ von Cowbell zeigt: 74 Prozent aller Sicherheitsvorfälle haben ihren Ursprung im menschlichen Verhalten. Die Zahl der Schadensmeldungen bei Cyberversicherungen stieg innerhalb von 18 Monaten um 40 Prozent.
Neben digitalen Angriffen registrieren Behörden auch neue physische Betrugsmaschen. In Köln warnte die Polizei kürzlich vor manipulierten NFC-Kartenlesegeräten an Parkautomaten. Täter platzierten gefälschte Lesefelder über den Originalen. In Leipzig registrierte die Bundespolizei Anfang Juni Fälle, bei denen Täter die Hilfsbereitschaft von Reisenden ausnutzten oder vorgetäuschte Smartphone-Überweisungen für Bargeldgeschäfte anboten.
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Gegenmaßnahmen und Klagen
Auf die Professionalisierung der Täter reagieren Behörden und Unternehmen weltweit. In Thailand reichte der Consumers Council Anfang Juni eine Zivilklage gegen mehrere Tech-Giganten und Banken ein. Vorwurf: Die Plattformen hätten ihre Prüfpflichten bei Werbeanzeigen vernachlässigt. Der Schaden durch Online-Investitionsbetrug beläuft sich auf über 230 Millionen Baht.
Gleichzeitig entwickeln Technologieunternehmen neue Schutzmechanismen. Google stellte eine Funktion zur Erkennung gefälschter Anrufe vor. Sie basiert auf einem verschlüsselten Handshake im RCS-Standard und soll Nutzer vor Betrugsanrufen warnen. Angesichts der Prognose, dass KI-gesteuerte Angriffe im kommenden Jahr um weitere 45 Prozent zunehmen könnten, fordern 85 Prozent der Finanzinstitute einen verbesserten Echtzeit-Informationsaustausch zwischen Banken. Nur so lassen sich kriminelle Geldströme effektiv stoppen.

