KI-Betrug +500%: Kongressanhörung warnt vor Milliardenverlusten

Kaspersky-Studie zeigt: KI treibt Betrugsmaschen wie Deepfakes und Boss Scam rasant an. Weltweit entstehen Milliardenschäden.

Eine aktuelle Untersuchung von Kaspersky zeigt, dass 64,5 Prozent der Betrugsopfer glauben, KI-Tools hätten bei der Täuschung eine Rolle gespielt. Die Effizienz dieser Angriffe ist erschreckend: 12,2 Prozent der Geschädigten überwiesen bereits innerhalb von fünf Minuten nach dem Erstkontakt Geld. Mehr als die Hälfte aller Betroffenen zahlte innerhalb einer halben Stunde.

Besonders perfide: In Großbritannien vermuteten 54 Prozent der Opfer den Einsatz von Deepfakes oder synthetischen Stimmen. Die Technologie erlaubt es Kriminellen, Nachrichten in nie dagewesenem Umfang zu personalisieren – weg von generischen Phishing-Versuchen, hin zu maßgeschneiderten Angriffen.

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Die häufigsten Betrugsmaschen

Die Kaspersky-Daten identifizieren Anlagebetrug (40 Prozent), gefälschte Lieferbenachrichtigungen (38 Prozent) und Markenimitationen (35 Prozent) als die verbreitetsten Arten von Messenger-Betrug. In Großbritannien lag der durchschnittliche finanzielle Verlust pro Vorfall bei umgerechnet rund 530 Euro. Fast zehn Prozent der Opfer verloren mehr als 1.160 Euro.

Plattformen als Tatwerkzeuge

Ermittler und Sicherheitsexperten beobachten einen wachsenden Markt für digitale Verbrechenswerkzeuge. Eine Untersuchung des MIT Technology Review deckte Dutzende Telegram-Kanäle auf, die „Virtual Camera“-Software verkaufen. Diese Programme umgehen biometrische Identitätsprüfungen wie KYC-Verfahren (Know Your Customer) – Kriminelle täuschen damit automatisierte Verifikationssysteme.

In Indien stiegen die Beschwerden über Telegram-bezogenen Betrug von 75.688 im Jahr 2023 auf über 275.840 im Jahr 2025. Die finanziellen Verluste wuchsen von umgerechnet rund 150 Millionen Euro auf über 340 Millionen Euro.

Im Juni 2026 entdeckten Forscher zudem eine Malware-Kampagne gegen WhatsApp-Desktop- und Webnutzer. Die Angreifer nutzen kompromittierte Accounts, um schädliche VBScript-Dateien zu versenden – getarnt als Rechnungen oder Kontoauszüge in mehreren Sprachen, darunter Deutsch.

Der „Boss-Betrug“: Wenn der Chef plötzlich schreibt

Die indische Cyber Crime Coordination Centre (I4C) warnt vor einer besonders dreisten Masche: Beim sogenannten „Boss Scam“ kapern Angreifer die WhatsApp-Konten von Führungskräften und schicken dringende Zahlungsaufforderungen an Mitarbeiter. Die Täter setzen auf den Gehorsam gegenüber Autoritäten – und die Dringlichkeit der Anfrage.

Milliardenverluste weltweit

Die wirtschaftlichen Dimensionen sind gewaltig. Bei einer US-Kongressanhörung am 22. Juni 2026 wurde ein Anstieg KI-gestützter Betrugsaktivitäten um 500 Prozent innerhalb eines Jahres genannt. Branchendaten von Chainalysis zeigen, dass allein Kryptowährungsbetrug 2025 rund 17 Milliarden US-Dollar (etwa 15,8 Milliarden Euro) einbrachte – die durchschnittliche Zahlungshöhe stieg um 253 Prozent.

Rekordzahlen aus dem Jahr 2025:

  • Großbritannien: 4 Millionen Betrugsfälle mit Gesamtverlusten von 1,3 Milliarden Pfund (rund 1,5 Milliarden Euro)
  • USA: Fast 21 Milliarden US-Dollar (19,5 Milliarden Euro) Gesamtschäden durch Cyberkriminalität, darunter 7,2 Milliarden US-Dollar (6,7 Milliarden Euro) durch Kryptowährungs-Anlagebetrug
  • Australien: Über 481.000 Betrugsfälle mit Verlusten von 2,18 Milliarden australischen Dollar (rund 1,3 Milliarden Euro)

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Die dunkle Seite der Deepfakes: Digitale Erpressung

KI treibt auch die digitale Erpressung voran. Eine Studie mit 16.000 Teilnehmern aus zehn Ländern ergab, dass 14,5 Prozent der Erwachsenen bereits Opfer von Sextortion wurden – Erpressung mit kompromittierendem Bildmaterial. Sicherheitsexperten warnen vor sogenannten „Nudify“-Apps und Deepfake-Technologie, die das Erstellen nicht-einvernehmlicher synthetischer Aufnahmen für Erpressungszwecke erheblich erleichtern.

Daten der australischen eSafety Commissioner für 2025 zeigen: 86 Prozent der Sextortion-Opfer waren männlich, 42 Prozent davon in der Altersgruppe 18 bis 24 Jahre. Die ersten Kontakte erfolgen häufig über Dating-Apps oder soziale Netzwerke wie Tinder und Instagram. Die eigentlichen Drohungen und Erpressungsforderungen verlagern sich dann auf verschlüsselte Messenger-Dienste wie WhatsApp, Telegram und Snapchat.