Die internationale Strafverfolgung geht massiv gegen Geldmulen und KI-gestützten Betrug vor. Allein in Indien wurden Dutzende Verdächtige festgenommen, während US-Senatoren von Tech-Konzernen Aufklärung über den Missbrauch ihrer KI-Systeme verlangen.
Großrazzia in Indien: „Operation Cyber Vigil“ rollt Betrugsnetzwerk auf
Die Polizei im indischen Bundesstaat Goa hat Anfang August einen Schlag gegen Cyberkriminelle geführt. Bei der „Operation Cyber Vigil“ durchsuchten rund 40 Teams in elf Bundesstaaten gleichzeitig Verdächtige und stellten 313 sogenannte Mule-Konten sicher. Sieben Personen wurden festgenommen. Das Netzwerk soll für mehr als 40 Betrugsfälle mit einem Schaden von über 2,5 Crore Rupien (rund 280.000 Euro) verantwortlich sein.
Auch in Pune meldet die Polizei Erfolge: Im Rahmen der „Operation Mule Hunt“ stellten die Ermittler innerhalb von drei Wochen 152 Kontoinhaber, die ihre Konten für kriminelle Geldflüsse zur Verfügung gestellt haben sollen. Mehr als 2.000 weitere Personen erhielten Vorladungen. In Ahmedabad wiederum wurden drei Verdächtige festgenommen, über deren Konto umgerechnet rund 4,6 Millionen Euro geflossen sein sollen – verteilt auf 118 einzelne Betrugsanzeigen.
US-Senatoren stellen KI-Konzerne zur Rede
In den USA rückt der Missbrauch künstlicher Intelligenz in den Fokus der Ermittler. Die Senatoren Kirsten Gillibrand und Mark Kelly fordern von neun großen Tech-Unternehmen – darunter OpenAI, Microsoft, Google, Anthropic und Meta – detaillierte Berichte über ihre Schutzmaßnahmen für ältere Menschen. Die Konzerne haben bis zum 31. August Zeit, zu antworten.
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Der Hintergrund ist alarmierend: Laut FBI beliefen sich die Verluste durch Cyberkriminalität 2025 auf fast 21 Milliarden Dollar. Rund 893 Millionen Dollar davon entfielen auf KI-gestützte Betrugsmaschen. Bei einer Anhörung im US-Senat Ende Juli berichteten Zeugen, wie Stimmklon-Technologie und Deepfake-Werbung den Betrug industrialisiert haben. Die Zahl der Identitätsbetrugsfälle bei Banken stieg zwischen 2024 und 2025 um 150 Prozent.
Besonders perfide: Eine aktuelle Anklageschrift zeigt, wie internationale Betrüger über Dating-Plattformen ahnungslose Geldmulen anwarben. Diese wurden manipuliert, um Steuergelder von Regierungskonten abzuziehen – unter anderem beim US-amerikanischen Fisch- und Wildtierdienst, dem über 423.000 Dollar entwendet wurden.
Hongkong, Singapur und die internationale Geldwäsche-Bekämpfung
Auch die Finanzmetropolen Asiens reagieren auf die wachsende Bedrohung. In Hongkong verlor ein 50-jähriger Versicherungsmakler umgerechnet rund 3,1 Millionen Euro in einem Krypto-Liebesbetrug. Es war der größte Einzelfall unter 25 Anzeigen Ende Juli, die zusammen einen Schaden von etwa 8,5 Millionen Euro umfassen.
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Die DBS Bank in Singapur kündigte an, künftig verdächtige Überweisungen genauer zu prüfen. Geplant sind unter anderem „kognitive Pausen“ und individuelle Warnhinweise in der Banking-App, um Betrugsversuche in Echtzeit zu unterbrechen. Der Schritt ist dringend nötig: In Singapur entfielen 2025 über 80 Prozent der Betrugsfälle auf sogenannte autorisierte Betrugsmaschen, bei denen die Opfer die Überweisung selbst freigeben.
Internationale Ermittler konnten zudem zwei bedeutende kriminelle Infrastrukturen zerschlagen: Den Krypto-Waschring „AudiA6″, über den seit 2021 schätzungsweise 389 Millionen Dollar in Bitcoin gewaschen wurden, und die Phishing-Plattform „Tycoon2FA“, die für mehr als 96.000 betrogene Menschen weltweit verantwortlich sein soll. Bei den Aktionen in Georgien und Pakistan wurden mehrere Verdächtige festgenommen.

