KI-Betrug: Gefälschte Stimmen erbeuten Millionen

Kriminelle nutzen KI-generierte Stimmenklone, um Banken zu täuschen und unerkannt Abbuchungen zu veranlassen. Berufstätige sind laut Warnungen besonders gefährdet.

KI-Stimmenklone täuschen Banken und errichten unerkannt Lastschriften – eine neue Betrugswelle trifft besonders Berufstätige. Die britische Verbraucherschutzbehörde warnt vor einer perfiden Masche, die traditionelle Trickbetrügereien mit künstlicher Intelligenz kombiniert.

Täuschung per „Lifestyle-Umfrage“

Die Methode der Kriminellen ist zweistufig und ausgeklügelt. Sie beginnt mit einem scheinbar harmlosen Anruf, der oft als „Lifestyle-Umfrage“ getarnt ist. Das eigentliche Ziel ist nicht die sofortige Zahlung, sondern die Aufnahme der Stimme des Opfers. Gleichzeitig werden persönliche, gesundheitliche und finanzielle Details abgefragt.

Mit den gesammelten Audiodaten erstellen die Betrüger dann einen täuschend echten KI-Stimmenklon. Diese synthetische Stimme nutzen sie, um bei Banken und Finanzdienstleistern telefonisch die Einrichtung von Lastschriften zu autorisieren. Da die Stimme mit dem biometrischen Profil des Kontoinhabers übereinzustimmen scheint, fallen die Institutionen auf den Betrug herein und leiten Zahlungen ein – ohne das Wissen der eigentlichen Kunden.

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„Diese Technik ist eine verstörende Kombination aus traditionellem Cold Calling und Hightech“, warnt Louise Baxter, Leiterin des Betrugsteams der britischen Handelsstandards-Behörde (NTS).

Berufstätige im Fadenkreuz der Betrüger

Während zunächst von älteren Menschen als typische Opfer ausgegangen wurde, zeigen internationale Daten ein anderes Bild. Die thailändische Anti-Betrugs-Zentrale AOC 1441 meldete diese Woche, dass die berufstätige Bevölkerung im Alter von 20 bis 49 Jahren 2026 zum Hauptziel KI-gestützten Betrugs geworden sei.

Diese digitalaffine und kaufkräftige Demografie verzeichnet die höchste Angriffsfrequenz. In Thailand beliefen sich die Schäden in dieser Gruppe im Vorjahr auf umgerechnet über 600 Millionen Euro. Auch eine Studie der australischen Swinburne University of Technology unterstreicht das Ausmaß: Allein im ersten Halbjahr 2025 summierte sich der Schaden durch KI-Stimmenklon-Betrug auf rund 15,8 Millionen Euro.

Psychologie der Täuschung: Warum die Masche funktioniert

Die Wirksamkeit der Scams basiert auf psychologischer Manipulation, die durch Technologie verstärkt wird. Ein aktueller Report zeigt, dass 77 Prozent der US-Erwachsenen große Sorge haben, dass KI ihre Identität oder Stimme nachahmen könnte, um auf sensible Konten zuzugreifen.

Der entscheidende Faktor ist die „Glaubwürdigkeit“. Bei Banken nutzen die Betrüger das Vertrauen in die Stimmauthentifizierung aus. Im privaten Kontext erzeugt die KI-Stimme eine emotionale Reaktion, die kritisches Denken ausschaltet. „Hört ein Opfer, was exakt wie der Chef, der Partner oder das Kind in Not klingt, ist die erste Reaktion, zu helfen – nicht zu überprüfen“, erklärt KI-Expertin Dominique Carlon.

Banken unter Druck: Welche Abwehrstrategien helfen

Die Banken- und Cybersicherheitsbranche steht unter Druck, ihre Verifizierungsprotokolle zu überarbeiten. Die Stimmerkennung gilt nicht länger als ausreichendes, alleinstehendes Sicherheitsmerkmal für hohe Transaktionen. Verbraucherschützer fordern eine Rückkehr zur Multi-Faktor-Authentifizierung, die sich nicht nur auf Audio-Stichproben verlässt.

Konkrete Empfehlungen für Verbraucher lauten:
* Bei unerbetenen Anrufen skeptisch sein: Jedes Cold Calling, das nach persönlichen Details fragt – selbst unter dem Deckmantel einer Umfrage – sollte sofort beendet werden.
* Kontoauszüge regelmäßig prüfen: Da Lastschriften oft ohne sofortige Benachrichtigung eingerichtet werden können, ist die häufige Kontrolle der Abbuchungen essenziell.
* „Sicherheitswörter“ vereinbaren: Familien und Unternehmen sollten geheime Codewörter festlegen, die ein Anrufer in einer Notsituation nennen muss, um seine Identität zu bestätigen.

Die Prognose für 2026 ist düster: Der Wettlauf zwischen Betrügern und Sicherheitssystemen wird sich weiter verschärfen. Der Schutz biometrischer Daten ist damit genauso kritisch geworden wie der von Passwörtern.

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