KI-Betrug in Neuseeland: 110 Deepfake-Anzeigen in 24 Stunden

Neuseeland veröffentlicht KI-Regeln mit Fokus auf Transparenz und menschliche Aufsicht. Zeitgleich warnen Behörden vor massivem Deepfake-Betrug.

Das neu veröffentlichte Regelwerk soll Aufsichtsbehörden helfen, Chancen und Risiken der Technologie abzuwägen.

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Rahmen für Verantwortung und Transparenz

Das neuseeländische Ministerium für Regulierungsfragen hat am heutigen Samstag umfassende KI-Leitlinien veröffentlicht. Sie richten sich an mehr als 260 Organisationen, die regulatorische Aufgaben im Land übernehmen. Ziel ist es, Transparenz bei KI-Systemen zu gewährleisten und die menschliche Entscheidungsfindung zu bewahren.

Die Leitlinien basieren auf mehreren Kernprinzipien: Verantwortlichkeit, Offenlegung des KI-Einsatzes und die Sicherstellung, dass letztlich Menschen die Kontrolle behalten. Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt – am 1. Juli tritt der neue Regulatory Standards Act in Kraft.

Erstmals hat das Ministerium zudem eine umfassende Landkarte der nationalen Regulierungslandschaft erstellt. Sie listet alle aktiven Aufsichtsbehörden auf.

Testräume für Innovation

Neben den KI-spezifischen Vorgaben führte die Regierung auch Leitlinien für sogenannte Regulatory Sandboxes ein. Diese „Testräume“ erlauben es Behörden, neue Technologien und Regulierungsansätze in kontrollierten Umgebungen zu erproben. So soll Innovation gefördert werden, ohne die Öffentlichkeit oder Märkte unnötigen Risiken auszusetzen.

Investitionsminister Todd McClay kündigte zudem an, dass die neue Behörde Invest New Zealand auf Auslandsinvestitionen zwischen 100 Millionen und einer Milliarde Euro abzielt. KI-Infrastruktur und Rechenzentren stehen dabei ganz oben auf der Prioritätenliste. Das Ziel: Neuseelands Direktinvestitionen auf OECD-Niveau zu heben.

Die wachsende Bedrohung durch KI-Betrug

Die neuen Leitlinien kommen zu einem kritischen Zeitpunkt. Die neuseeländische Finanzmarktaufsicht (FMA) schlägt Alarm: Allein im April 2026 entdeckte die Behörde 110 betrügerische Investmentanzeigen mit KI-generierten Deepfake-Videos – und das auf einer einzigen Plattform innerhalb von nur 24 Stunden.

Seit März 2026 wurden zudem mehr als 190 gefälschte Handelsplattform-Websites identifiziert. Die wirtschaftlichen Schäden sind enorm: In den zwölf Monaten bis November 2025 verzeichnete das Land nachweisliche Betrugsverluste von 265 Millionen Euro. Davon entfielen 126 Millionen Euro auf sogenannte Authorized Push Payment Scams – Überweisungsbetrug, bei dem Opfer selbst zur Zahlung veranlasst werden.

Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Beamte des Wirtschaftsministeriums schätzen die tatsächlichen jährlichen Verluste auf bis zu eine Milliarde Euro – denn nur etwa jeder fünfte Betrug wird gemeldet.

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Fehlende Gesetze als Problem

Anders als Australien, das mit dem Scams Prevention Framework Act 2025 Bußgelder von bis zu 50 Millionen australischen Dollar verhängt, fehlt Neuseeland eine spezifische Gesetzgebung gegen KI-Betrug. Die FMA betont, dass die neuen Leitlinien zwar die interne Nutzung der Technologie durch Behörden regeln – aber keine Handhabe gegen Deepfake-Betrug von außen bieten.

Transparenzprobleme auch in Australien

Auch jenseits der Tasmansee gibt es Herausforderungen. In Australien offenbarten kürzlich im Senat vorgelegte Dokumente: Mehr als die Hälfte von 92 verpflichteten Bundesbehörden verpasste die erste Frist zur Offenlegung ihres KI-Einsatzes im Februar 2025. 30 Behörden versäumten zudem eine November-Frist zur Benennung eines KI-Verantwortlichen.

Zwar erfüllten die meisten Behörden ihre Pflichten letztlich doch – die Verzögerungen haben jedoch Kritik an mangelnder Durchsetzung ausgelöst. Die australische Regierung erwartet nun, dass jede Behörde im Laufe des Jahres 2026 einen eigenen KI-Chef ernennt.