Während Millionen Nutzer weltweit ChatGPT & Co. mit Fragen zu Liebe, Eifersucht und Sexualität konsultieren, schlagen Therapeuten und Regulierungsbehörden Alarm. Was steckt hinter dem Trend zur digitalen Intimität?
Deutsche besonders offen für KI-Partnerschaftsberatung
Die Zahlen sind beachtlich: Bereits 39 Prozent der Deutschen haben einem KI-Chatbot Fragen zu ihrer Beziehung gestellt. Das zeigt eine Studie der Pronova BKK aus dem März 2026. Besonders Männer nutzen die digitale Anonymität: 44 Prozent gaben an, sich einem Bot gegenüber offener zu äußern als dem eigenen Partner. Bei Frauen sind es mit 33 Prozent deutlich weniger.
Doch die Bundesbürger sind nicht allein. Eine am Dienstag veröffentlichte Untersuchung von Gleeden und Ipsos belegt eine noch höhere Bereitschaft in Indien. Dort würden 68 Prozent der Befragten KI für sexuelle Aufklärung nutzen, 61 Prozent sogar für sexuelle Fantasien. In der Tech-Metropole Bengaluru liegt die Zustimmung bei beachtlichen 77 Prozent.
China zieht die Reißleine bei KI-Beziehungen
Während die Nachfrage steigt, reagieren einige Länder mit drastischen Maßnahmen. Ab dem 15. Juli 2026 verbietet China KI-Anbietern, Minderjährigen virtuelle intime Beziehungen anzubieten. Die Reaktion der Tech-Konzerne ließ nicht lange auf sich warten.
ByteDance schaltet personalisierte KI-Agenten auf seiner Plattform Doubao ab, Alibaba zieht bei seinem Modell Qwen nach. Tencent hatte bereits im Juni seine Yuanbao-Persona-Funktion entfernt. Der Dienst NetEase Miaoshi wird am 14. Juli eingestellt. Seit April hat die chinesische Internetaufsicht CAC über 3.500 nicht konforme KI-Produkte aus dem Verkehr gezogen. Bis zum 15. Oktober müssen zudem alle Nutzerdaten gelöscht sein.
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Die Schattenseiten der digitalen Vertrautheit
Experten warnen vor den psychologischen Risiken. Dana Mahr vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sieht ein grundlegendes Problem: „KI-Systeme verwenden oft schmeichelnde Sprache, die keine echte menschliche Erfahrung widerspiegelt.“ Das könne die Wahrnehmung realer Beziehungen verzerren.
Der deutsche Therapeut Carsten Müller pflichtet bei: „Für sachliche Informationen ist KI durchaus nützlich. Bei persönlicher emotionaler Beratung bleibt sie ein kritisch zu betrachtendes Werkzeug.“
Wie begrenzt die Technologie noch ist, zeigte diese Woche der bekannte Filmemacher Paul Schrader. Sein Versuch, eine funktionierende „KI-Freundin“ zu etablieren, scheiterte kläglich – das System wich seinen Fragen aus und beendete schließlich das Gespräch.
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Neue Grenzen für KI-Beratung
Der Trend zur persönlichen KI-Nutzung fällt mit einer generellen Verschärfung der Beratungsgrenzen zusammen. Ab dem 29. Oktober 2026 wird ChatGPT keine spezifischen medizinischen, rechtlichen oder finanziellen Empfehlungen mehr geben dürfen. Das gab OpenAI bekannt. Künftig darf das Modell nur noch allgemeine Prinzipien erläutern und an menschliche Experten verweisen.
Der Schritt kommt nicht überraschend. Eine Überprüfung der britischen Finanzaufsicht FCA ergab, dass über 25 Prozent der britischen Verbraucher KI-Tools für Finanzberatung vertrauen. Die Behörde fordert nun eine formelle Überprüfung der regulatorischen Grenzen – um Nutzer vor ungeprüften automatisierten Ratschlägen zu schützen.

