KI-Blockade: USA stoppen Anthropic-Modelle – G7 plant Gegenmaßnahmen

Die G7-Staaten planen ein "Trusted Partners"-Modell für KI, um sich von US-Exportbeschränkungen zu emanzipieren und die digitale Souveränität zu stärken.

Die Sieben führenden Industrienationen suchen nach einem gemeinsamen Kurs in der KI-Politik – und ringen mit den Folgen unilateraler US-Exportbeschränkungen. Der Gipfel in Évian stand ganz im Zeichen der Frage, wie sich demokratische Staaten gegen eine drohende technologische Abhängigkeit von den USA absichern können.

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Der „Kill Switch“-Schock: Was geschah mit Anthropic?

Auslöser der angespannten Diskussionen war ein Alleingang Washingtons. Am 12. Juni 2026 zogen die US-Behörden die fortschrittlichsten KI-Modelle des Unternehmens Anthropic – Fable 5 und Mythos 5 – weltweit aus dem Verkehr. Grundlage war die sogenannte „Deemed Export“-Doktrin, eine Regelung, die eigentlich den Wissenstransfer an ausländische Fachkräfte kontrollieren soll.

Hintergrund der Blockade: Amazon hatte auf potenzielle Sicherheitslücken in den Systemen hingewiesen. Die Folge war ein globaler Exportstopp, der bei den Verbündeten für helle Aufregung sorgte.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kritisierte den Schritt scharf. Er sprach von einem „rein nationalistischen Vorgehen“ und warnte vor der Gefahr, dass die USA jederzeit den Zugang zu Spitzen-KI kappen könnten – wie mit einem digitalen Kill Switch. Auch Indiens Premier Narendra Modi schloss sich der Kritik an. Er forderte einen garantierten Zugang für Demokratien, um eine wachsende digitale Kluft zu verhindern.

Das „Trusted Partners“-Modell: Ein Bündnis gegen Abhängigkeit

Als Antwort auf die US-Restriktionen brachten die G7-Staaten ein neues System ins Spiel: die „Trusted Partners“. Die Idee: Ein exklusiver Kreis verbündeter Nationen soll KI-Modelle, Chips und Software untereinander frei austauschen können – während rivalisierende Mächte außen vor bleiben.

Macron kündigte an, dass innerhalb eines Monats eine neue KI-Kooperationsplattform entstehen soll. Ein Ministertreffen ist für September 2026 geplant. Ziel ist es, Sicherheitsstandards zu vereinheitlichen und die Kontrolle über mächtige KI-Systeme in staatlicher Hand zu behalten – statt sie privaten Konzernen zu überlassen.

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Tech-Konzerne drängen auf einheitliche Regeln

Mehrere führende Köpfe der Branche waren nach Évian gereist, um für eine abgestimmte Regulierung zu werben. Sam Altman, CEO von OpenAI, warnte davor, die Verantwortung für KI-Sicherheit den Tech-Giganten zu überlassen. Er plädierte für ein internationale Forum, das verbindliche Sicherheits- und Teststandards festlegt. Seine Prognose: „In den nächsten ein bis zwei Jahren werden wir überraschend leistungsfähige Systeme sehen.“

Auch Dario Amodei von Anthropic und Demis Hassabis von Google DeepMind sprachen sich für eine von den USA geführte Koalition aus. Amodei warnte eindringlich vor fragmentierten Regeln: „Zersplitterte Vorschriften würden Innovation und Sicherheit unter den Verbündeten gleichermaßen behindern.“

Europas Weg in die digitale Unabhängigkeit

Der Gipfel offenbarte ein massives Ungleichgewicht: Europa verfügt gerade einmal über 5 Prozent der weltweiten KI-Rechenleistung – die USA halten 80 Prozent. Die Botschaft war deutlich: Ohne eigene Infrastruktur bleibt Europa abhängig.

Die EU-Kommission hat deshalb den Cloud and AI Development Act (CADA) vorgeschlagen, ein vierstufiges Programm zur Stärkung der digitalen Souveränität. Parallel läuft das InvestAI-Programm mit einem Volumen von 200 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Allein im ersten Quartal 2026 gaben US-Hyperscaler mehr als 200 Milliarden Dollar für ihre Rechenzentren aus.

Ein symbolträchtiger Schritt kam aus Frankreich: Der französische Geheimdienst kündigte an, seinen Vertrag mit dem US-Unternehmen Palantir zu kündigen und künftig auf den heimischen Anbieter ChapsVision zu setzen.

EU-Vertreter stellten klar: Alle Unternehmen, die in der Union tätig sind, müssen den AI Act und die lokalen Cybersicherheitsgesetze einhalten. Diese Linie hatte zuletzt für Spannungen mit Google und Apple gesorgt, als europäische Regulierer auf der Wahrung von Verbraucherwahlfreiheit und offenen Märkten bestanden.