KI-Boom lähmt Netzwerk-Hardware: Lieferzeiten explodieren

KI-Investitionen verknappen Komponenten für Router und Switches. Lieferzeiten steigen auf bis zu neun Monate, Preise für Enterprise-Switches ziehen kräftig an.

Massive Investitionen in Künstliche Intelligenz treiben die Nachfrage in die Höhe, während kritische Komponenten knapp werden. Die Folge: Lieferzeiten für Router und Switches erreichen Werte, die seit der Post-Pandemie-Phase nicht mehr gesehen wurden.

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Der KI-Hunger frisst die Ressourcen

Der strategische Umbruch ist dramatisch: Netzwerk-Ausrüster verlagern ihre Ressourcen massiv in Richtung KI-Rechenzentren. Eine Gartner-Analyse vom 6. Mai 2026 zeichnet ein klares Bild: Die Ausgaben für KI-Netzwerk-Infrastruktur werden die Investitionen in klassische Rechenzentren noch in diesem Jahr übertreffen.

Die Folgen für Unternehmen sind gravierend. Gartner prognostiziert Preissteigerungen von 15 bis 40 Prozent für Enterprise-Switches. Die Lieferzeiten, die Mitte 2025 noch bei ein bis zwei Monaten lagen, haben sich auf drei bis neun Monate ausgedehnt. Der Grund: KI-Anbieter agieren in ganz anderen Dimensionen als traditionelle Unternehmen und saugen die verfügbaren Komponenten förmlich auf.

Arista Networks bestätigte diesen Trend in seinem Quartalsbericht vom 7. Mai 2026. Der Hersteller meldete einen Umsatz von umgerechnet rund 2,5 Milliarden Euro – ein Plus von 35,1 Prozent. Doch die Warnung folgte auf dem Fuß: Engpässe bei Wafern, Silizium-Chips und CPUs bleiben eine massive Hürde. Arista rechnet mit anhaltenden Lieferproblemen für die nächsten ein bis zwei Jahre.

Substrat-Krise und DRAM-Engpass

Ein Blick auf die konkreten Materialengpässe zeigt die ganze Dimension des Problems. In einer Einreichung bei der US-Regulierungsbehörde FCC vom 12. Mai 2026 schlug AT&T Alarm: Es fehlen spezielle Substrat-Materialien für Router-Chipsätze. Die Lieferanten müssen neue Materialien finden, sonst stehen die Produktionslinien still.

Hinzu kommt eine DRAM-Krise, die den Rollout von Wi-Fi 7 gefährdet. Der Engpass bei DDR4-Speicher – eigentlich Standard für moderne Access Points – ist hausgemacht. Die Halbleiterindustrie priorisiert High-Bandwidth Memory (HBM) und DDR5 für KI-Beschleuniger. Wer Wi-Fi 7 einführen will, muss mit Verzögerungen rechnen.

Cisco hat sich zwar frühzeitig eine Führungsposition bei Wi-Fi-7-Umsätzen gesichert. Doch die langfristige Entwicklung bleibt ungewiss. Verschärft sich der DDR4-Mangel, könnten sich die Lieferzeiten für die neue WLAN-Generation weiter verlängern – ausgerechnet jetzt, wo Unternehmen ihre Campus-Netze für hybride Arbeitsmodelle modernisieren.

US-Importverbot zwingt zu Neuausrichtung

Ende März 2026 eskalierte die Lage zusätzlich: Die US-Regierung verhängte ein Importverbot für neu hergestellte, ausländische Consumer-Router – begründet mit nationalen Sicherheitsrisiken. Bestehende Lagerbestände sind zwar ausgenommen, doch jede Hardware-Änderung benötigt künftig eine Sondergenehmigung der FCC.

Die Folgen sind gewaltig. Ein Bericht des Global Electronics Association vom 9. April 2026 zeigt: Kaum ein Consumer-Router wird derzeit vollständig in den USA produziert. Zwar haben viele Hersteller ihre Fertigung bereits aus China nach Vietnam, Thailand und Taiwan verlagert. Doch der Aufbau einer echten US-Produktion würde Jahre dauern.

Die Zahlen sprechen Bände: Chinesische Importe machten 2025 nur noch 1,1 Prozent des US-Router-Importwerts aus. Doch das Verbot betrifft alle „ausländisch produzierten“ Geräte – ein massives Problem für US-Marken wie Netgear oder eero, deren Produktion fast komplett im Ausland stattfindet.

Das Ende der „Inventur-Phase“

Die aktuellen Engpässe markieren eine klare Zäsur. In den Jahren 2024 und 2025 dominierte die „Inventory Digestion“ – Unternehmen pausierten Bestellungen, um die während der Pandemie gehorteten Lagerbestände abzuarbeiten.

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Diese Phase ist seit Mai 2026 endgültig vorbei. Analysten sprechen von einem „Triple-Refresh-Zyklus“: dem Bau dedizierter KI-Rechenzentren, der Umstellung auf Wi-Fi 7 in Büros und der Modernisierung vernachlässigter Campus-Infrastruktur. Ciscos jüngste Quartalszahlen spiegeln diese Erholung wider: 13,7 Milliarden Euro Umsatz, ein Plus von acht Prozent im Jahresvergleich.

Doch die Geschwindigkeit dieser Erholung hat die Lieferketten überrascht. Die Logistikkosten, 2024 noch gefallen, beginnen wieder zu schwanken. Fast 41 Prozent der Logistikausgaben entfallen heute auf die ineffiziente „letzte Meile“ der Auslieferung.

Ausblick: Ein schwieriger Rest des Jahres

Die Halbleiterindustrie steuert 2026 auf einen Umsatz von einer Billion Euro zu – ein historischer Meilenstein. Doch die Kehrseite: KI-Chips werden voraussichtlich die Hälfte dieser Einnahmen generieren, obwohl sie weniger als 0,2 Prozent des Stückvolumens ausmachen. Für alle anderen Bereiche bedeutet das: anhaltender Druck.

Für IT-Manager heißt das: Verfügbarkeit vor Preis priorisieren und auf Multi-Source-Strategien setzen. Wer jetzt nicht umdenkt, riskiert massive Verzögerungen bei kritischen Infrastruktur-Projekten. Die Zeiten, in denen Liefertermine verlässlich waren, sind vorerst Geschichte.