Die vier größten Mainboard-Hersteller Taiwans – ASUS, Gigabyte, MSI und ASRock – verzeichnen für 2026 einen gemeinsamen Rückgang ihrer Auslieferungen um 28 Prozent. Schuld sind explodierende Komponentenpreise und Lieferketten, die durch den globalen KI-Wahn aus dem Gleichgewicht geraten sind.
Die Krise trifft die Branche mit voller Wucht. Branchenbeobachter sprechen von einer der schwersten Phasen für die „Großen Vier“. Der Grund: Die unstillbare Nachfrage nach High-Bandwidth-Speicher (HBM) und Server-Chips für KI-Rechenzentren hat die Produktionskapazitäten und Materialien aufgefressen, die einst dem Desktop-Markt vorbehalten waren. Die Folge: Die gemeinsamen Auslieferungen der vier Schwergewichte schrumpfen um rund 11,7 Millionen Einheiten.
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ASUS auf Talfahrt – schwächstes Jahr seit 2008
Besonders hart erwischt es den Marktführer ASUS. Aktuelle Industriedaten zeigen, dass der Konzern um die magische Grenze von 10 Millionen ausgelieferten Mainboards kämpft – ein Einbruch von 33 Prozent im Vergleich zu den 15 Millionen Einheiten aus dem Jahr 2025. Das wäre das schlechteste Ergebnis seit 2008. Allein im ersten Halbjahr 2026 schaffte ASUS gerade einmal etwas mehr als fünf Millionen Auslieferungen. Ein gewaltiges Loch, das in den verbleibenden Monaten gestopft werden muss.
Auch die Konkurrenz steckt in der Klemme. Gigabyte hat seine interne Prognose für 2026 auf 8,5 bis 9 Millionen Einheiten nach unten korrigiert – ein deutlicher Rückgang von den 11,5 Millionen des Vorjahres. MSI warnt vor einem Minus von 24 Prozent, die Auslieferungen dürften bei rund 8,4 Millionen Einheiten landen.
ASRock trifft es am härtesten. Marktforscher erwarten einen Sturz auf gerade einmal 2,7 Millionen Einheiten – ein Minus von 37 Prozent gegenüber den 4,3 Millionen aus 2025. Der traditionelle PC-Markt für Selbstbauer und Enthusiasten wird für preisbewusste Kunden zunehmend unerschwinglich.
Die „KI-Steuer“ auf Komponenten
Der Haupttreiber des Absatzkollapses? Die dramatisch gestiegenen Kosten für einen kompletten PC. Branchenkenner sprechen von einer regelrechten „KI-Steuer“. Die Mainboard-Preise selbst sind zwar „nur“ um 10 bis 20 Prozent gestiegen. Doch die Nebenkosten treiben Enthusiasten vom Upgrade-Zyklus ab.
DRAM- und NAND-Flash-Produktion wird massiv in margenstarke KI-Server-Anwendungen umgeleitet. Die Folge: Eine massive Verknappung von Standard-Arbeitsspeicher. Die Preise für DDR5- und sogar ältere DDR4-Kits sind explodiert. Während Speicherkosten historisch etwa 15 Prozent der Gesamtkosten eines PCs ausmachten, liegen sie heute häufig bei über 30 Prozent.
Hinzu kommt: Die Verfügbarkeit von Prozessoren wird zum Nadelöhr. Intel und AMD priorisieren die Fertigung margenstarker Server-Chips wie Xeon und EPYC – zulasten der Consumer-Modelle. Die Folge: Preiserhöhungen bei Desktop-Prozessoren und Lieferengpässe von bis zu sechs Monaten in manchen Regionen. Kombiniert mit einem Preisanstieg von 10 bis 20 Prozent bei fertigen Komplettsystemen entscheiden sich viele Kunden lieber für den Erhalt ihrer alten Hardware.
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Upgrade-Zyklus steht still
Der fehlende Anreiz für ein Upgrade lähmt den Markt zusätzlich. Zwar unterstützen die neuen Plattformen von Intel und AMD den PCIe-5.0-Standard. Doch der Anreiz zum Umstieg schwindet, weil der Grafikkartenmarkt stagniert. NVIDIA hat auf eine neue „Super“-Serie seiner aktuellen GPU-Generation verzichtet. Und die nächste RTX-60-Serie wird frühestens 2028 erwartet. Ein Hauptgrund für Mainboard-Upgrades fällt damit weg – viele Nutzer kaufen ein neues Board nur dann, wenn sie auch in eine neue Grafikkarte investieren.
Ein weiteres Problem: Die Langlebigkeit der Sockel. AMDs Bekenntnis zum AM5-Sockel erlaubt es Nutzern, ihr Mainboard zu behalten und nur die CPU zu tauschen – das drückt die Nachfrage nach neuen Boards zusätzlich. Intels kommende Nova-Lake-Architektur mit dem LGA-1954-Sockel wird noch dieses Jahr erwartet. Doch die hohen Preise für kompatible Speicher und die anhaltende Chip-Knappheit dürften die Begeisterung dämpfen.
Geopolitische Faktoren verschärfen die Lage. Die Schließung der Straße von Hormus – eine der wichtigsten globalen Schifffahrtsrouten – hat zu massiven Logistikproblemen geführt. Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten hat Lieferketten zerrissen, die Versandkosten in die Höhe getrieben und Lieferzeiten für Spezialkomponenten verlängert.
Hersteller flüchten zu KI-Servern
Trotz des düsteren Ausblicks für den Consumer-Markt finden die Mainboard-Hersteller eine finanzielle Rettungsleine – ausgerechnet im selben Sektor, der ihre Konsumsparte in die Krise stürzt: dem KI-Server-Geschäft.
ASUS, Gigabyte und ASRock haben einen erheblichen Teil ihrer Forschungs-, Entwicklungs- und Fertigungskapazitäten auf KI-Server-Plattformen umgestellt. Diese Produkte erzielen deutlich höhere Margen als Consumer-Mainboards. Bei einigen Herstellern machen Server-Produkte inzwischen zwischen 18 und 70 Prozent des Gesamtumsatzes aus.
Indem sie sich ein Stück der Milliarden-Investitionen sichern, die Hyperscaler und Cloud-Anbieter in Rechenzentren pumpen, gleichen die Firmen die Verluste aus ihren schrumpfenden Consumer-Sparten aus. In manchen Fällen fahren sie trotz zweistelliger Rückgänge bei den Mainboard-Stückzahlen Rekordgewinne ein. Die Kehrseite: Der Consumer-Markt dürfte auf absehbare Zeit weiter vernachlässigt werden – bei Preisen und Produktionsprioritäten.
Ausblick: Ende des Einsteiger-PCs?
Die Aussichten für den DIY-PC-Markt bleiben bis Ende 2026 düster. Branchenexperten warnen: Der Einsteiger-PC – traditionell definiert durch Bauten unter 800 Euro – könnte bis 2028 nahezu aussterben, wenn die Komponentenpreise weiter steigen.
Ein kleiner Lichtblick: Derzeit locken Händler mit aggressiven Rabatten auf Mainboard-Bundles. Da die Lager aufgrund der schwachen Nachfrage überquellen, sind sie bereit, Mainboards zusammen mit CPUs oder Speicher zu reduzierten Preisen zu verkaufen. Doch Marktforscher warnen: Diese Rabatte gleichen die breiten Preissteigerungen im restlichen PC-Ökosystem oft nicht aus.
Das „KI-Zeitalter“ hat dem Enthusiasten-Markt bislang vor allem eines gebracht: eine Schrumpfkur. Bis die Speicherproduktion mit der Nachfrage aus Rechenzentren und Consumer-Markt Schritt hält – oder eine neue Grafikkarten-Generation einen massiven Erneuerungszyklus auslöst –, werden die Mainboard-Hersteller wohl weiter mit einer „öden Landschaft“ in ihren Consumer-Sparten kämpfen. Der traditionelle Upgrade-Zyklus bleibt mindestens bis 2027 gestört.

