KI-Boom stürzt PC-Markt in die Krise

Der globale PC-Markt erwartet 2026 einen Abschwung und stark steigende Preise, da die Halbleiterindustrie Kapazitäten auf KI-Server verlagert. Die IDC prognostiziert eine extreme Volatilität.

Der globale PC-Markt steht vor einem turbulenten Jahr mit Lieferengpässen und drastischen Preiserhöhungen. Grund ist der Goldrausch um KI-Infrastruktur, der essentielle Komponenten knapp und teuer macht.

Nach einem überraschend robusten Wachstum 2025 erwartet die Branche 2026 eine Phase erheblicher Volatilität und einen möglichen Abschwung. Die finale Bilanz für 2025 zeigte noch ein gesundes Plus von 8,1 Prozent bei den Auslieferungen. Analysten warnen jedoch: Der späte Aufschwung im vierten Quartal (+9,6 Prozent) war ein Anomalie, getrieben von Hamsterkäufen in Erwartung der kommenden Knappheit. Jetzt schlägt die strategische Neuausrichtung der gesamten Halbleiterindustrie voll durch.

KI-Server fressen die PC-Produktion auf

Das Kernproblem liegt nicht in fehlender PC-Nachfrage, sondern in einer fundamentalen Verlagerung der Produktionskapazitäten. Der unersättliche Hunger von KI-Rechenzentren nach Hochleistungschips schafft einen lukrativeren Markt. Hersteller priorisieren daher KI-Server gegenüber traditioneller Unterhaltungselektronik.

Technologie-Giganten wie Dell, HP und Lenovo befinden sich in einem Wettrennen um die lukrative KI-Infrastruktur. Dell verzeichnete bereits einen Anstieg der Server- und Netzwerkverkäufe um 69 Prozent allein durch KI-Nachfrage. Die Datenzentren-Sparte gilt nun als primärer Wachstumsmotor – mit Prognosen, die die des PC-Geschäfts bei weitem übertreffen.

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Die Konsequenz für die PC-Lieferkette ist unmittelbar und schwerwiegend. Speicherhersteller lenken ihre Produktion von Standard-DRAM und NAND Flash – wie sie in Laptops und Desktops verbaut werden – zu profitablerem High-Bandwidth Memory (HBM) für KI-Accelerator-Chips um. Dies wird nicht als temporärer Engpass, sondern als dauerhafte strategische Weichenstellung gesehen. Ein deutliches Signal: Der Speicherhersteller Micron stellt seine Verbrauchermarke „Crucial“ bis Februar 2026 ein. Die Gewinnmargen mit KI-Komponenten für Unternehmen überstrahlen einfach den Konsumentenmarkt.

Prognosen: Weniger Geräte, höhere Preise

Die International Data Corporation (IDC) warnt für 2026 vor einem „extrem volatilen“ Markt. Die Komponenten-Knappheit wird die Anzahl produzierbarer Einheiten direkt begrenzen. In pessimistischen Szenarien der IDC könnte der PC-Markt um bis zu neun Prozent schrumpfen – eine dramatische Kehrtwende.

Verbraucher und Firmenkunden müssen sich auf deutlich höhere Preise einstellen. Angesichts explodierender Kosten für Speicher und andere Bauteile signalisieren Hersteller bereits Preiserhöhungen von 15 bis 20 Prozent für 2026. Um ihre Margen zu schützen, werden sich Anbieter voraussichtlich auf Mittelklasse- und Premium-Systeme konzentrieren. Bezahlbare Einsteigergeräte könnten rarer werden. Es ist sogar möglich, dass einige Hersteller die durchschnittlichen Speicher-Spezifikationen in ihren PCs senken, um mit der knappen Lagerhaltung zurechtzukommen.

Auch KI-PCs haben es schwer

Die große Hoffnung der Branche, der sogenannte „KI-PC“, steht ebenfalls vor Herausforderungen. Zwar werben Hersteller intensiv für neue Geräte mit dedizierten Neural Processing Units (NPUs). Die Akzeptanz bei Verbrauchern und Unternehmen bleibt jedoch verhalten. Hohe Preise bremsen Privatkunden aus, während viele Firmen den praktischen Nutzen von lokaler KI noch evaluieren.

Ironischerweise behindert derselbe Komponentenmangel, den der KI-Server-Boom verursacht, den Rollout der KI-PCs. Diese neuen Geräte benötigen oft fortschrittlicheren und mehr Speicher, um lokale KI-Modelle effektiv auszuführen. Damit konkurrieren sie direkt um die knappen Ressourcen, die in Rechenzentren fließen. Hersteller stecken in der Zwickmühle: Sie müssen höhere Preise für neue Features rechtfertigen, während gleichzeitig die Kosten der Grundkomponenten steigen.

Konsolidierung und ein veränderter Fokus

Das kommende Jahr dürfte die Marktkonsolidierung beschleunigen. Größere, etablierte Marken wie Lenovo, HP und Apple gelten aufgrund ihrer Größe und ihres Einflusses auf Zulieferer als besser positioniert, um Lieferengpässe zu navigieren. Sie könnten Marktanteile von kleineren, regionalen Anbietern übernehmen, die Schwierigkeiten haben, notwendige Komponenten zu sichern.

Analysten deuten an, dass Unternehmen wie Dell und HP ihre hochprofitablen Server-Sparten zunehmend priorisieren könnten – möglicherweise auf Kosten ihrer PC-Paletten, die dann weniger wettbewerbsfähig werden. Für absehbare Zeit wird der PC-Markt nicht mehr der primäre Innovations- und Investmenttreiber für viele seiner größten Player sein. Der Fokus der Industrie hat sich auf die Cloud und die massiven KI-Rechenzentren verlagert. Der PC-Markt muss sich einer neuen Realität anpassen: engeres Angebot, höhere Kosten und ein Kampf um seinen Platz in der neuen technologischen Hierarchie.

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