Das US-Außenministerium verschärft den Ton im globalen Wettbewerb um die Vorherrschaft bei künstlicher Intelligenz (KI). In einem Entwurf für ein Schreiben an die 35 Unterzeichnerstaaten des im Juni 2026 verabschiedeten „AI Opportunity Statement“ warnt Washington davor, gleichzeitig dem US-geführten Bündnis „Pax Silica“ und dem chinesischen „WAICO“-Framework beizutreten. Die US-Regierung signalisiert damit das Ende einer strategischen Absicherung durch die Mitgliedschaft in beiden Lagern.
In dem Dokument stellt das Außenministerium klar, dass eine Teilnahme an Chinas KI-Framework zum Ausschluss aus dem Pax-Silica-Bündnis führe. Ein US-Beamter unterstrich diese Position mit dem Hinweis, dass Partnerstaaten sich für eine Seite entscheiden müssten.
Wer versuche, Teil jedes Systems zu sein, gehöre letztlich keinem an. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass die USA zunehmend Pläne forcieren, befreundete Staaten im technologischen Wettbewerb zur expliziten Seitenwahl zu verpflichten.
Die Architektur der konkurrierenden Blöcke
Das von den USA angeführte Bündnis Pax Silica wurde im Dezember 2025 von 24 Ländern ins Leben gerufen. Zu den namhaften Mitgliedern gehören heute unter anderem Australien, Japan, Großbritannien und Südkorea. Zuletzt weitete die Koalition ihren Einfluss in Europa und Zentralasien aus. Italien trat Pax Silica am 30. Juli 2026 bei, während Kasachstan als bisher einziges zentralasiatisches Land in der Gruppe vertreten ist.
Demgegenüber steht das von China initiierte WAICO-Framework (World AI Cooperation Order). Dieses wurde am 16. Juli in Shanghai von 29 Ländern gegründet. Um insbesondere Staaten des Globalen Südens an sich zu binden, bietet Peking im Rahmen dieses Programms 5.000 Ausbildungsplätze für KI-Training über einen Zeitraum von fünf Jahren an. Damit versucht China, eine technologische Alternative zu westlichen Standards zu etablieren.
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Kasachstan im Fokus der geopolitischen Spannungen
Die neue Richtlinie aus Washington bringt insbesondere Kasachstan in eine diplomatisch schwierige Lage. Das Land ist derzeit der einzige Staat, der sowohl Mitglied von Pax Silica als auch des chinesischen WAICO-Frameworks ist.
Die USA machen nun deutlich, dass ein solches Agieren zwischen den Blöcken künftig nicht mehr toleriert wird. Auch gegenüber europäischen Partnern wie Italien wird signalisiert, dass Washington die Ära der technologischen Doppelgleisigkeit für beendet erklärt.
Kritik aus Peking an drohender Fragmentierung
Die chinesische Regierung reagierte mit deutlicher Kritik auf die Bekanntgabe der US-Pläne. Die chinesische Botschaft verurteilte die Politisierung von Handel und Technologie. Ein Leitartikel der staatlichen Zeitung China Daily wertete den US-Entwurf als Versuch, Länder zur Seitenwahl zu zwingen. Eine solche Strategie befördere einen Nullsummen-Ansatz und berge die Gefahr, globale Lieferketten nachhaltig zu fragmentieren.
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Analysten sehen in dem Vorstoß des US-Außenministeriums eine Zäsur für die internationale Digitalpolitik. Während viele Staaten bisher versuchten, von den technologischen Angeboten beider Großmächte zu profitieren, fordern die USA nun eine klare Bündnistreue ein. Dies könnte zu einer dauerhaften Spaltung der globalen KI-Infrastruktur in zwei inkompatible Sphären führen.

