KI-Buttons zum Wegklicken: Microsoft und Google im Wettlauf um die bessere Büro-Software

Microsoft macht Copilot-Button verschiebbar, Google startet autonomen KI-Agenten Gemini Spark. Nutzerakzeptanz bleibt die große Herausforderung.

Der Kampf um die Zukunft der Büroarbeit ist entbrannt. Microsoft und Google liefern sich ein Wettrennen um intelligente Assistenten – während die Nutzer vor allem eines wollen: Ruhe vor den ständig störenden KI-Buttons.

Die Nachricht schlug in der vergangenen Woche hohe Wellen: Microsoft reagiert auf monatelange Kritik und macht den umstrittenen Copilot-Button in Office endlich verschiebbar. Gleichzeitig zieht Google mit einem vollautonomen KI-Agenten nach, der rund um die Uhr im Hintergrund arbeiten soll. Der Trend ist klar: Die Software-Riesen setzen voll auf künstliche Intelligenz. Doch die Frage bleibt, ob die Nutzer diesen Kurs mitgehen.

Microsoft räumt auf: Schluss mit dem nervigen Copilot-Button

Es war eine der meistgehörten Beschwerden von Power-Usern: Der schwebende Copilot-Button in Word, Excel und PowerPoint blockierte immer wieder wichtige Zellen oder Menüpunkte. Besonders Excel-Nutzer hatten unter dem störenden Element zu leiden. Ab sofort können Anwender den Button per Rechtsklick entweder zurück ins klassische Menüband verschieben oder an eine beliebige Stelle auf dem Bildschirm ziehen.

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Die Anpassung kommt nicht von ungefähr. Nur 3,3 Prozent der Microsoft-365-Kunden zahlen derzeit für die Copilot-Funktionen. Ein Wert, der zeigt: Die Technik allein reicht nicht – sie muss auch akzeptiert werden. Microsoft hat zudem neue Tastenkürzel für die Barrierefreiheit eingeführt: Alt+C unter Windows, Cmd+Ctrl+I auf dem Mac und die F6-Taste zum Springen zwischen Bedienelementen.

Doch damit nicht genug. In den aktuellen Windows-11-Vorschauversionen integriert Microsoft eine lokale Hintergrundgeräuschfilterung, erweitert die Braille-Unterstützung und verbessert die Farbfilter. Und für alle, die die neue Copilot-Taste auf der Tastatur nicht nutzen wollen: Sie soll sich bald auf Right-Ctrl oder die Menü-Taste umlegen lassen.

Google schaltet den nächsten Gang: Gemini Spark übernimmt im Hintergrund

Während Microsoft an der Feinarbeit seiner Oberfläche feilt, geht Google einen Schritt weiter. Auf der Entwicklerkonferenz präsentierte der Konzern am 19. Mai den Gemini Spark – einen KI-Agenten, der rund um die Uhr in der Cloud arbeitet. Ab dem 25. Mai startet die Beta für US-Abonnenten des AI-Ultra-Tarifs.

Der Agent durchforstet eigenständig E-Mails, fasst lange Threads zu einem „Daily Brief“ zusammen und verwaltet Kalendereinträge. Er arbeitet plattformübergreifend – von Gmail über Docs bis hin zu Drittanbietern wie Canva oder Instacart. Der Preis: 100 Dollar pro Monat für den Standardtarif, Spitzenkonfigurationen für Unternehmen können bis zu 250 Dollar kosten.

Beeindruckend ist die Reichweite: 900 Millionen monatlich aktive Nutzer in 230 Ländern und 70 Sprachen zählt das Gemini-Ökosystem bereits. Eine dedizierte Mac-App mit einer speziellen „Ramble“-Sprachfunktion und lokaler Dateianbindung soll im Sommer folgen.

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Parallel dazu hat OpenAI am 23. Mai die ChatGPT-Integration für PowerPoint gestartet. Nutzer können nun per Textbefehl Folien erstellen und bearbeiten. Die Funktion steht von der kostenlosen Version bis zum Enterprise-Tarif zur Verfügung – auch wenn komplexe Formatierungen und benutzerdefinierte Schriftarten noch in Arbeit sind.

Die leisen Alternativen: Datenschutz statt KI-Hype

Während die Großen auf KI setzen, gehen andere Anbieter bewusst einen anderen Weg. Vivaldi hat am 23. Mai Version 8.0 seines Browsers veröffentlicht. Das „Unified Design“ entfernt sichtbare Grenzen zwischen den Browser-Komponenten. Und die Botschaft der Entwickler ist deutlich: Keine generativen KI-Funktionen. Stattdessen setzt man auf Datenschutz und klassische Produktivitätstools wie integrierten E-Mail-Client und Kalender für die 2,4 Millionen aktiven Nutzer.

In Europa formiert sich mit der „Euro-Office“-Suite eine Initiative für digitale Souveränität. Ionos, Nextcloud und Proton arbeiten gemeinsam an einer DSGVO-konformen Alternative zu den US-Produkten. Der Start ist für Sommer 2026 geplant.

OnlyOffice hat am 19. Mai sein Docs 9.4-Update veröffentlicht. Die bisherige 20-Nutzer-Grenze fällt weg, ein nativer Dark Mode ist hinzugekommen. Das macht die Plattform für wachsende kleine und mittlere Unternehmen attraktiver.

Und der Thunderbird-Mailclient hat mit Version 145 einen Meilenstein erreicht: native Microsoft-Exchange-Unterstützung über EWS. Ein UI-Update für den Kalender und native mobile Apps für Android und iOS sind für den Sommer angekündigt.

Sicherheit und Kosten: Die Schattenseiten des KI-Booms

Die rasante Feature-Entwicklung hat ihren Preis. Microsoft und EY haben kürzlich eine Fünfjahrespartnerschaft im Wert von rund einer Milliarde Euro für KI-gesteuerte Transformationen abgeschlossen. Gleichzeitig steigen die Kosten für die Nutzer: Zum 1. Juli 2026 erhöht Microsoft die Preise für Microsoft 365. Business Basic wird 16 Prozent teurer, Business Standard 12 Prozent. Ein neues Spitzenpaket, M365 E7, kommt für 92 Euro pro Nutzer und Monat auf den Markt.

Die Sicherheit bleibt ein kritischer Punkt. Eine schwerwiegende Sicherheitslücke (CVE-2026-23377) in Windows und Office wurde Ende Mai bekannt. Die US-Behörde CISA setzt eine Frist zur Behebung bis zum 3. Juni 2026. Sicherheitsanbieter wie Kaspersky haben am 23. Mai ihre Mailserver-Schutzsoftware aktualisiert. Neue Funktionen wie „Content Disarm and Reconstruction“ analysieren passwortgeschützte Archive und scannen QR-Codes. Der Grund: Fast 50 Prozent des weltweiten E-Mail-Verkehrs ist Spam.

Ausblick: Was kommt auf die Nutzer zu?

Die kommenden Monate werden für Unternehmen zur Bewährungsprobe. Am 1. Oktober 2026 schaltet Microsoft Exchange Web Services (EWS) für Exchange Online ab. Wer bis dahin nicht auf die Graph-API umgestiegen ist, steht vor einem Problem.

Und selbst bei der Hardware gibt es Bewegung: Microsoft reagiert auf die Kritik am Xbox-Controller S Edition, der im März 2026 die 3,5-mm-Klinkenbuchse entfernt hatte. Ein Hardware-Refresh im August soll den Anschluss zurückbringen – aktuelle Besitzer erhalten kostenlose USB-C-Adapter.

Der Trend ist eindeutig: Die Software wird „agentischer“, autonomer. Aber der Kampf um die Akzeptanz der Nutzer ist noch lange nicht entschieden. Dass Microsoft den Copilot-Button jetzt verschiebbar macht, zeigt: Auch die größten Konzerne müssen sich dem Willen ihrer Kunden beugen. Die Frage ist nur, wie lange die Geduld der Anwender reicht, wenn die Preise steigen und die KI immer weiter in den Vordergrund drängt.